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Der Sinn des Lebens ist leben - das war's?

14/06/2017 13:31 CEST | Aktualisiert 14/06/2017 13:31 CEST
lolostock via Getty Images

Was ist der Sinn des Lebens? Um diese Frage zu beantworten, könnte ich an dieser Stelle die Weisheiten unzähliger Philosophen, Dichter und Denker zitieren, die ebenso unzählige Antworten liefern würden, ohne der vermeintlich wahren Bedeutung unseres Seins über Jahrtausende hinweg auch nur einen winzigen Schritt näher gekommen zu sein.

Das wäre äußerst mühsam und ebenso mühsam erscheint es, sich über diese existenzielle Frage den Kopf zu zerbrechen, sie überhaupt zu stellen. Dennoch hat sich wohl ein jeder von uns schon einmal mit ihr auseinandergesetzt, fieberhaft nach einer objektiven Wahrheit gesucht, die es angesichts der sich hinter den Worten verbergenden Abstraktion nicht zu geben scheint.

Lohnt es sich daher überhaupt noch sie zu stellen? Ist es im Hinblick auf die Tatsache, dass wir biologisch betrachtet ausschließlich der Erhaltung unserer Spezies verpflichtet sind und unsere Existenz aufs Große und Ganze bezogen nicht länger als einen Wimpernschlag andauert, überhaupt notwendig? Ist sie in Anbetracht der zahllosen gescheiterten (oder möglicherweise sogar erfolgreichen?) Versuche sie zu beantworten noch aktuell? Will jemand tatsächlich noch einen dieser Artikel lesen, in denen irgendein Student, der die Worte in die Tastatur seines Laptops hämmert, um mit der Geschwindigkeit seiner eigenen durcheinander wirbelnden und sich verknotenden Gedanken mithalten zu können, sich anschickt, ebendiese zu ordnen und seiner eigenen subjektiven Wahrheit ein Stück weit näher zu kommen? Und wieso hat er sich bei der Wahl seines Titels trotz der sich bietenden unüberschaubaren Anzahl möglicher Definitionen ausgerechnet eine Zeile aus einem Casper-Song ausgesucht?

Ein kaum fassbares Phänomen

Diese ersten Zeilen veranschaulichen eine der Problematiken, die das Sinnieren über von derartig abstrakten Begriffen geprägte Fragen stets mit sich bringt: Sie werfen mehr neue Fragen auf, als dass sie selbst beantwortet werden können.

Die Sinnhaftigkeit des Lebens ist wohl einer dieser Gedanken, die einem dann im Kopf herumschwirren, während man spätabends auf seinem Bett liegt und an seine in das fahle Licht des Mondes getauchte Zimmerdecke starrt und der zu gleichen Teilen erdrückenden und beruhigenden Stille um sich herum lauscht.

Es handelt sich bei ihr um eines dieser mit Worten kaum erfassbaren Phänomene, über die man zu sprechen beginnt, wenn man sich an warmen Sommerabenden am See, angenehm berauscht vom Alkohol oder der Schwerelosigkeit des Augenblicks, der eigenen Vergänglichkeit bewusst wird. Und so schwer sie auch greifbar erscheint, glaube ich, dass jeder an irgendeinem Punkt in seinem Leben den Versuch unternehmen sollte, eine Antwort auf diese Frage zu finden.

Dabei ist es völlig egal, ob man sich bloß wenige Minuten auf der kurzen Bahnfahrt zum Job damit beschäftigt, oder aber sein gesamtes Dasein dieser Angelegenheit widmet. Wahrscheinlich ist die erstgenannte Möglichkeit sogar deutlich besser, da sie keine schlaflosen Nächte verursacht.

Es geht auch nicht darum, zu einem Ergebnis zu gelangen, mit dem jeder einverstanden ist, das man überhaupt jemand anderem mitteilen muss. Vielmehr geht es um die subjektive Reflektion der eigenen Vorstellungen, Ideale, Wünsche, Träume und der persönlichen Realität.

