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Ivanka Trump gibt Frauen Karrieretipps - sie sind ein Schlag ins Gesicht jeder berufstätigen Mutter

Veröffentlicht: Aktualisiert:
IVANKA TRUMP
MICHAEL SOHN via Getty Images
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Ivanka Trump. Multimillionärin, Präsidententochter, New Yorker Upper-Class-Lady, berufstätige Mutter von drei Kindern.

Eine Frau also, die anderen berufstätigen Frauen Ratschläge zum Thema Karriere geben kann? Die durchschnittlichen Müttern Tipps geben kann, wie sie Familie und Beruf vereinen können?

Sie findet: durchaus. Und hat deshalb ein Buch mit dem Titel "Women Who Work" geschrieben (es erscheint am morgigen Donnerstag, erste Kapitel sind aber bereits online verfügbar.).

Darin zu finden: Leitsätze wie "Folge deiner Leidenschaft".

"Achte darauf, dass du und nicht andere deinen Erfolg bestimmen."

"Erschaffe ein Leben, das du liebst, um dein multidimensionales Ich ausbilden zu können."

Täglich 20 Minuten mit jedem Kind, rät Trump

Soweit so unbedeutend. Mag sein, dass sich einige Frauen von diesen banalen Ratschlägen noch in irgendeiner Weise abgeholt fühlen.

Die Identifikation jedoch verschwindet spätestens dann, wenn Trump Müttern rät, sich täglich 20 Minuten Zeit für jedes Kind zu nehmen. Sie selbst verfahre nach diesem Prinzip.

Wenn sie beruflich auf Reisen sei, versuche sie, davor einige Tage von zuhause aus zu arbeiten, um bei den Kindern sein zu können, schreibt die Unternehmerin.

Das mag für sie prima funktionieren. Für jede Frau aber, die keinen Stab an Haushaltshilfen und Babysittern zur Verfügung hat, klingen ihre Worte wie purer Hohn.

Mehr zum Thema: Die Politik in Berlin will sich um Familien kümmern - leider haben die Ideen wenig mit den Problemen junger Eltern zu tun

Zum wirklichen Ärgernis aber wird Trumps Buch an an der Stelle, an der sie über die Zeit kurz vor der Wahl ihres Vaters zum US-Präsidenten berichtet.

"In sehr arbeitsintensiven Zeiten, wie während des Wahlkampfs, bin ich in den Survival-Modus übergegangen", schreibt sie.

"Ich habe gearbeitet und war mit meiner Familie zusammen; mehr habe ich nicht getan. Ich habe mir keine Massage gegönnt oder mir viel Zeit für mich genommen. Ich wünschte, ich hätte früher aufwachen können und für 20 Minuten meditieren können."

Ihre Ratschläge sind purer Hohn für durchschnittliche Frauen

"Survival-Modus" bedeutet für die Multimillionärin also, auf eine Massage verzichten zu müssen?

Für jede Mutter, die morgens schweißgebadet in der Arbeit ankommt, weil sie Pausenbrote schmieren, Cornflakes-Reste vom Boden kratzen, das eine Kind in die Kita und das andere rechtzeitig in die Schule bringen musste, ein Schlag ins Gesicht.

Für diese Mutter bedeutet "Survival-Modus", dass jeden Monat genug Geld auf dem Konto ist, um die Miete und den Schulausflug der Kinder zu bezahlen und einmal im Jahr in den Urlaub fahren zu können.

Für sie bedeutet "überleben", an manchen Tagen vor Erschöpfung in der Arbeit nicht mit dem Kopf auf den Schreibtisch zu sinken.

Bei ihr sorgt Trumps Tipp, Supermarkteinkäufe seien weder "dringend" noch "wichtig", nur für verständnisloses Kopfschütteln - denn es ist ein Tipp, bei dem sich die "New York Times" zurecht fragt, ob denn die Einkäufe bei der Präsidententochter auf magische Weise im Kühlschrank landen und dann zu dem Ergebnis kommt: Ja, das tun sie wahrscheinlich.

Mütter reagieren entgeistert auf "Women Who Work"

Diese berufstätige Mutter stellt sich wie die "New York Times" zu "Women Who Work" eine große Frage: Für wen hat Ivanka Trump dieses Buch überhaupt geschrieben?

Für andere wohlhabende Frauen, die Beruf und Familie deshalb so gelungen verbinden können, weil sie ein "Team" an Helferlein, wie Trump es mehrfach nennt, und gerne auch einen noch wohlhabenderen Ehemann hinter sich haben? Mag sein.

Für alle durchschnittlichen berufstätigen Mütter gehen ihre Ratschläge und Sorgen so weit an der Realität vorbei, dass sie nur müde lächeln können.

Das beweisen die vielen entgeisterten Kommentare in den sozialen Netzwerken.

"Ganz klar, das Leben ist ECHT hart für Ivanka", schreibt eine Twitter-Nutzerin. "Ohne eine Massage auskommen? Das ist eine Zumutung."

Viele Frauen hatten noch nie in ihrem Leben eine Massage, weil sie das Geld für die Kinderbetreuung ausgeben müssten, empört sich eine andere.

Wenig angesprochen fühlt sich auch eine Twitter-Nutzerin, die schreibt: "Hey Ivanka Trump, versuch mal eine Woche lang einen Durchschnittsjob. Dann reden wir nochmal über #WomenWhoWork."

Alles Worte von Frauen, die Trumps Buch vermutlich ansprechen sollte.

Weil sie es nicht schafft, ihre Realität zu begreifen, ist "Women Who Work" - um es erneut mit den Worten der "New York Times" zu sagen - jedoch nichts weiter als "ein Erdbeermilchshake aus inspirierenden Zitaten".

Wobei auch das Prädikat "inspirierend" an dieser Stelle dahingestellt sei.

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