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Kein Satz von Ivanka Trump war bisher so voller Hohn wie dieser - und das will etwas heißen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
IVANKA TRUMP
EUGENE HOSHIKO via Getty Images
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Anmaßende, unreflektierte Aussagen sind die Spezialität der Trump-Familie. Da ist Präsidententochter Ivanka keine Ausnahme.

Immerhin hat sie es geschafft, mit ihrem verqueren Verständnis von Feminismus mal eben Millionen Frauen gegen sich aufzubringen. Nicht zu vergessen die weltfremden Karrieretipps, die sie in ihrem Buch "Women Who Work" berufstätigen Frauen mit auf den Weg gibt.

Nun aber hat Ivanka Trumps groteske Schizophrenie-Show einen neuen Höhepunkt erreicht. Bei einer internationalen Frauenkonferenz zur Gleichstellung in Tokio fühlte sich die First Daughter bemüßigt, ihren Teil zur Sexismus-Debatte beizutragen.

Ivanka Trump hat ein Glaubwürdigkeitsproblem

Ihre messerscharfe Analyse: "Viel zu oft sind Frauen durch die Kultur an unseren Arbeitsplätzen nicht mit angemessenem Respekt behandelt worden."

Und: "Es gibt viele Ausprägungen davon, auch Belästigung, die niemals toleriert werden dürfen."

Belästigung... Mal überlegen. Zählen dazu eigentlich auch Aktionen, wie ihr Vater sie gerne mal bringt? Frauen "an die Pussy fassen"? Vulgäre, oberflächliche Kommentare zum Aussehen von Moderatorinnen?

Spontane Antwort: Ja. Tun sie.

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Sie verschließt die Augen vor den Taten ihres Vaters

Ist eine Frau, deren Vater unumstritten als DAS Musterexemplar eines sexistischen Macho-Widerlings aufgeführt werden kann, glaubwürdig, wenn sie sagt, Belästigung dürfe niemals toleriert werden?

Grundsätzlich natürlich schon. Aber nicht, wenn sie wie Ivanka Trump die Augen verschließt, die Vorwürfe gegen ihren Vater öffentlich kleinredet und keine Anstalten macht, sich von ihm zu distanzieren.

Vorwürfe, die weit über einige geschmacklose Kommentare hinausgehen und Trump leicht in einer Sexismus-Liga mit Hollywood-Produzent Harvey Weinstein rücken lassen (den, das dürfen wir nicht vergessen, der Skandal um seine Person den Job gekostet hat).

Mehr als zehn Frauen haben Donald Trumps bereits der sexuellen Belästigung beschuldigt. Ivanka Trumps Versicherung, ihr Vater sei "der größte Fürsprecher von Frauen", den es gebe und ihr eigener Erfolg sei der Beweis, dass er nicht sexistisch sei, erscheint unter diesen Umständen als eine Frechheit.

Eine Frechheit gegenüber anderen Frauen

Nun ist, das sei zu ihrer Verteidigung angebracht, diese Aussage schon einige Zeit her. Was sie jetzt in Tokio gesagt hat, ist aber mindestens genauso großer Hohn.

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Ivanka Trump hätte als derart mächtige Frau einen wertvollen Beitrag in der Sexismus-Debatte leisten können.

Doch was sie aussprach, war nichts weiter als eine leere Worthülse, eine Unverschämtheit nicht nur allen Frauen gegenüber, die Donald Trump beschuldigen, sie sexuell belästigt zu haben. Sondern auch eine Unverschämtheit allen anderen Frauen gegenüber.

Ivanka Trump kann nichts für die Taten ihres Vaters. Aber wenn sie sich zum Thema Sexismus am Arbeitsplatz äußern möchte, muss sie Stellung zu diesen Taten beziehen - nicht nur als seine Tochter, sondern gerade auch als seine Mitarbeiterin im Weißen Haus.

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