Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Leah Campbell Headshot

An die leibliche Mutter meiner Tochter: Unsere Tür steht immer offen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ADOPTION
Facebook/ Leah Campbell
Drucken

Ich habe dich heute wieder gesehen. Nicht per Facetime oder während einer dieser Besuche, die selten geworden sind, sondern in der Art und Weise, wie meine Tochter mich angesehen hat. Ihr einziges Grübchen ist ein Abbild deines Grübchens, wenn sie lächelt, ihre Augen schauen zu mir auf wie ein Spiegelbild von dir.

Sie gleicht dir aufs Haar. Ein Kind, das der Mutter, die es auf die Welt gebracht hat, nicht ähnlicher sein könnte. Und der Mutter, die es erzogen hat, nicht unähnlicher. Ich mache Witze darüber, dass ich dafür sehr dankbar bin, ich selbst hätte nie ein so wunderschönes Kind erschaffen können.

Aber ich will auch ehrlich sein: Ich habe mir die Mutterschaft nie so vorgestellt. Wenn ich mir vorstellte, wie ich eines Tages eine Familie gründen würde, dann sah ich mich stets mit einem Mann, den ich liebte, dessen Kind ich unter dem Herzen trug.

Ich war mir sicher, dass die Kinder, die wir großziehen würden, eine perfekte Mischung aus uns beiden sein würden. Dass ich meine Nase und mein Lachen in ihnen wiederfinden würde.

Es hat lange gedauert, bis ich mir eingestehen konnte, dass sich diese Vorstellung nicht erfüllen würde. Den Verlust der Gebärfähigkeit betrauerte ich auf die einzige mir bekannte Weise: Ich erlaubte mir, den Verlust zu spüren, zu trauern und nicht an mögliche nächste Schritte zu denken, bis ich mir sicher war, dass ich es wirklich hinter mir gelassen hatte.

Es gab den Punkt, an dem mich Menschen, die eine Adoption als eine Möglichkeit, mir zu helfen, vorschlugen, so frustrierten, dass ich diesen Weg der Mutterschaft völlig ausschloss. Ich wollte den Schmerz über meine leere Gebärmutter nicht so einfach und schnell beiseiteschieben lassen - und das von Menschen, die ohne Probleme Mutter geworden waren. Ich wollte das, was sie hatten, nicht das Zweitbeste. Ich schäme mich heute dafür, dass ich eine Adoption damals so betrachtete.

Ich habe einige Jahre gebraucht, bis ich darüber hinweggekommen bin. Bis ich an einem Punkt der Heilung angekommen war, an dem ich wusste, dass ich ein Kind nicht selbst austragen muss, um Mutter zu sein. Und als sich mein Herz schließlich für die Idee der Adoption öffnete, da war es, als wären die Sterne mein Wegweiser, der mich direkt zu der zufälligen Begegnung mit dir führte.

Ich möchte die Adoptionen anderer Menschen nicht schmälern, aber unsere Geschichte war einfach Schicksal. Unsere zufällige Begegnung, nach der du mich batest, dein Kind zu adoptieren - nur eine Woche vor dem Geburtstermin (und am gleichen Tag, an dem ich den Adoptionskurs abschließen würde)!

Es war vorherbestimmt. Aber ich weiß, dass deine Version der Geschichte etwas anders aussieht.

Ich wusste es an dem Tag im Kreißsaal, als ich unser kleines Mädchen hielt und vor Freude über dieses Wunder, das in mein Leben getreten war, weinte, während ich wusste, dass du neben uns lagst und die Tränen über diesen nahen Verlust zurückhalten musstest.

Ich weiß nicht, wie du das geschafft hast. Ich weiß nicht, woher du die Kraft genommen hast, diese Entscheidungen zu treffen. Ich hoffe und bete, dass du dich von mir nie unter Druck gesetzt gefühlt hast. Dass du mir geglaubt hast, als ich sagte, ich würde dir helfen, einen Weg zu finden, das Kind zu behalten, wenn es das war, was du wolltest. Ich hoffe, du weißt, dass das stimmt. So sehr ich auch Mutter sein wollte, ich hätte dir nie dein kleines Mädchen weggenommen, wenn du dir nicht so sicher gewesen wärst, dass du sie nicht hättest behalten können.

