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"Ich will mit auf Klassenfahrt" - wie überfürsorgliche Eltern ihre Kinder in der Schule blamieren

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MUTTER KUESST SOHN
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"Normalerweise läuft unsere Tochter mit Freundinnen zur Schule." So begann ein Vater seine Erzählung über ein Erlebnis mit Helikopter-Mamas, das ihn nachhaltig irritiert hat: Einmal habe er seine Tochter ausnahmsweise hinbringen müssen und am Schuleingang zwei weinende Mütter getroffen.

"Die erste hat geweint, weil ihre Tochter Unterricht bei einer Lehrerin hatte, die sie nicht mag, und sie ihr als Mutter nicht beistehen könne - und die andere hat dann beim Anhören dieser Schilderung begonnen, mitzuweinen." Und das ist längst nicht alles.

Es gibt Schulen, die Briefe an die Eltern schreiben müssen, damit diese nicht mehr während der Schulstunde am Fenster stehen und winken. Es gibt Eltern, die selbst Lateinstunden nehmen, um mit ihrem Kind die Hausaufgaben machen zu können. Es gibt Elternkreise, die einen Lehrer von der Schule schmeißen lassen wollen, weil er zu ihren Kindern gesagt hat: "Ihr habt wohl Erbsen im Kopf."

Dieses Kapitel handelt von den absurden Forderungen, die Eltern an die Lehrer ihrer Kinder stellen, von der Zumutung, die "engagierte Eltern" für den Rest der Elternschaft bedeuten, und von Vätern, die per Gerichtsbeschluss mit auf Klassenreise fahren wollen.

"In meiner Schulzeit gab es so was nicht", schreibt eine Leserin. "Irgendetwas muss in den letzten zehn Jahren mit Kindern und Eltern passiert sein." Und tatsächlich: Dass sich etwas verändert hat zwischen den Eltern und ihren Kindern, zwischen den Lehrern und den Eltern und damit auch zwischen den Lehrern und den Schülern, ist offensichtlich.

Vereinfacht könnte man sagen: Früher haben Eltern bei einer schlechten Note ihr Kind zurechtgewiesen, heute schimpfen sie mit dem Lehrer. Ja, es gibt solche Eltern, die überzeugt sind, dass ihre Brut immer alles richtig macht und entsprechend niemals kritisiert werden darf.

"Sie sind nur eine Lehrerin"

"Gerade letzte Woche hat eine Mutter zu mir gesagt: ›Wer sind Sie? Sind Sie nur eine Lehrerin oder sind Sie Gott, dass Sie meinem Sohn sagen, was er zu tun hat?!‹", berichtete eine fassungslose Pädagogin.

Auf der anderen Seite gibt es Eltern, die zwar nur das Allerallerbeste für ihre Kinder wollen, die sich aber dabei weder selbst anstrengen noch bei ihren Kindern unbeliebt machen wollen, die also nicht erziehen wollen.

So erzählte uns ein Lehrer von einer 12-jährigen Schülerin, die zu Beginn des neuen Schuljahres drei Wochen am Stück in jeder Mathestunde rummotzte, dass Mathe "scheiße und völlig unnötig" sei. Der Lehrer bat daraufhin ihre Eltern im Anschluss an den ersten Elternabend um ein Gespräch und erklärte ihnen, dass es so nicht weitergehe.

Mehr zum Thema: Eltern, hört auf, den Lehrern eurer Kinder an allem die Schuld zu geben

Darauf meinte die Mutter nur: "Aber wir werden unserer kleinen Prinzessin nicht den Mund verbieten. Sie sind der Lehrer, Sie kommen damit bestimmt klar!" Ähnlich erging es der Lehrerin, die von Eltern gesagt bekam: "Aber fürs Formen meines Kindes sind Sie zuständig!"

Viele Eltern betrachten Lehrer als Dienstleister, die zu springen haben, wenn die Kinder - oder die Eltern - rufen. So bat eine Mutter die Lehrerin ihres Kindes sogar darum, während der Schulzeit mit ihm zum Arzt zu gehen.

Ansprüche wie diese spiegeln den mangelnden Respekt vor der Arbeit und Anstrengung, die Lehrer leisten, und vor den Anforderungen des Systems Schulklasse, wo das einzelne Kind sich in die Gruppe einfügen muss.

