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Dein Sohn muss nur 4 Dinge lernen, damit aus ihm ein guter Mann wird

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SOHN
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Einen echten Gentleman erkennt man auf den ersten Blick. Und ich meine damit gar nicht unbedingt einen Pierce Brosnan im Smoking.

Ich habe schon richtig abgerissene Kerle mit Bärten kennenlernt, die echte Gentlemen waren. Genauso habe ich jedoch auch schon reiche Kerle in teuren Anzügen gesehen, denen ein Auffrischungskurs nicht schaden könnte.

Als Mutter achte ich sehr darauf, meine Söhne zu guten Männern zu erziehen. In letzter Zeit habe ich mich mit der Frage beschäftigt, was einen Gentleman eigentlich ausmacht. Meiner Meinung nach sind es die folgenden vier Charakterzüge:

1. Freundlichkeit

Ich kann mir nicht helfen, doch es erfüllt mich mit Stolz, wenn ich mitbekomme, wie meine Jungs im Haus ein Insekt einfangen und es im Freien aussetzen. Ich weiß, das klingt vielleicht kitschig.

Und ich habe auch Verständnis dafür, dass man vor Insekten Angst hat oder dass man sich vor ihnen ekelt. (Ich muss auch zugeben, dass ich bei Stubenfliegen und Ameisen weniger Gnade walten lasse.) Aber ganz normale Spinnen und Nachtfalter? Warum nicht?

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Meine Söhne hatten ihre Mutter seit jeher als Vorbild für dieses Verhalten. Und ich finde es toll, dass sie es jetzt genauso machen. Es mag zwar nur eine kleine Tat sein, doch für mich ist es ein Zeichen dafür, dass meine Söhne zu echten Gentlemen heranwachsen.

Sie wissen, dass jedes Leben wertvoll ist. Ganz egal, ob es sich nun um ein winzig kleines oder um ein riesengroßes Lebewesen handelt.

2. Respekt vor Frauen

Als mir vor ein paar Jahren eine Mutter (mit einem gewissen Hauch von Stolz) erzählte, dass ihr kleiner Sohn Johnny "nicht mit Mädchen spielt", zog sich in mir alles zusammen.

Ich wollte dieser Frau sagen, dass sie ihrem Jungen keinen Gefallen tut, wenn sie ihn in seinem Glauben unterstützt, dass er etwas Besseres sei. Auch er wird immer auf Frauen angewiesen sein, die ihn lieben und die für ihn da sind.

Er wird auf Ärztinnen und Rechtsanwältinnen treffen, und eines Tages wird er vielleicht sogar eine Präsidentin haben.

Eine frauenfeindliche Einstellung wird ihn auf seinem Lebensweg stets behindern. Außerdem kann sie sogar Einfluss auf seine wertvollsten Beziehungen haben, nämlich auf die zu seiner Frau und zu seinen Töchtern.

Meiner Meinung nach zieht diese Frau das pure Gegenteil eines echten Gentlemans groß. Sie bringt ihrem Sohn bei, dass Frauen "anders" sind.

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Ich freue mich sehr darüber, dass meine Söhne schon immer Freundinnen hatten. Für sie sind diese jungen Frauen Verbündete und Konzert-Kumpaninnen. Außerdem machen sie auch oft Kunstprojekte oder Musik mit ihnen. Sie behandeln sie mit Respekt und betrachten sie als ebenbürtig.

Ich finde, dass diese Generation es in gewisser Hinsicht leichter hat, weil die Geschlechterrollen nicht mehr ganz so starr sind. Das ist toll für sie. Meiner Meinung nach kann damit alles nur besser werden.

3. Zärtlichkeit

Es bricht mir komplett das Herz, wenn ich sehe, dass ein Vater seinen Sohn nur mit Handschlag begrüßt, als ob eine echte Umarmung nur was für Weicheier wäre.

