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An die Mutter vor mir in der Apotheke: Ich hab dasselbe durchgemacht wie du

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Liebe Mutter in der Apotheke...

Liebe wunderschöne, starke und trotzdem verletzliche Mutter,

ich habe dich heute in der Apotheke gesehen, wie du dein Rezept eingelöst hast. Ich sah, wie du das Stück Papier über den Tresen gereicht hast, in deinen Augen tiefe Traurigkeit.

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Ich sah, wie die Apothekerin voller Angst angeschaut hast, als sie den Namen des Medikaments vorlas.

Ich hörte, wie sie dich fragte, ob du das Medikament schon mal eingenommen hättest. Du hast mit dem niedergeschlagensten 'Nein' geantwortet, das ich je gehört habe.

Mit der einen Hand hast du dabei deinen Kinderwagen geschaukelt, an der anderen hieltest du dein zweites Kind.

Bitte weine nicht", hast du geflüstert

Ich sah, wie die Knöchel an deiner Hand ganz weiß wurden am Kinderwagengriff. Ich sah, wie du nach unten auf dein Baby geschaut hast, während es strampelte, mit derselben Verzweiflung, die ich auch kenne. "Bitte weine nicht", hast du geflüstert.

Ich weiß, was du durchmachst. Ich hab dasselbe erlebt. An manchen Tagen geht es mir immer noch so wie dir. Ich weiß, du hast keinen Augenblick geschlafen. Du hattest eine Untersuchung beim Arzt und er hat erkannt, dass es dir schlecht geht.

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Oder vielleicht hast du ihm auch erzählt, dass nach sechs Wochen diese Gefühle immer noch nicht verschwunden sind. Dass du die Arbeit für zehn mit nur zwei Händen erledigst und dass diese Last schwerer auf dir lastet als alles, was du davor je gefühlt hast.

Ich sah dich in die Leere starren

Ich sah dich da stehen und warten, mit nach vorne gesackten Schultern, während dein Kind Taschentücher-Packungen aus dem Regal zog. Ich sah dich ins Leere starren. Ich wollte zu dir gehen. Ich wollte zu dir laufen und dich umarmen.

Ich wollte dir sagen, dass du nicht alleine bist, dass ich das auch erlebt habe. Dass ich diese Traurigkeit gespürt habe, dass es das traurigste Gefühl ist, das du jemals gespürt hast, so als ob dir jemand direkt auf die Brust geschlagen hätte. Dass du dich wegen des fehlenden Schlafs wie ein Zombie fühlst. Du bist so müde und doch so angespannt.

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Ich wollte dich umarmen und dir sagen: Lass die Tränen, die direkt hinter deinen Augen lauern, fließen. Ich wollte dir sagen, dass du es verdient hast, zu weinen. Dass das alles so unglaublich hart ist.

Ich wollte dir sagen, dass du einzigartig bist - auch wenn du es jetzt nicht fühlst und wenn du es nicht glauben wirst. Dich wundervoll zu nennen wäre nicht genug. Ich wollte dir sagen, dass du großartig bist, fantastisch und eine supertolle Mutter. Das du ein wunderbarer Mensch bist, der Liebe hundertfach verdient hat.

Ich sehe eine tapfere Frau

Du magst dich jetzt vielleicht wie eine unsichtbare, machtlose Frau fühlen. Aber ich sehe dich. Ich sehe dich. Ich sehe eine Frau, die sich entschieden hat, sich selbst zu helfen. Eine tapfere Frau, die alles tut, um für ihre Kinder stark zu sein.

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Für sich selbst stark zu sein. Eine Frau, die diese mächtigen Gefühle, diese schreckliche Traurigkeit bekämpfen will. Die mehr sein will für ihre Kinder. Eine Frau, die sich aufgerafft hat, hinausgegangen ist, mit zwei Kindern und sich die Hilfe geholt hat, die sie verdient.

Ich weiß, du fühlst dich, als seist du gescheitert. Ich weiß, du fühlst dich, als hättest du jeden enttäuscht, dich selbst eingeschlossen.

Ich weiß, du hast dir selber schließlich eingestanden, dass du diese Krankheit hast und bitterlich geweint hast, weil alles zu viel wurde.

Aber du hast diese Krankheit nun einmal. Du hast sie. Und du bist hier. Und du versuchst, gegen diese schreckliche Krankheit, die dir so schreckliche Dinge antut, zu gewinnen. Du bist so unglaublich tapfer.

Ich habe durch die Krankheit etwas gelernt

Ich hatte nicht den Mut, mit dir zu sprechen, aber ich wünschte, ich hätte es getan. Ich hätte es dir sagen sollen. Ich hätte dir sagen sollen, dass ich du bin, mit zwei Kindern, voller Scham meine Hand über mein Rezept haltend... Mich selbst fragend, ob ich als gescheiterte Mutter verurteilt würde.

Aber ich habe im Verlauf dieser schrecklichen Krankheit auch etwas gelernt. Ich habe gelernt, dass die Krankheit jeden treffen kann. Die besten Mütter können sie bekommen.

Es macht keinen Unterschied, wie sehr du dich bemühst und wie viel du opferst und wie viele Vitamine du nimmst. Die Krankheit kann dich dennoch erwischen.

Ich habe in diesen Momenten gelernt, dass es sich so anfühlt, als würde die Krankheit alles von dir verschlingen, aber ich kann dir sagen: Sie wird nicht gewinnen. Sie wird dich nicht schlagen. Ich habe gelernt: Egal wie stark sie ist, du kannst stärker sein. Du kannst sie bekämpfen.

Du hast den ersten Schritt getan

Und heute, liebe Mutter, hast du den ersten Schritt getan. Deswegen weiß ich, du bist eine Kämpferin. Ich weiß, du wirst gewinnen. Du wirst das großartig machen. Ich glaube ganz fest an dich.

Liebe Frau in der Apotheke. Du wirst geliebt. Deine Kinder lieben dich, dein Partner liebt dich. Du bist stark. Du bist wunderschön und du bist meine Heldin.

In Liebe,

die (merkwürdige) Mutter hinter dir in der Apotheke, die an den meisten Tagen gewinnt und an manchen sogar großartig ist.

mama

Dieser Blog erschien zuerst auf dem Blog "the mum on the run" und wurde von Babette Habenstein aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)