Den Kindern selbst fällt das meist gar nicht so schwer - aber manche Eltern empfinden den Gedanken, dass die Bedürfnisse ihres Prinzchens oder Prinzesschens sich für ein paar Stunden am Tag denen der Gemeinschaft unterzuordnen haben, als unerträgliche Zumutung.

Highlights vom Elternabend

"Einen Gin Tonic, bitte."
"Das ist ein Elternabend!"
"Ach ja, natürlich! Dann lieber einen doppelten."

So geht ein Witz, der bei Twitter vielen Menschen gefällt. Tatsächlich graut es nicht nur Eltern vor den Abenden in den Klassenzimmern ihrer Kinder, sondern auch vielen Lehrern. Denn jedes Jahr treten sie aufs Neue an: die Besserwisser, die Ängstlichen und die Überbehüter.

Und ein starker Drink scheint wirklich vonnöten, wenn es überall so abläuft wie bei dieser Anti-Helikopter-Mutter:

"Die Schule veranstaltet den üblichen dreistündigen Elternabend. Es werden ausschließlich Informations- und Organisationsdinge abgehandelt, bis zur kleinsten sinnlosen Detailfrage. Auf Wunsch einiger Eltern wird alles zusätzlich schriftlich verteilt.

Die zu bestellenden Bücher für das nächste Schuljahr, drei an der Zahl, werden extra auf einem blauen Zettel herausgegeben und samt ISB-Nummer trotzdem noch einmal vorgelesen - so als wären wir Eltern die Zweitklässler. Und am nächsten Tag schickt eine Mutter ihre Mitschrift per WhatsApp an alle und fragt, ob das alles korrekt und vollständig sei."

Doch wer davon schon genervt ist, darf an die anderen Eltern und ihre Wortbeiträge gar nicht erst denken, wie an den, von dem dieser Vater erzählt:

"Es war der ›nullte Elternabend‹ meiner Tochter, also der erste Elternabend für die neuen Erstklässler, noch bevor sie überhaupt in die Schule kamen. Die Mutter eines kleinen Mädchens fragte ernsthaft: ›Wann kann ich eigentlich sagen, neben wem meine Tochter auf keinen Fall sitzen darf?‹"

Kein Chinesisch in der Grundschule? Skandal

Ein anderer Vater erinnert sich:

"Eine Mutter war völlig entrüstet darüber, dass die Grundschule ihrer Tochter, die damals die zweite Klasse besuchte, kein Chinesisch angeboten hat. Dies sei doch schließlich der für uns entscheidende Markt, meinte sie."

Auch die mittlerweile zur Ersatzreligion gewordene Sorge ums Essen endet natürlich nicht mit der Kindergartenzeit, wie diese Eltern berichten:

"Ein Vater interessierte sich sehr für das Mittagessen in der Grundschule: ›Ist das Essen denn auch Bio? Wer ist der Caterer? Wie oft in der Woche gibt es Fleisch?‹"

Mehr zum Thema: Ich therapiere Kinder, die nicht in die Schule gehen wollen - es werden mit jedem Jahr mehr

"Elternabend in der 3. Klasse. Beim Thema Pausengetränke wetterte eine Mutter vehement gegen Kakao: ›Zu süß, völlig ungesund, trinken wir zu Hause auch nicht - und wie soll ich meinem Kind denn erklären, dass in der Schule andere Kinder Kakao trinken und mein Kind nur Milch bekommt?‹"

Das Fazit eines dreifachen Vaters: "Viele Eltern haben heute jegliches Augenmaß beim Behütungsgrad verloren." Scheint so.

„Auf dem Elternabend wurde ich regelrecht attackiert"

Ein anderer Anti-Helikopter-Vater hat sich mächtig in die Nesseln gesetzt:

"Einmal im Jahr feiert die Klasse meines Sohnes ein Sommerfest. Ab Mai sind die Eltern emsig damit beschäftigt, den Ort und den Ablauf der Feier akribisch zu planen. Als die Schüler 15 Jahre alt waren, regte ich in einer Rundmail an, dass man die Kinder fragen sollte, ob die Gegenwart der Eltern noch erwünscht sei.

Außerdem könne man den Heranwachsenden durchaus zutrauen, eine Feier ohne Eltern zu veranstalten. Auf dem nächsten Elternabend wurde ich regelrecht attackiert. Das Sommerfest sei ja auch ›unsere‹ Feier, hieß es. Als ich entgegnete, dass ich kein Helikopter sei, der sein Kind ständig bewachen müsse, war die Stimmung endgültig verdorben.