Ich freue mich jedoch, wenn ich sehe, wie ein erwachsener Mann seinen Vater auf die Wange küsst, wie mein Bruder es immer bei meinem Vater getan hat. Und ich bin sehr froh, dass mein Mann Randy seine Söhne immer dazu ermutigt, ihn richtig zu umarmen.

Was für eine großartige Lektion für junge Männer. Zärtlichkeit ist ein Zeichen von Offenheit, von Wärme, und manchmal auch von Verletzlichkeit. Zärtlichkeiten auszutauschen ist gesund und menschlich.

Wenn ich mir so manche Politiker (*hüstel*) anschaue, muss ich mich schon fragen, wie sie erzogen wurden. Haben sie als Kinder überhaupt irgendeine Art von Zuneigung erfahren? Durften sie ihre emotionalen Bedürfnisse jemals zum Ausdruck bringen?

Ich bin zwar keine Psychologin, doch ich frage mich, was diese Art von Erziehung mit Männern macht.

Kann es sein, dass Jungs, die selten körperliche Nähe erfahren, später zu Männern werden, die Probleme damit haben, zärtlich zu sein? Berührungen finden nur im sexuellen Kontext statt.

Frauen dienen als reine Eroberungsobjekte, sowie als Mittel zum Zweck, um durch sie unbefriedigte (und zweifelsohne unterbewusste) Bedürfnisse zu stillen.

Wer so durchs Leben geht und permanent auf Beutezug ist, wird niemals ein echter Gentleman sein. Denn so jemand ist einfach nur ein Jäger. Ein wahrer Gentleman weiß sämtliche Vorzüge einer Frau zu schätzen - ihren Körper, ihre Seele und ihren Geist.

4. Offenheit

Mein Mann Randy kann nicht mit dem Taxi fahren, ohne die komplette Lebensgeschichte des Fahrers zu erfahren. Er macht gerne Scherze und interessiert sich für alles und jeden, ganz egal ob das nun der Kellner, der Postbote oder der Kassierer ist.

Er sieht und würdigt stets den Menschen, der dahinter steckt. Er lächelt andere an und er lacht viel. Für mich ist er ein wahrer Gentleman.

Was für ein großartiges Vorbild für unsere Söhne. Neben grundlegenden Manieren haben sie gelernt, offen und freundlich durch die Welt zu gehen und Menschen mit einer anderen Herkunft, Glaubensrichtung oder Religion nicht auszugrenzen.

Ich war immer schon der Meinung, dass man ein leichteres und sogar glücklicheres Leben führt, wenn man sich nicht künstlich Feinde erzeugt.

Seien wir mal ehrlich. Die Welt ist furchteinflößend und ich gebe zu, dass ich manchmal Angst habe. Doch gerade deshalb brauchen wir jetzt erst recht liebe Männer statt Tyrannen und Rüpel.

Wer könnte unseren Söhnen diese Sanftheit besser vermitteln als wir Mütter? Und wer wiederum könnte ihnen besser zeigen, sich wie ein echter Gentleman zu benehmen, als ihre Väter? Wo sonst sollten sie lernen, gute Männer zu sein, wenn nicht zu Hause?

Ich glaube, dass dies gerade jetzt absolut nötig ist. Ich sehe hinreißende Jungs in Kinderwägen, auf Facebook-Bildern, oder direkt neben mir im Supermarkt. Das ist toll.

Vor uns liegt eine neue Generation von Männern, bei denen wir alles richtig machen können, indem wir sie nicht nur zu guten Brüdern, Söhnen und Vätern erziehen, sondern sogar zu etwas noch viel Besserem.

Es liegt in unserer Hand, unsere Söhne zu echten Gentlemen zu erziehen ... selbst wenn sie abgerissene Typen in Jeans sind.

Laurie Stone schreibt von den Wäldern Eastons im US-amerikanischen Bundesstaat Connecticut aus. Auf ihrem Blog "Musings, Rants & Scribbles" befasst sie sich damit, wie man älter und (hoffentlich) weiser wird. Du findest sie auch auf Facebook, Twitter und Pinterest.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)