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Euro 2016: Der Kampf der Nationalisten

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
KRAWALLE EURO
dpa
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Vergangenen Freitag ging es los: Die EURO 2016, die 15. Fu├čballeuropameisterschaft startete mit dem Spiel Frankreich gegen Rum├Ąnien. Im Turnier spielen die besten Nationalmannschaften Europas gegeneinander. Die EM ist neben der Fu├čballweltmeisterschaft das zweitgr├Â├čte Fu├čballfestival und findet alle vier Jahre regelm├Ą├čig statt. Dieses Mal sollte das Turnier ein ganz besonderes werden - Mehr L├Ąnder (Teams), mehr Vielfalt, mehr Umsatz. Doch die Stimmung ist jetzt schon im Keller.

Die EM wird durch den rechten Terror und gro├če Massenschl├Ągereien ├╝berschattet. Dabei hatte man sich doch so sehr auf den Terror eingestellt - nur nicht auf den, der sich die ganze Zeit in Europa penetrant aufspielt, den aber niemand wahrhaben m├Âchte: Der radikale Nationalismus, den man als Hooliganismus bezeichnen m├Âchte. Ich bitte Euch: Nennen wir die Dinge doch beim Namen.

Bereits vor dem Auftaktspiel Frankreich gegen Rum├Ąnien, haben englische Fans mit nationalistischen Parolen Einheimische in Marseille angegriffen. Am Samstag k├Ąmpften dann russische Fans gegen Engl├Ąnder auf offener Stra├če. Im Stadion in Marseille st├╝rmte eine Vielzahl von russischen Fu├čballfans den englischen Block. Auch Polen gegen Nordirland fand nicht nur auf dem Spielfeld statt. Das sch├Âne Nizza kam also auch nicht davon. Bei den Ausschreitungen wurden mehrere Menschen verletzt.

Wir haben ein ernstes Problem

Auch das Spiel unserer Nationalmannschaft gestern Abend wurde von Meldungen ├╝berschattet, die dar├╝ber berichteten, wie deutsche Neonazis mit Reichkriegsflaggen Ukrainer in Lille angriffen. In den sozialen Medien werden Menschen f├╝r den Kampf gegen die Polen mobilisiert. Sorry aber, wer da noch von Hooligans spricht, hat eine an der Klatsche. Das sind rechtsradikale Terroristen.

Mich wundert das ├╝berhaupt nicht: Durch die Terroranschl├Ąge in Europa, die Angst sch├╝rende Medienberichterstattung, die Diskussion ├╝ber eine Weltreligion via ÔÇ×Islamexperten", die Zustr├Âme muslimischer Menschen aus dem Nahen-Osten und Nordafrika, die Meinungsverschiedenheiten der europ├Ąischen L├Ąnder untereinander, die desolate Fl├╝chtlingspolitik an sich, und das alles vor dem Hintergrund der europ├Ąischen Wirtschaftskrise, die trotz Draghi und der medialen Verharmlosung f├╝r den einzelnen Menschen Europas stark sp├╝rbar ist, sind viele Europ├Ąer frustriert und sehnen sich nach "guten alten Zeiten".

Wenn wir nicht bald aufwachen, ist das gerade noch der Anfang!

Aus ihren L├Âchern kriechen sie dann. Diejenigen, welche die Emotionen der Menschen missbrauchen. Ich meine Pegidisten, AfD'ler usw., die wir frei gew├Ąhren lassen. Die, die seit Jahren Fl├╝chtlingsheime, Moscheen und Synagogen angreifen, wie sie es seit dem Nationalsozialismus nicht mehr taten. Was in Frankreich passiert, sind die Resultate der Ignoranz gegen├╝ber dem rechten Extremismus in Europa.

Nun zum Versuch einer raumsoziologischen Analyse: Im Grunde treffen zwei unterschiedliche R├Ąume aufeinander. Der physische, europ├Ąisch-territoriale Raum, der frei von L├Ąndergrenzen ist, wo internationales Reisen fast schon ├ľPNV Charakter hat und die W├Ąhrung (fast) ├╝berall gilt. Dieser Raum sollte ein europ├Ąisches B├╝rgerbewusstsein schaffen.

Stattdessen wird im sozialen Konstitutionsprozess der Raum v├Âllig anders wahrgenommen und definiert. Die Dinge, die bei der EM derzeit passieren, demonstrieren erneut auf sehr bittere Art und Weise das, was wir auch schon in der Fl├╝chtlingsdebatte festgestellt haben. Die europ├Ąische Einheit kriselt nicht nur, sie droht zu zerbrechen.

Wie man bei der EM Diversity feiern kann, haben uns die Kroaten mit den 1/5 geografischen Europ├Ąern aus Kleinasien (T├╝rken) vorgemacht. Diese gilt es f├╝r eine friedliche Europameisterschaft nachzuahmen. Ansonsten soll die EM ganz abgeblasen werden. Das hat mit Fu├čball nichts mehr zu tun.

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