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1,9 Milliarden Kinder und Jugendliche verdienen eine Chance

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Mehr als ein Viertel der Weltbevölkerung ist jünger als 15 Jahre - das entspricht rund 1,9 Milliarden Menschen. Damit lebt aktuell die größte Jugendgeneration aller Zeiten. Die meisten Jugendlichen, nämlich mehr als 1,7 Milliarden, leben in Entwicklungsländern. In Afrika südlich der Sahara ist der Anteil der unter 15-Jährigen an der Gesamtbevölkerung mit 43 Prozent am höchsten. Dagegen stellen Jugendliche unter 15 Jahre in Industrienationen gerade einmal 16 Prozent der Gesamtbevölkerung. Diese Zahlen stammen aus dem Datenreport 2016 der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW).

Grafik: Altersstruktur der Weltbevölkerung, DSW-Datenreport 2016

Die jungen Menschen, die jetzt heranwachsen, sind die Eltern von morgen. Von der nächsten Generation hängt es ab, wie sich die Welt weiterentwickelt. Nachhaltigkeit lautet das Stichwort. Deshalb haben die Vereinten Nationen im vergangenen Jahr die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele beschlossen, die im Januar 2016 in Kraft getreten sind. Die 17 Ziele und ihre 169 Unterziele verbinden wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung in ganz unterschiedlichen Bereichen: zum Beispiel bei der Gesundheitsversorgung, Nahrungsmittelproduktion, Bildung, Arbeitsmöglichkeiten, Gleichberechtigung oder Stadtentwicklung.

Vor allem Kinder und Jugendliche in Entwicklungsländern haben in diesen Bereichen ungleiche Chancen: Das beginnt bereits im Mutterleib und in den ersten Lebensmonaten. Mangelernährung der Mutter während der Schwangerschaft hat oft eine langsamere Entwicklung des Kindes zur Folge. Häufig hinkt es später in Gewicht, Körpergröße und geistiger Entwicklung seinen Altersgenossen hinterher. Wenn es überhaupt das erste Lebensjahr erreicht. Noch immer sterben 39 von 1.000 Lebendgeborenen in Entwicklungsländern bei der Geburt oder innerhalb des ersten Lebensjahres. In Afrika südlich der Sahara sogar 62 von 1.000 Lebendgeborenen. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die durchschnittliche Säuglingssterblichkeit bei 3,2 je 1.000 Lebendgeborene. Die Weltgemeinschaft hat im Ziel 3.2 der nachhaltigen Entwicklungsziele beschlossen, dass die Sterblichkeit bei Neugeborenen bis 2030 in allen Ländern auf mindestens zwölf je 1.000 Lebendgeborene sinken soll. Außerdem soll es bis dahin keine vermeidbaren Todesfälle bei Neugeborenen und Kindern unter fünf Jahren mehr geben.

Auch für die Gesundheit im weiteren Lebensverlauf muss deutlich mehr getan werden. Besonders junge Menschen und Frauen sind durch Krankheiten gefährdet, weil sie sich nicht gut genug vor einer Ansteckung mit übertragbaren Krankheiten schützen können, Medikamente teuer und Impfungen nicht verfügbar sind oder es für manche Krankheiten keine wirksame Impfung gibt. Das trifft vor allem auf die so genannten Armutskrankheiten zu, die meist Menschen in Entwicklungsländern treffen. Bis 2030 wollen die Vereinten Nationen deshalb die Aids-, Tuberkulose- und Malariaepidemien und die vernachlässigten Tropenkrankheiten beseitigen.

Spätestens in der Pubertät werden die Themen Sexualität und Verhütung wichtig. Vielen Jugendlichen, vor allem in Entwicklungsländern, fehlt jedoch ausreichendes Wissen über diese Themen und der Zugang zu Verhütungsmitteln. Das führt häufig zu ungewollten Schwangerschaften und einer weiteren Verbreitung von HIV. Die Weltgemeinschaft möchte deshalb erreichen, dass jeder Mensch bis 2030 Zugang zu Information, Aufklärung und medizinischer Versorgung in den Bereichen Sexualität, Verhütung, Schwangerschaft und übertragbare Krankheiten hat.

Nachhaltigkeit geht jeden etwas an

Die nachhaltigen Entwicklungsziele haben nicht nur Entwicklungsländer, sondern alle Länder im Blick. Das heißt, auch Deutschland hat die Ziele zu erfüllen. In Industrienationen geht es vor allem auch darum, das Konsumverhalten und den Lebensstil der Menschen nachhaltig zu verändern - denn wenn alle Menschen so leben würden wie wir aktuell in Deutschland, bräuchten wir laut dem „Living Planet Report" des World Wide Fund For Nature (WWF) 2,6 Erden. In erster Linie steht die Bundesregierung in der Verantwortung, die nachhaltigen Entwicklungsziele umzusetzen. Aber auch jeder Einzelne kann etwas zur Zielerreichung beitragen: zum Beispiel durch bewusste Kaufentscheidungen, nachhaltigen Energie- und Wasserverbrauch oder klimaschonende Mobilität. Ressourcen sind begrenzt, und wir können nicht weiter gedankenlos konsumieren. Es muss etwas übrig bleiben für die kommenden Generationen. Wir sind alle gefordert, den Kindern und Jugendlichen die bestmöglichen Voraussetzungen, Chancen und Perspektiven für ihr Leben zu bieten.