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Es bringt nichts, nur über "GNTM" zu schimpfen - es ist Zeit für den nächsten Schritt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
HEIDI KLUM
Mario Anzuoni / Reuters
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Heidi Klum nervt wie Hölle? Keine Frage.

Ihre Stimme und auch sonst alles an ihr ist unerträglich? Absolut.

Es ist schlimm mit anzusehen, wie die Kandidatinnen von "Germany's Next Topmodel" als zitterndes Nervenbündel vor der Jury in Tränen ausbrechen, weil sie dem Druck nicht standhalten? Und wie!

Ich kann jeden verstehen, der sich über die frauenverachtende Castingshow aufregt und die selbst ernannte Modelmama zum Teufel wünscht. Weil die Sorgen ja auch berechtigt sind, dass tausende Mädchen wegen des in der Sendung propagierten Schönheitsideals ihren Körper in Zweifel ziehen.

Die Sache ist nur: Sich über "GNTM" zu beschweren, ändert nichts an dem eigentlichen Problem. Denn wir brauchen ein neues Verständnis davon, was Schönheit bedeutet.

Und wir müssen erreichen, dass sich Mädchen und Frauen in ihrem Körper wieder wohl fühlen können.

Wir müssen Frauen feiern, statt sie zu verunsichern

Jetzt könnte man sagen: Wer über "GNTM" schimpft, soll die Sendung nicht mehr anschauen.

Klar. Schadet sicher nicht.

Aber wem es nicht nur darum geht, oberflächlich zu lästern, weil sich das bei dem Feindbild Heidi Klum so schön anbietet, der muss weitergehen. Weiterdenken.

Was wäre, wenn es eine Bewegung gäbe, die genauso viel Aufmerksamkeit bekommt, genauso kontrovers diskutiert wird wie "GNTM"?

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Eine Bewegung, die genauso groß würde und sich irgendwann niemand mehr über "Heidi Klums Horrorshow" aufregen müsste, wie eine Femen-Aktivistin die Sendung vor einigen Jahren nannte, schlicht weil die Sendung keine Relevanz mehr hat?

Eine Bewegung, die Frauen so feiert wie sie sind und nicht mehr nur dünne, jugendlich aussehende Körper als Vorbild heranzieht.

Wir müssen die Bewegung nur größer machen

Eine Bewegung, die es schafft, dass Schulkinder beim Anblick von Laufstegmodels und Magazincovern nicht denken, sie seien zu dick und im Alter von acht Jahren schon die erste Diät machen.

Eine Bewegung, die uns Frauen zeigt: Niemand hat das Recht, unseren Körper zu beurteilen - jedenfalls nicht so, dass wir uns anschließend schlecht fühlen. Egal, wie wir aussehen. Dünn, dick, rund, kantig, groß, klein. Mit Sommersprossen, ohne Sommersprossen. Mit Dellen, ohne Dellen.

Das Schöne ist: Die Keimzelle einer solchen Bewegung gibt es schon. Wir müssen sie nur größer machen.

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Sehr viele Frauen auf der ganzen Welt veröffentlichen Bilder von sich - ohne Photoshop, nicht perfekt, aber natürlich. Und sie werden dafür gefeiert.

Frauen wie Taryn Brumfitt. Die Australierin ist gerade dem deutschen Kinopublikum bekannt geworden - mit dem Dokumentarfilm "Embrace", der auf die Frage "Wer ist schön" eine ganz klare Antwort findet: Jeder.

I posted my "non traditional" before and after photo 4 years ago today! I won't say I don't know where that time went because I know where every hour, minute and second has gone!! It's been a beautiful ride and I'm grateful to each and every one of you in this community - I couldn't do what I do without you! I've always believed that as individuals we'll endure the toxic messages, whether they are the ones targeted at us or the ones we tell ourselves. But collectively, when we come together, when we share our stories and when we judge less and love more we are so powerful and our lives become so meaningful. So please join me and use this post to invite your friends by tagging them below to join OUR movement. Let's build and grow and spread more goodness throughout the world - together! Who do you know that would love to be part of this community? Love to you all... Taryn Brumfitt xx #ihaveembraced

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Brumfitt ist für den Film um die Welt gereist und hat andere Frauen getroffen.

Eine Frau ist auch schön, wenn sie keine 34 trägt

Sie hat eine Frau besucht, der ein ungewöhnlich dichter Bart im Gesicht wächst.

Sie hat sich mit einer Frau unterhalten, deren eine Gesichtshälfte seit einer Gehirntumor-OP gelähmt ist und die sagt: "Das, was mich wirklich traurig macht, ist, dass ich auf der einen Seite all meine Falten verloren habe".

Sie hat eine Frau zur Sprache kommen lassen, deren ganzer Körper mit Narben übersäht ist, seit sie bei einem Marathonlauf in einen Waldbrand geraten ist.

Sie hat sich die Geschichte einer Frau erzählen lassen, die mit Kleidergröße 38 jahrelang von jeder Modelagentur abgelehnt wurde.

Sie alle haben sehr verschiedene Schicksale, doch ihre Botschaft ist dieselbe: Wir müssen aufhören, einem Schönheitsideal hinterherzurennen, das Werbung, Zeitschriften, Heidi Klum, soziale Medien uns versuchen einzutrichtern.

Wir dürfen nicht länger glauben, dass eine Frau nur dann attraktiv ist, wenn sie in Konfektionsgröße 34 passt.

Sich in seinem Körper wohlfühlen, heißt nicht sich gehen lassen

Sie zeigen auch: Sich in seinem Körper wohl zu fühlen, heißt keineswegs, dass man sich gehen lässt, keinen Sport mehr macht und sich ungesund ernährt.

Es bedeutet: Ein Körper ist nicht nur dann gesund, wenn er gertenschlank ist und Fotografin Brumfitt ist das beste Beispiel.

Wenn ihr jemand vorwirft, sie sei zu dick, erzählt sie von ihren sportlichen Erfolgen. Die Mutter von drei Kindern läuft regelmäßig Marathon.

Es gibt sie also bereits - die Frauen, die uns Mut machen. Die zu ihrem Körper stehen und dabei eine Lebensfreude ausstrahlen, die man in jeder Folge "Germany's Next Topmodel" vergeblich suchen wird.

Diesen Frauen müssen wir uns anschließen und ihre Botschaft in die Welt tragen. Indem wir zeigen, dass wir stolz auf uns und unsere Schönheit sind. Und indem wir diese Erkenntnis an unsere Töchter weitergeben.

Denn diese Botschaft ist viel mächtiger als jeder Spott und jede Aufregung über Heidi Klum Modelshow.

Damit verschwenden wir nur die Energie, die wir viel besser einsetzen können: Frauen ihre Freude am Leben zurückzugeben und sie ihnen nicht zu nehmen.

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(sma)