Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Lenora Thompson Headshot

Lieber Vater, deine grausamen Worte verfolgen mich noch immer

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DAD GIRL SAD
Father talking to daughter (6-7) in bedroom | Jamie Grill/Tetra Images via Getty Images
Drucken

Papa, bist du dir deiner eigenen Machtposition überhaupt bewusst? Gänzlich?

Ich war ein kleines Mädchen, das verzaubert mit ihren Puppen spielte. Ich lauschte deinen Worten, beobachtete jeden deiner Schritte. Bei mir ist alles, was du gesagt und getan hast, ins Gedächtnis eingebrannt.

Und du dachtest, ich würde nicht zuhören! Ha!

Ganz im Gegenteil: Ich habe an jedem Einzelnen deiner Worte gehangen. Drei Jahrzehnte später und deine Worte suchen mich noch immer heim.

Weißt du, damals hast du die Ausmaße meines Selbstbewusstseins festgelegt. Mein Selbstwertgefühl war dein Eigentum. Ob ich eines Menschen würdig sei? Das bestimmtest du.

Du hattest eine messerscharfe Zunge

Wie ich in meinem Artikel "Wie man KEINEN Narzissten aufzieht", der in einem beliebten Erziehungsblog erschien, beschrieb:

"So sehr es auch Indifferenz vortäuschen mag, deinem Kind ist deine gute Meinung von ihm viel wichtiger als dir jemals bewusst sein wird. Deine Meinung von ihnen formt die Basis für ihre lebenslange Selbsteinschätzung und ihr lebenslanges Selbstwertgefühl."

Du hast mich stets beobachtet. Kritisiert. Bemängelt. Kein Wunder, dass ich nervös und schreckhaft in deiner Gegenwart war.

Oh, ich war nur ein kleines Mädchen, aber du hattest eine messerscharfe Zunge. Deine Grausamkeit verstecktest du stets hinter Humor. Als ob das die Gemeinheiten außer Kraft setzen könnte.

Du hast meine Gefühle verletzt

Wieder und wieder bat ich Mama: "Bitte sag Papa, dass er aufhören soll, mich zu ärgern. Es verletzt meine Gefühle." Aber du hast nicht aufgehört oder warst dazu nicht in der Lage.

Über die Jahre hinweg gab es wirklich keine einzige Facette von mir, die deinem Missfallen ausweichen konnte. Äußerlich hast du alles an mir kritisiert. Wie ich meine Haare trug, meine Art und Weise zu gehen...

Du hast mich stets beobachtet. Kritisiert. Bemängelt. Kein Wunder, dass ich in deiner Gegenwart nervös und schreckhaft war. Natürlich kritisiertest du mich dafür. Mein Inneres konnte deinem Anspruch auch nicht gerecht werden.

Du hast mich als Nutte bezeichnet

Mein Herz, meine Emotionen, selbst mein Glauben waren dir ausgeliefert. Du hast mich mit dem Label „ausgesprochen emotional" versehen. Angeblich waren meine Tränen Ausdruck meiner Emotionalität- aber dein hitziges Temperament war es nicht!?!

Du brachtest mich dazu, meine Freunde fallen zu lassen. Als ich dich einem Jungen vorstellte, den ich mochte, hast du mich beinahe als Nutte bezeichnet. Leicht zu haben. Billig. Es sollten 17 Jahre vergehen, bevor ich diesen Fehler noch einmal machte... und ja, ich war außer mir vor Angst, dich meinem Verlobten vorzustellen.

Wenn du nicht dabei warst, mich zu kritisieren, waren andere an der Reihe. Mama. Verwandte. Kollegen. Nachbarn. Fremde. Mental machte ich Notizen. Seitenweise, kiloweise ‚Notizen' darüber, wie man nicht sein sollte. Ein belastender Wälzer, den ich noch immer mit mir durchs Leben schleppe.

Wolltest du mich vernichten?

Oder hast du einfach das Erbe deiner Eltern weitergegeben, die dich vor langer Zeit gleichermaßen vernichteten?

Und dennoch war ich noch immer dein kleines Mädchen. Ich verehrte den Boden, den du betratest. Hing an deinen Lippen. Bis jetzt...

Wie dumm konnte ich sein!?

Ja, du lobtest mich und warst stolz auf mich. Stolz auf meine Erfolge. Sie warfen ein gutes Licht auf dich. Ja, du umarmtest mich... Umarmungen, die, desto älter ich wurde, immer gezwungener, angespannter und ungewollter wurden.

Und jetzt?

Jetzt fange ich erneut eine Therapie an. Oh, ich habe ein tolles Leben! Aber ich kann es einfach nicht genießen, weil ich mich durchgehend scheiße fühle. Ich verabscheue mich.

Was auch immer ich tue, es ist nicht gut genug. Was auch immer ich erreiche, es gibt immer mehr, das ich hätte tun können. Ich bin in Therapie, weil mein Selbstwertgefühl nicht existent ist.

Papa! Warst du dir deiner Macht bewusst? Wolltest du mich vernichten? Oder hast du einfach das Erbe deiner Eltern weitergegeben, die dich vor langer Zeit gleichermaßen vernichteten?

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post Kanada und wurde von Virginia V. Hartmann aus dem Englischen übersetzt.

Auch auf HuffPost:

Überwachungskamera: Die Kassiererin sah, dass etwas mit der Mutter und ihrem Baby nicht stimmte - und reagierte sofort


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Viele Kinder in Deutschland sind so arm, dass ihre Eltern sich nicht einmal eine warme Mahlzeit leisten können. Ihnen hilft das Deutsche Kinderhilfswerk mit Kinderhäusern. Hier können die Kinder in Ruhe essen, Hausaufgaben machen und sogar an Kochkursen teilnehmen. Das ist nur mit Spenden möglich.

Die Wirtschaftskrise in Griechenland trifft Kinder ganz besonders. Der Verein KRASS e.V." möchte den Kindern in Athen und wo immer möglich in Griechenland, eine Auszeit mit Spiel, Kunst und Spaß unter professioneller Begleitung ermöglichen."Details findet ihr hier.

Ihr könnt auch einfach Zeit spenden: Als Vorlesepate von Kindern im Raum Stuttgart bei Leseohren e.V.

Oder ihr werdet gleich Pate für ein Kind und schenkt ihm ein Stück unbeschwerte Freizeit: Solche Paten vermittelt zum Beispiel das Projekt Biffy Berlin.

(LM)