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Ich habe erlebt, worüber keine Frau gerne spricht

30/09/2015 18:32 CEST | Aktualisiert 30/09/2016 11:12 CEST
Alexa Moyer

Der Tag, an dem ich erfuhr, dass ich schwanger bin, war der schönste Tag in meinem Leben. Ich wollte schon seit langer Zeit Mutter werde und mit 36 sollte es endlich passieren. Als mein Verlobter Patrick und ich zum ersten Mal den Herzschlag unseres kleinen Krümels sahen und hörten, überkam mich eine Welle der Liebe, die so stark war, wie ich es mir nie hätte vorstellen können.

Patrick und ich liebten uns so sehr, dass wir gemeinsam einen Menschen geschaffen hatten. Und dieser Mensch lebte in mir drin. Ich hatte das Gefühl, ein Wunder zu erleben. Nach dem Arzttermin ging ich mit dem süßen Rhythmus des Herzschlags als Ohrwurm nach Hause.

Sorry, ab hier wird es traurig.

Dreißig Minuten nach unserem Termin bekam ich ich Krämpfe und Blutungen. Ich lag den ganzen Tag im Bett und hoffte, dass es nur Schmierblutungen oder sonst irgendwelche harmlosen Blutungen seien, die nicht das bedeuteten, was ich befürchtete.

Ich surfte auf unzähligen Schwangerschaftsblogs und las Geschichten von Frauen, die während ihrer Schwangerschaft Blutungen hatten und dennoch wunderschöne, gesunde Babys bekamen. Ich klammerte mich die ganze Nacht an diese Hoffnung. Es waren die längsten 18 Stunden meines Lebens.

Am nächsten Morgen ging ich zum Arzt.

Kein Herzschlag.

Unser Wunder war vorbei.

Die Details der folgenden 48 Stunden sind unwichtig. Der Sinn dieses Textes ist nicht, euch zu foltern oder dass ihr Mitleid mit mir haben sollt oder Angst in die Herzen von Frauen und Mädchen zu pflanzen. Der Sinn dieses Artikels ist ...

Warum sprechen wir nicht mehr darüber?

Nachdem das passiert war, sprach ich mit Frauen, denen ich mich nahe fühlte, denen das auch passiert war und ich keine Ahnung davon hatte. Die häufigste Antwort, die ich bekam, wenn ich erzählte, dass ich das böse F erlebt hatte, war: "Das passiert SO oft. Das passiert SO vielen Frauen."

Wirklich?!

Aber wenn das so häufig ist, warum sprechen wir dann nicht offen darüber, sondern flüstern und raunen es uns zu, wenn überhaupt?

Wenn das so häufig passiert, wieso fühlt es sich dann wie der Voldemort der Frauenprobleme an?

Das "F", dessen Name nicht genannt werden darf.

Wenn jemand das Wort "Fehlgeburt" laut ausspricht, füttert das dann die bösen Mächte? Haben wir Angst, dass sie stärker werden, wenn wir darüber sprechen?

Warum ist es ok, dass ich, wenn meine Nachbarin sieht, dass ich traurig bin und fragt, was los ist, sage, dass mein Tante gestorben ist, dass ich meinen Job verloren habe, dass ich meine Hund einschläfern lassen musste -- aber wenn ich von meiner Fehlgeburt spreche, ist das zu viel Information?

Selbst der Rat, dass man warten sollte, bis das erste Trimester rum ist, bevor man von der Schwangerschaft erzählt, ist etwas, das ich durchaus verstehen kann. Aber ich habe ein paar Fragen dazu.

Ich verstehe, dass nicht jede Frau gleich etwas ankündigen will, das so zerbrechlich und neu ist. Ich verstehe, dass man nicht möchte, dass jeder Mensch, den man kennt, in den privatesten Angelegenheiten involviert ist.

