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Korrekt einkaufen mit den richtigen Apps

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SUSTAINABILITY
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Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Apps, die einfache Hilfe beim nachhaltigen Einkauf versprechen. Doch was können sie wirklich? Das Redaktionsteam der Informations- und Aktionsplattform RESET.org hat einige der bekanntesten grünen Apps gecheckt.

Wie finde ich fair gehandelte Produkte? Welche Kosmetikartikel sollte ich meiden, weil sie Hormone oder Mikroplastik enthalten? Was sind besonders energieeffiziente Haushaltsgeräte? Und wie erkenne ich Kleidungsstücke, bei denen Kinderarbeit im Spiel war? Wer mit seinem Konsum Verantwortung für sich selbst, die Natur und seine Mitmenschen übernehmen möchte, steht vor vielen offenen Fragen. Aber mit ein wenig Hilfe kann jeder korrekt einkaufen.

Der erste Schritt zum bewussten Konsum ist Wissen. Das heißt aber nicht, dass jeder, der nachhaltig konsumieren möchte, gleich zu einem wandelnden Lexikon werden muss. Vor allem geht es darum zu wissen, wo hilfreiche Informationen zu finden sind. RESET hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Lücke zu schließen und bietet auf ihrer Plattform Hintergrundinformationen und nützliche Tipps zu allen Aspekten rund um einen bewussten Lebensstil.

Aber was tun, wenn man schon vor dem Regal steht und es schnell gehen muss? Zahlreiche Apps wollen hier unterstützen. „Die gesamte RESET-Redaktion hat einige der bekanntesten Anwendungen daraufhin getestet, wie hilfreich, nutzerfreundlich und transparent sie tatsächlich sind", so Sarah-Indra Jungblut, Redaktionsleitung von RESET.org. „Wir haben uns sehr gefreut, dass es so viele Apps im Bereich Green Lifestyle gibt.

Wir mussten dabei allerdings feststellen, dass viele der Anwendungen noch Optimierungsbedarf haben. Dennoch können wir einige empfehlen."

Oft sind die Apps nicht auf dem neuesten Stand oder zwar mit sehr guten Inhalten gefüllt, verschenken aber ihr Potenzial, da sie komplexe Informationen nicht optimal fürs Smartphone aufbereiten. Oder sie sind nicht wirklich transparent oder greifen zu kurz.

Mit ToxFox schädlichen Inhaltstoffen auf der Spur

Die ToxFox App vom BUND bietet die Möglichkeit, Pflegeprodukte direkt im Laden per Barcode-Scan auf hormonell wirksame Inhaltsstoffe wie z.B. Parabene zu überprüfen.

Allerdings beschränkt sich ToxFox nur auf eine Stoffgruppe. Ob andere gesundheits- oder umweltschädigende Stoffe (z.B. Mikroplastik) in den Pflegeprodukten enthalten sind, erfährt der Nutzer nicht. Zudem stammen die Daten von Codecheck, wo jeder die Möglichkeit hat, Daten zu erfassen. Wie und ob diese überprüft werden, ist nicht nachvollziehbar.

Siegelklarheit bringt Licht in den Labeldschungel

Mittlerweile gibt es viele Siegel und Labels, die nachhaltige Produkte oder Dienstleistungen kennzeichnen. Aber wie vertrauenswürdig oder transparent sind sie? Die App Siegelklarheit will einen Überblick verschaffen.

Die App ist Bestandteil eines Gemeinschaftsprojekts der Bundesministerien für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB), Justiz und Verbraucherschutz (BMJV) sowie Arbeit und Soziales (BMAS). Finanziert und betrieben wird die App vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Zwar gibt es viele Siegel in der Datenbank, doch es sind vor allem die sehr bekannten Siegel, die abgedeckt sind.

Die App ist schlank, aber sehr vertrauenswürdig und aufgrund der wissenschaftlichen Herangehensweise dennoch ambitioniert. Für den schnellen Überblick: Empfehlenswert.

Mit Codecheck herausfinden, was in Produkten steckt

Welche Kosmetikprodukte oder Lebensmittel sind ökologisch unbedenklich, welche schädlich für die Gesundheit? Die App Codecheck will Informationen zu sämtlichen Inhaltsstoffen liefern.

Die App erinnert mit ihren 31 Millionen von sehr gut bis mangelhaft erfassten Produkten oft an eine riesige Shopping-App: In vielen Kategorien kann man zwar Produkte kaufen, erfährt aber nichts über ihre Inhaltsstoffe oder Herkunft, weil es hier schlicht keine Informationen oder Bewertungen gibt.