Bis auf ein oder zwei Elternpaare, die auch meiner Meinung waren, sprach niemand mehr mit mir; auch Informationen flossen nur noch spärlich. Das Sommerfest fand weiterhin mit Eltern statt. Die Lehrer haben aber im Unterricht das Thema Helikopter-Eltern durchgenommen - immerhin."

Ein interessantes, wenn auch unfreiwilliges Beispiel fehlenden Durchsetzungsvermögens gaben Eltern, die bei einem Elternabend der 9. Klasse eines Gymnasiums die anderen Eltern baten, zu Hause mehr durchzugreifen:

"Wir möchten euch bitten, darauf zu achten, dass eure Kinder nachts keine WhatsApp-Nachrichten mehr schicken. Unser Junge kann nicht schlafen, wenn das Handy dauernd piept und er immer lesen muss."

Eigentor des Monats, würden wir sagen.

Klassenreise: "Und wie kommen wir Eltern dahin?"

Ein, zwei, drei oder gar mehr Nächte ohne die Eltern, dafür mit allen Klassenkameraden, in Stockbetten, mit Schlafsäcken, viel Cola und wenig Schlaf - wie aufregend! Dumm nur, dass Eltern von heute noch aufgeregter sind als ihre Kinder, wenn beim Elternabend das Wort "Ausflug" oder gar "Klassenfahrt" fällt.

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Erste Worte, erstes Durchschlafen - und der erste Kita-Platz: All das ist Thema in unserer Eltern-Gruppe bei Facebook. Meldet euch hier an.

Für hysterische Helikopter-Mütter wird dann ihr größter Alptraum wahr. In ihrer Weltsicht handelt es sich dabei um gezielte Mordanschläge gegen ihr Kind. Busfahrten, Wanderungen und vor allem die Abwesenheit von Mutti beim Gutenachtsagen - das kann doch nur schiefgehen. Ein Vater hat die aufsteigende Panik live miterlebt:

"Auf dem Elternabend einer 4. Klasse wurde deren erste Klassenfahrt besprochen. Die Kinder sollten drei Tage in einer Jugendherberge übernachten. Eine Mutter war völlig fassungslos, als die Klassenlehrerin darlegte, dass

1. ... nur zwei Lehrerinnen die Klasse begleiten würden und keine Eltern. Denn diese Mutter hatte sich schon fest als Begleitung eingeplant.

2. ...die Kinder keine Mobiltelefone mitnehmen dürften, wodurch diese Mutter ihre Tochter nicht dauernd erreichen könnte.

3. ...die Kinder nur im Notfall zu Hause anrufen sollten, weil Heimweh - nach Erfahrung der Lehrerin - durch solche Anrufe eher gefördert würde.

4. ...es nicht gerne gesehen würde, wenn sich die Mutter gegenüber der Jugendherberge einquartiere, um regelmäßigen Kontakt mit ihrer Tochter zu pflegen. Von diesem Plan konnten wir anderen Eltern die Mutter tatsächlich nur mit Mühe abbringen."

Aber Väter sind auch nicht besser:

"Elternabend einer 4. Klasse, Diskussionspunkt: Wie gelangen die Kinder zur Unterkunft der bevorstehenden Klassenfahrt? Wir Eltern einigten uns darauf, einen Bus für alle zu mieten, damit wir die Kinder nicht chauffieren müssen. Als alles geklärt schien, fragte ein Vater: ›Und wie kommen wir dahin?‹ Er hatte wirklich gedacht, die Eltern fahren mit auf Klassenfahrt."

Mit auf Klassenreise möchten Eltern auch dann noch fahren, wenn ihre Kinder bereits geschlechtsreif sind - und tun es sogar:

Eltern fahren ihren Kindern auf Klassenfahrt hinterher

Letzter Ausweg: Die "vergessene" Zahnbürste

"Als mein Sohn in die 7. Klasse ging, stand eine zweiwöchige Klassenreise an. Vorher wollten einige Eltern wissen, ob sie ihre Kinder besuchen oder vielleicht sogar als Aufsichtsperson selbst mit auf die Reise kommen könnten. Der Lehrer konnte das sehr diplomatisch abweisen.

Allerdings sind dann doch einige Eltern hinterhergereist, weil ihre Kinder etwas vergessen hatten und die Eltern diese Dinge ganz dringend in die Jugendherberge bringen mussten."