Aber gleichzeitig frage ich mich: Für wen ist das ein Schutz? Wird uns geraten, vor der 12.-14- Woche zu schweigen, um uns als Mutter zu schützen? Oder vielleicht jene, die in eine unangenehme Situation kommen, wenn sie es mit einer Frau zu tun haben, die eine Fehlgeburt hatte?

Das waren die Fragen, die ich anfing, mir selbst zu stellen.

Als Schauspielerin musste ich meinen Arbeitgebern viel früher als gewöhnlich sagen, dass ich schwanger war. Es gab wichtige Termine. Ich hatte nicht die Möglichkeit, bis zur 12. oder 14. Schwangerschaftswoche zu warten. Aber jetzt, nach der Fehlgeburt, bin ich dankbar, dass ich es ihnen so früh gesagt habe.

Ich bin erleichtert, dass sie wissen, dass ich im Moment nicht ganz ich selbst bin. Ich kann mir den ganzen zusätzlichen Stress gar nicht vorstellen, den Frauen durchleben, die so tun als wäre alles in Ordnung, zusätzlich zu dem Stress eines ganz normalen Jobs.

Versteht mich nicht falsch. Wenn du deine Geschichte lieber für dich behältst und dir das hilft, damit klarzukommen, dann tu das. Jeder geht mit Trauer anders um und ich empfehle sicher nicht allen Frauen, dass sie herumlaufen und jedem von ihrer Fehlgeburt zu erzählen. Vor allem nicht, wenn es ihnen nicht beim trauern hilft.

Was ich sagen will, ist, wenn das wirklich etwas ist, das so vielen Frauen und ihren Partnern passiert (Einige Statistiken sagen eine von drei Schwangerschaften, andere sagen eine von fünf Schwangerschaften), dann müssen wir unser kulturelles Umfeld vielleicht darum bestärken, dieses Thema besser anzunehmen.

Ich verstehe schon, dass das Thema kein Schönes ist. Weder um darüber zu schreiben (noch um darüber zu lesen). Glaubt mir, ich würde viel lieber darüber schreiben, wie sehr ich Pizza und Gürteltaschen liebe. Aber die Einsamkeit und Isolation, die ich in der Zeit nach meiner Fehlgeburt erlebt habe, haben mir eines gegeben: Eine tiefe Empathie und Dankbarkeit für die Frauen, die offen mit mir über ihre eigenen, schmerzvollen Geschichten gesprochen haben.

Beyoncé hat einen wunderschönen Song namens "Heartbeat" über ihre Fehlgeburt geschrieben. Und ich muss zugeben, das Wissen, dass Queen Bey etwas so Schmerzhaftes erlebt hat, gibt mir das Gefühl ein bisschen weniger allein zu sein. Sie ist so eine starke, glamouröse, inspirierende Person und hat das auch erlebt. Sie gibt mir die Kraft, etwas anzuziehen und das Haus zu verlassen.

Ich bin nicht Beyoncé (leider), aber ich bin eine menschliche Frau, die die tiefe Traurigkeit durchlebt hat, ihr Baby nicht auf diese Welt bringen zu können.

Mein Ziel mit diesem Text ist, einfach nur zu sagen: Wenn du Teil dieser Schwesternschaft bist, bist du nicht allein.

Das ist nicht deine Schuld.

Du hast nichts getan, um das zu verdienen oder was es ausgelöst hat.

Du darfst darüber sprechen (musst es aber nicht) und zwar mit wem du willst.

Du und nur du kannst wissen, wenn die Wolken vorübergezogen sind.

Es kommt mir so vor, dass wir als Kultur noch nicht gelernt haben, mit diesem schmerzvollen Thema umzugehen. Ich hoffe, dass ich etwas zur Besserung beitragen kann, indem ich darüber spreche und schreibe. Manchmal kann es schon helfen, wenn man weiß, dass es da draußen jemanden gibt, der denselben Schmerz wie du erlebt hat. Und dass sie dich in ihrem Herzen tragen.

Ich trage euch in meinem.

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Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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