Für die Kategorien „Lebensmittel" und „Kosmetikprodukte" erfüllt die App ihren Zweck jedoch recht gut: Hier findet man in den meisten Fällen die gesuchten Informationen und nützliche Hilfestellungen zu nachhaltigem Konsum.

Wünschenswert wäre - ähnlich wie in der Wikipedia - eine übersichtliche Darstellung, ob die jeweiligen Produktinformationen tatsächlich bereits verifiziert oder veraltete Infos aktualisiert worden sind.

EcoGator findet energiesparende Geräte

Kühlschränke, Lampen oder Fernseher sind die Dauerbrenner unter den Haushaltsgeräten und für einen großen Anteil der Stromrechnung verantwortlich. Mit energieeffizienten Geräten lassen sich allerdings bis zu zwei Drittel des Stromverbrauchs einsparen. Darüber freut sich auch das Klima, denn pro eingesparter Kilowattstunde Strom werden durchschnittlich 800 Gramm CO2 vermieden.

Genau hier setzt die kostenlose App EcoGator an: Sie möchte ihre Nutzer beim Kauf energiesparender Geräte beraten und so die Entscheidung für besonders klimafreundliche und kostensparende Geräte erleichtern. Allerdings funktioniert der Scanner nicht sehr zuverlässig.

Scheinbar hat das Lesegerät Probleme mit den Klarsichtfolien, mit denen die Label im Handel geschützt sind. Da dies jedoch meistens der Fall ist bleibt nur die langwierige manuelle Eingabe. Außerdem wird die App durch den Fokus auf relativ wenige Haushaltsgeräte eher im konkreten Fall eines Neukaufs interessant. Bemerkenswert ist allerdings, dass durch die Berechnung der App selbst bei A+++ Geräten Unterschiede im Verbrauch sichtbar werden.

Der Nachhaltige Warenkorb informiert rundum zu bewusstem Konsum

Müll vermeiden, Ressourcen schonen, Wasser sparen, faire Arbeitsbedingungen unterstützen, CO2-Emissionen einsparen. Eine nachhaltige Lebensweise lässt sich von jedem Einzelnen umsetzen, im Alltag, beim Einkaufen, im Büro, beim Reisen.

Die App „Der Nachhaltige Warenkorb" will Nutzern genau dieses Wissen an die Hand geben. Die Botschaft der Anwendung lautet: „Nachhaltig konsumieren ist heute schon möglich".

In der App findet man ein breites Informationsangebot zu aktuell 16 Themenbereichen. Wer motiviert ist, sich umfassend zu informieren, der wird hier in jedem Falle fündig. Allerdings muss man sich zuvor erst einen Weg durch einen Dschungel der Unübersichtlichkeit bahnen. Das ist schade, denn die App hat tatsächlich inhaltlich jede Menge zu bieten.

Eine weniger lineare Struktur, eine bessere Navigation und die Möglichkeit, die App auch ohne Internetverbindung zu nutzen würden die Anwendung deutlich nach vorne bringen.

aVOID spürt Kinderarbeit auf

Die App aVOID filtert die Online-Shoppingtour und hilft so, den Kauf von Kleidungsstücken, hinter denen Kinderarbeit steckt, zu vermeiden. Sucht man nach der Installation von aVOID in einem der großen Onlineshops nach Kleidung, gleicht die Anwendung die Suchergebnisse mit Herstellern ab, die Earthlink mit Hilfe einer eigenen Datenbank bewertet.

Die Bewertungen erfolgen nach einem Ampelsystem: Kleidungsstücke von Firmen mit einer roten Ampel ersetzt aVOID mit einem Symbol. Somit kann man auf einfache Weise Produkte meiden, die im Verdacht zu Kinderarbeit stehen. Das Plugin aVOID zeigt damit, dass jeder auf einfache Art und Weise aktiv damit anfangen kann, etwas gegen ausbeuterische Arbeitsbedingungen zu tun.

Es ist davon auszugehen, dass sich in den nächsten Jahren im Bereich nachhaltiger Apps mit Sicherheit noch viel tun wird. „Vor allem Scanner-Apps könnten den nachhaltigen Alltag und das bewusste Konsumieren maßgeblich voranbringen. Hier liegt aus unserer Sicht das größte Potenzial", sagt Uta Mühleis, Gründerin und Geschäftsführerin von RESET.

Ein Überblick zu allen App-Checks: https://reset.org/tags/app-check

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