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Die AfD kopiert den FDP-Wahlspot - und scheitert kläglich

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WEIDEL GAULAND
dpa
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Der neue Wahlspot der AfD beginnt mit wummernden Bässen im Hintergrund, es folgen schnelle Schnitte, immer wieder unterbrechen Schwarz-Weiß-Sequenzen den farbigen Clip.

Die AfD-Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland stellen Fragen - an sich selbst.

"Warum machst du dir überhaupt so viele Gedanken um Deutschland", sagt Alice Weidel etwa, während die Politikerin mit Handy am Ohr auf der Rückbank eines Autos sitzt.

Spätestens das ist der Moment, wo wohl auch viele Zuschauer eine Frage haben. An sich selbst, versteht sich: "Das kenne ich doch irgendwoher?"

Genau, die FDP warb mit einem ähnlichen Spot bereits vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen um Stimmen. Der Clip wurde zum Internet-Phänomen, lange hatte keine Parteiwerbung mehr für so viel Aufmerksamkeit gesorgt.

Hauptakteur des Clips war Spitzenkandidat und FDP-Chef Christian Lindner.

"Haben Sie mal was gemacht, von dem Sie überzeugt waren, dass es richtig ist?", fragte Lindner sich damals in dem Video, während er auf der Rückbank eines Autos saß und ganz Weidel-like auf sein Handy schaute.

Auch Lindners Video war untermalt von Elektrobeats. Auch die Aufnahmen Linders wurden durch scharfe Schnitte unterbrochen.

Das wirkte frisch, etwas verwegen - und zog wegen dem vielleicht etwas zu starken Fokus auf den FDP-Spitzenkandidaten Häme auf sich. Aber der Spot war innovativ, das mussten auch die Kritiker zugeben.

Für die Bundestagswahl wirbt die FDP mit einem ähnlichen Clip, nur etwas bunter und weniger selbstkritisch.

Moderne Optik, alte Parolen

Die AfD hat nun die Ästhetik der FDP-Clips geklaut - und ihre Parolen darunter gelegt. Die "illegale Öffnung der Grenzen" nennt Gauland etwa Merkels Entscheidung im Sommer 2015, die Grenze für Flüchtlinge nicht zu schließen.

"Wenn wir jetzt nicht sagen, das ist unser Land, wir bestimmen hier, dann wird Deutschland von der Karte verschwinden", sagt Gauland danach. Dramatisch. Und natürlich vollkommen übertrieben.

Danach folgen noch die Ausgaben für Asylbewerber und Migranten, Merkels "geheime Europa-Agenda" und ein geplanter Schuldenschnitt für Griechenland.

Keine neuen Forderungen und Aussagen sind das, die da in einer schicken Optik eingepackt wurden. Sondern die üblichen Parolen aus dem AfD-Wutbürger-Katalog.

Wobei Gauland die deutlich radikaleren Ansagen macht und Weidel mit ihrer Zurückhaltung wohl auch Wähler aus dem bürgerlichen Lager ansprechen soll. Zuletzt fielen beide gleichermaßen mit rassistischen Bemerkungen über die SPD-Ministerin Aydan Özoguz auf.

Der AfD-Spot wirkt deshalb nicht nur kopiert, sondern geradezu absurd.

Denn Lindners FDP setzt - gemäß der modernen Aufmachung - auf Themen wie Digitalisierung oder Bildung, Themen für die Zukunft also. Die Themen der AfD zielen alle auf die Vergangenheit, auf das Beschwören einer Zeit vor dem Sommer der Flüchtlingskrise und der Euro-Krise.

Dazu kommt, dass die AfD und der von ihr angeheuerte Werbe-Guru Thor Kunkel offenbar keine eigenen Ideen haben, keine eigene Optik für die AfD entwickeln können.

Das ist peinlich.

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