Ein Schulkind soll im Buggy umhergefahren werden, das andere erträgt es nicht, wenn Butter auf dem Frühstückstisch steht, das dritte soll von den Lehrern an seinen Toilettengang erinnert werden - manche Eltern tun so, als wären ihre Kinder Pflegefälle:

"Die zweite Grundschulklasse wollte einen Ausflug zu einem Freilichtmuseum machen. Die Kinder sollten auf der Freifläche umherwandern und die unterschiedlichen Bauernhäuser besichtigen. Als Elternsprecherin begleitete ich die Schulklasse an diesem Tag.

Kurz vor der Abfahrt des Busses kam eine Mutter mit ihrer Tochter und einer Kindersportkarre auf mich zu. Sie bat mich, ihre Tochter mit dem Buggy durch das Gelände zu schieben - weil das Mädchen langes Spazierengehen nicht gewohnt sei."

Eine Mutter, die auf dem Land lebt:

"Die Grundschule unternahm einen Ausflug, der Bus sollte die Kinder um 16:35 Uhr wieder vor dem Hort abliefern, der um diese Zeit allerdings schon geschlossen hat. Einige Eltern konnten ihre Kinder allerdings erst um 16:45 Uhr abholen - und verlangten deshalb, dass der Hort für diese zehn Minuten länger geöffnet bleiben solle. Weil sie es ihren Kindern, die sieben Jahre und älter waren, nicht zutrauten, in der Gruppe zehn Minuten lang auf dem Spielplatz neben dem Hort zu warten."

Dann zogen die Eltern grimmig ab

Apropos Landleben:

"Eine befreundete Familie erzählte, dass sie übers Wochenende auf einen Bauernhof fahren wolle. ›Schön!‹, sagte ich - bis ich den wahren Grund erfuhr: Es handelte sich dabei um ebenjenen Bauernhof, auf den der achtjährige Sohn der Familie bald auf Klassenreise fahren sollte. Die Eltern wollten, dass sich der Drittklässler schon mal an den Ort gewöhnte, auch damit er auf der Klassenreise dann gut schlafen könne."

In welch peinliche Situationen Helikopter-Eltern ihre Kinder oft bringen, ist ihnen offenbar überhaupt nicht bewusst. Von Hänseleien, denen "Muttersöhnchen" zwangsläufig ausgesetzt sind, scheinen sie nichts zu wissen, wie der Bericht dieses Lehrers nahelegt:

"Zwei Kollegen waren mit einer 6. Klasse auf eine Nordseeinsel gefahren. Am zweiten Tag, die Kinder hatten gerade gefrühstückt, saßen die Betreuer mit den Schülern draußen in der Sonne, um den Tagesplan zu besprechen, als ein Auto auf den Parkplatz der Unterkunft fuhr.

Ein Elternpaar stieg aus, lief auf die Gruppe zu, begrüßte ihr eigenes Kind überschwänglich und sagte dann zum Klassenlehrer: ›Wir haben uns spontan entschlossen, hier auf der Insel ein paar Tage Urlaub zu machen und würden Jonathan gern für einen Tag mitnehmen. Er hat uns angerufen und erzählt, das Essen sei nicht wirklich lecker.

Wir gehen deshalb mit ihm essen und bringen ihn heute Abend zurück. Also dann, tschü-hüüss.‹ Der Klassenlehrer bestand jedoch darauf, dass Jonathan bei der Gruppe bleibe. Nach einem etwa zehnminütigen Wortwechsel zogen die Eltern grimmig ab - ohne Jonathan, der recht verwirrt schien und die ganze Zeit abwechselnd seine Eltern und den Lehrer angeschaut hatte."

Ein Sozialpädagoge erzählt von einem bizarren Erlebnis:

"Vor einigen Jahren begleitete ich die Klassenfahrt einer 5. Klasse eines Gymnasiums. Wir fuhren für zweieinhalb Tage in einen benachbarten Ort, 20 km entfernt von der Heimat. Die Mutter eines Jungen gab uns vor der Fahrt eine lange Liste mit Allergien und Unverträglichkeiten mit, dazu noch ein ›großes Blutbild‹ mit allen Laborwerten sowie dem Hinweis, ihr Sohn dürfe nicht mit den anderen Kindern zusammen essen, er könne sonst nichts essen.