Stehe ich da, wo ich stehen will? Bin ich der Mensch, der ich immer sein wollte? Bin ich glücklich? Wenn nein, was muss ich tun, damit ich dort ankomme? Wenn doch, was kann ich tun, damit es so bleibt?

Die Antwort ist subjektiv

Die Antwort, die ein jeder von uns findet, hat nicht den Anspruch objektiv zu sein. Ebenso wenig wie diejenige, die all die Gedichte und Romane, die Aussagen unzähliger Intellektueller im Laufe der Zeit hervorgebracht haben. Manch einer strebt in seinem Leben nach Macht, nach Wissen, nach menschlicher Nähe, Liebe.

Manch einer widmet seine Existenz der Religion, der Politik, der Forschung oder ebenjenen Fragen, die uns nicht nur an die Grenzen unserer Vorstellungskraft, sondern auch unserer sprachlichen Fähigkeiten führen.

Ironischerweise habe ich erst vor wenigen Tagen jemandem ebendiese Frage gestellt und abgesehen von der Tatsache, dass die Antwort derart überlegt klang, dass sie nicht zum ersten Mal Besitz von den Gedanken dieser Person ergriffen haben konnte, muss ich zugeben, dass sie mich erstaunte.

Nicht weil sie mir neu war, im Gegenteil. Sie erstaunte mich, weil ich voll und ganz mit ihr übereinstimmte. Weil ich, hätte man mich spontan danach gefragt, sinngemäß vermutlich genau das Gleiche gesagt hätte.

"Ein kleines Stück die Welt verbessern"

Für mich hängt der Sinn des Lebens eng mit dem Begriff des Glücks zusammen, der auf den ersten Blick nicht weniger abstrakt erscheint. Einem Glück, dem ich nicht hinterherlaufen möchte, das sich nicht in surrealen Vorstellungen einer idealen Welt und eines vermeintlich perfekten Lebens widerspiegelt, wie man es in all den Filmen und den Social Media Accounts irgendwelcher Prominenter findet, sondern das sich aus dem Augenblick und einer grundlegenden Zufriedenheit mit mir selbst heraus ergibt.

Teil dessen ist es mich weiterzuentwickeln, Fehler zu machen und aus selbigen zu lernen, das Limit meiner Fähigkeiten auszutesten und immer wieder einen kleinen oder größeren Schritt über die Grenzen meiner Comfort Zone hinaus zu wagen.

Ich möchte reisen, die Welt in all ihren Facetten erleben, lachen, bis ich Tränen in den Augen habe, tanzen, lieben, küssen und, um besagte Person zu zitieren, „ein kleines Stück die Welt verbessern...das Leben so nutzen, dass es für jeden lebenswert ist".

Denn solange sich diese Aufzählung auch fortsetzen ließe, der Gedanke, im positiven Sinne Teil der Geschichte anderer Menschen zu sein und einen winzigen Beitrag geleistet zu haben, dass auch sie dem Sinn ihres Lebens ein Stück weit näher kommen, kann auch dem eigenen Glück nicht ganz abträglich sein.

Der Sinn des Lebens lässt sich überall finden

Der Sinn des Lebens lässt sich also überall finden. Oder jedenfalls ein Teil davon. Vielleicht liegt er in diesen Gesprächen am See. Vielleicht in den glänzenden Augen eines Kindes, das seine ersten Schritte macht. Oder in denen seiner Eltern. Vielleicht auch in der wunderschönen Frau am anderen Ende der Bar, die schon den ganzen Abend verstohlen lächelnd rüberschaut. Vielleicht auch in ein paar getippten Worten. Wer weiß das schon so genau.

Das war's noch lange nicht

Ich schicke den Artikel ab und klappe den Laptop zu. Ich hätte Lust, mal wieder ein paar Songs von Casper zu hören. Eigenartig. Immerhin, trotz aller Ungewissheit stehen nun zwei Dinge fest. Erstens: Die Frage nach dem Sinn des Lebens zu beantworten kann zu Kopfschmerzen führen. Zweitens, und dieser Punkt gibt durchaus Anlass optimistisch zu sein: Das war's noch lange nicht.

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