Aber ich hoffe auch, dass du weißt, wie dankbar ich bin. Dreieinhalb Jahre sind es nun, und jeden Tag betrachte ich dieses Kind mit Ehrfurcht. Ich weiß nicht, was ich getan habe, um sie zu verdienen. Ich weiß nicht, warum ich ihre Mama sein darf. Aber ich weiß, dass sie das Beste ist, was mir je passiert ist. Und ich werde nie fähig sein, dir meine ganze Dankbarkeit dafür ausdrücken zu können.

Trotzdem weiß ich, dass es nicht immer einfach war. Für keinen von uns.

Ich habe mich immer sehr bemüht, meine eigene Eifersucht und das Gefühl des Ungenügens, das ich angesichts eurer einzigartigen Verbindung verspürte, zu verdrängen. Dennoch waren deine Besuche für mich schwierig. Es war schwer für mich, dieses Baby, das ich bereits so sehr liebte, zu teilen. Und es war schwer für mich, mir einzugestehen, dass eine andere Frau dieses Kind länger in sich getragen hatte, als ich es kannte. Es war schwer, zuzugeben, dass du eine Verbindung zu ihr hattest, die ich nie würde ersetzen können.

So sollte es nicht sein, weißt du? Ich sollte meine Kinder selber austragen. Und du solltest dein Kind behalten dürfen.

Ich bin froh, dass die Dinge so gekommen sind. Denn ich kann mir kein Leben vorstellen, dass ich mehr wollen würde, als dieses. Ich kann mir kein Kind vorstellen, dass ich mehr lieben würde, als unseres.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Natürlich weiß ich, dass meine Freude gleichzeitig zu deinem Schmerz schwer zu verdauen ist. Ich weiß, dass es nicht fair ist. Und es tut mir Leid, dass ich an einem Punkt angelangt bin, an dem ich nichts mehr würde ändern wollen. Meine eigene Selbstsucht würde mich jedes Mal wieder diesen Weg wählen lassen. Genau so.

Ich würde alles noch einmal genauso machen. Ich würde Ja zu diesem kleinen Mädchen und deiner Bitte sagen, selbst mit dem Wissen, wie schmerzhaft diese Entscheidung für dich war.

Ich habe eine Verschiebung festgestellt. Jetzt, da ich mich mit unserer offenen Beziehung immer wohler fühle, scheint es dir schwerer zu fallen. Ich denke, hier spiegelt sich die Verbindung, die sich aufbaut, wider. Genauso, wie mir die besondere Verbindung, die ihr nach der Geburt hattet, Schwierigkeiten bereitet hat, fällt es dir schwer, die Verbindung zu erleben, die wir jetzt aufbauen.

Ich weiß auch, dass es nicht einfach zu sehen ist, dass ich unsere Tochter anders erziehe, als du es vielleicht getan hättest. Ich kann mich nicht komplett in deine Lage versetzen. Aber wenn ich mir vorstelle, wie hart es für dich sein muss, zu sehen, wie eine andere Frau dein Kind großzieht, dann raubt es mir fast den Atem. Mein Herz verkrampft sich und ich wünschte, es gäbe mehr, dass ich tun könnte, um deinen Schmerz zu lindern.

Vielleicht hast du dich deshalb im letzten Jahr zurückgezogen. Vielleicht ist die Erinnerung daran, was du aufgegeben hast, zu schwer. Ich wollte nie eine Beziehung erzwingen, die du nicht eingehen wolltest. Aber ich hoffe es ist in Ordnung, dass ich dir auch weiter Briefe und Bilder schicke. Dass ich dich daran erinnere, dass die Türen für dich immer offen sein werden.

Wenn du wieder dazu bereit sein wirst, sie zu durchschreiten.
Unsere Tochter hat zwei Mütter. Eine Mutter, die sie während der Schwangerschaft geliebt und beschützt hat, und eine Mutter, die das große Glück hat, sie zu erziehen und ihren Weg in das Leben begleiten zu dürfen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Babble und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

Sie ist "die hässlichste Frau der Welt" - das hat sie aus sich gemacht

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Auch auf HuffPost:

Lesenswert:

(juk)