Der Junge durfte nicht mit den anderen Kindern frühstücken

Wir sollten ihn vor oder nach den anderen Kindern essen lassen. Ebenso dürfe beim Frühstück keine Butter auf dem Tisch stehen, da er sich sonst übergeben müsse. Beim ersten Frühstück haben wir sogar darauf geachtet:

Der Junge aß vor allen anderen, wir schickten ihn raus, und der Rest der Klasse frühstückte. Ergebnis: Er kam wieder rein, setzte sich zwischen die anderen, und es passierte nichts von dem, was die Mutter gesagt hatte."

Ähnlich grotesk ist das, was dieser Lehrerin aufgetragen wurde:

"Wir planten einen Ausflug ins Schullandheim. Eine Mutter bat uns als Klassenleitung tatsächlich darum, ihre Tochter täglich daran zu erinnern, dass diese ›groß machen‹ solle. Das Mädchen war elf Jahre alt."

Ein Vater erzählt ironisch:

"Der Elternabend vor dem lebensgefährlichen Klassenausflug der Halbwüchsigen ins 35 km entfernte Schullandheim war schon für sich schwer auszuhalten. Ich bin alleinerziehend und habe daher niemals zu viel Zeit, hörte mir aber die Fragen und Einwände der Helikopter-Mamis geduldig an.

Nach mehreren Stunden einigten wir uns schließlich auf ein paar einfache Regeln: maximal 30 Euro Taschengeld pro Kind und kein Handy. Am Abreisetag stand eine der Mamis mit Tränen in den Augen am Bus, während ihr übergewichtiger Sohn schnaufend einstieg. Später stellte sich heraus, dass der Junge - auf Anweisung seiner Mutter - drei Mobiltelefone und um die 150 Euro dabeihatte."

Kaum ein Schüler trug sein Gepäck selbst

Manche Eltern tragen ihren "Kleinen" buchstäblich den Hintern hinterher: "Für eine Klassenfahrt nach Prag packten besorgte Eltern ihren im Durchschnitt 17-jährigen Kindern zur Sicherheit reichlich Nahrungsmittel ein: Eistee, Kekse und so weiter. Einige Schüler und Schülerinnen hatten große Reisetaschen voller Verpflegung dabei. Doch kaum ein Schüler trug sein Gepäck selbst zum Bus."

Allerdings muss nicht nur das Essen immer schmecken, auch die Unterkünfte müssen aus Sicht der Helikopter-Eltern standesgemäß sein, wie dieser Lehrer weiß:

"Ich fuhr mit meiner 6. Klasse auf Skifahrt nach Südtirol, die Busfahrt dauerte zwölf Stunden. Zehn Minuten nach unserer Ankunft reichte mir eine Schülerin ihr Handy - am anderen Ende: ihre Mutter.

Das Dreibettzimmer, das ihre Tochter mit zwei Klassenkameradinnen bezogen hatte, sei ›zu dunkel, zu muffig, zu eng‹ und generell für ihre Tochter ›unzumutbar‹, teilte mir die aufgebrachte Frau mit. Sie sei vom Skifahren in St. Moritz bessere Quartiere gewohnt.

Weil ich mich auf keine Diskussion einließ, involvierte die Mutter am nächsten Tag auch noch den Elternvertreter. Zum Glück besaß dieser Vater eine wirklichkeitsnahe Einschätzung von Klassenfahrten und glättete die Wogen."

Ein Vater dreht frei:

"Auf einem Elternabend wurde die Abschlussfahrt einer neunten Klasse besprochen. Es sollte auf die Ostseeinsel Fehmarn gehen, doch ein Vater sprach sich rigoros und vehement gegen dieses Ziel aus. Der Grund: Er kenne die Insel gut und wisse, dass es dort im Herbst schon recht stürmisch sein könne.

Des Weiteren hätte er über Google Earth herausgefunden, dass die Schlafunterkunft der Jugendherberge mehr als hundert Meter vom Hauptgebäude entfernt liege, in dem die Mahlzeiten eingenommen werden sollten. Täglich mehrfach bei Wind und Wetter zum Essen zu gehen sei seiner Tochter nicht zuzumuten."

Der Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch "Verschieben Sie die Deutscharbeit - mein Sohn hat Geburtstag! Von Helikopter-Eltern und Premium-Kids" von Lena Greiner und Carola Padtberg.

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