BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Lars Pütz Headshot

Dass wir heute die Ehe für alle feiern können, liegt vor allem an den Generationen vor mir

Veröffentlicht: Aktualisiert:
EHE FUER ALLE
dpa
Drucken

Mit der Einführung der Ehe für alle wird die rechtliche Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften nun auch in Deutschland perfekt. Nachdem es in vielen Teilen der Welt momentan Rückschritte gibt und auch die FAZ derzeit noch homophobe Gastbeiträge druckt, dürfte die gesellschaftliche Akzeptanz Homosexueller hierzulande jetzt einen Höhepunkt erreicht haben.

Mehr zum Thema: Der neueste "FAZ"-Artikel zur Ehe für alle ist so schlimm - kaum zu glauben, dass er tatsächlich erschienen ist

Ich habe daher großes Glück gehabt: Dass wir heute die Ehe für alle feiern können, liegt vor allem an den Generationen vor mir, die dies erkämpft haben und die für sogenannte „homosexuelle Handlungen zwischen Männern" (in Deutschland strafbar bis zum 11. Juni 1994) ins Gefängnis gegangen sind.

Nach der Entkriminalisierung und der rechtlichen Gleichstellung bleibt ein großes Thema: Die reale Gleichbehandlung - die man nicht durch Gesetze vorschreiben kann - im Privatleben und insbesondere am Arbeitsplatz, wo dies auch heute noch nicht selbstverständlich ist.

Einige Manager führen aufgrund ihrer Homosexualität ein Doppelleben

Dies betrifft Mitarbeiter*innen in vielen Branchen und auf allen Karrierestufen. Selbst im Managementbereich klagen viele, dass sie sich nicht „outen", weil ihre Karriere sonst erschwert oder gar beendet würde. Deswegen führen einige Top-Manager ein Doppelleben bis zum Karriereende.

Im Gegensatz zu vielen anderen Menschen wurde ich weder im Privaten, noch am Arbeitsplatz je diskriminiert. Ich arbeite seit vier Jahren bei Hogan Lovells - einer internationalen Anwaltskanzlei - in München und habe meinen damals neuen Kolleg*innen schon beim Kennenlernen gesagt, dass ich wegen meines Freundes in den Süden Deutschlands gezogen bin. Daraufhin wurde ich gefragt, ob ich eine aktive Position der Kanzlei zum Thema „LGBT+" mit aufbauen möchte.

Mehr zum Thema: Ein Junge will öffentlich machen, dass er schwul ist - dann bekommt er von seinem Vater diesen Brief

Anfang 2017 haben wir vor Ort ein LGBT+ Mitarbeiternetzwerk gegründet, dem sich auch Heterosexuelle anschließen können. LGBT+ steht für Lesbian, Gay, Bisexual, Trans und alle weiteren sexuellen Minderheiten. Mittlerweile haben wir in München bereits über 50 Mitglieder*innen - dies entspricht fast 20 Prozent unserer Münchner Belegschaft.

Seit dem 17. Mai 2017 - dem internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie - gibt es bei uns zudem ein internationales LGBT+ Netzwerk an allen Standorten. Dadurch setzen wir auch dort, wo dies politisch und rechtlich schwierig ist, ein deutliches Zeichen - wie beispielsweise an unserem Standort in Moskau.

Nicht jeder kann sich am Arbeitsplatz gefahrlos outen

Mir ist klar, dass solche Mitarbeiternetzwerke in vielen Branchen noch undenkbar sind. Deswegen finde ich es umso wichtiger, wenn einige Unternehmen voran gehen und sich öffentlich klar positionieren.

Für viele Mitarbeiter*innen ist es auch in einem eigentlich liberalen Umfeld nicht selbstverständlich, dass sie sich auf der Arbeit gefahrlos „outen" können. Selbst wenn vielleicht niemand im Unternehmen ein Problem damit hätte, ist dies für Betroffene nur dann klar, wenn dies auch offen kommuniziert und gelebt wird.

Das funktioniert bei uns so, dass sich in unserem Mitarbeiternetzwerk auch zahlreiche Heterosexuelle und Personen aus dem Management engagieren und dadurch zeigen, dass es in der Kanzlei breiten Rückhalt für Mitarbeiter*innen jeglicher sexueller Orientierung gibt.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Ich denke, wenn Unternehmen zu dem Thema LGBT+ klare Statements abgeben, kann das eine enorme Breitenwirkung haben. Konkret bringt das Engagement für LGBT+ Mehrwert für alle Mitarbeiter*innen.

Es steigert auch den Erfolg eines Unternehmens: Wir sind nicht nur produktiver, wenn wir ohne Angst, „aufzufliegen", zu unserer Sexualität und unserem jeweiligen Partner oder Partnerin stehen können. Sondern das gesamte Betriebsklima profitiert, wenn Grundwerte wie Gleichberechtigung, ein respektvoller und diskriminierungsfreier Umgang miteinander sowie die Förderung von Vielfalt und die Einbindung jedes Einzelnen zur Unternehmenskultur erhoben werden.

Unser Münchner Pride+ Netzwerk nimmt am 15. Juli 2017 zusammen mit den anderen Münchner Unternehmensnetzwerken am Christopher Street Day teil. Dies ist ein Demonstrationstag für Gleichberechtigung und Toleranz, in München dieses Jahr unter dem Motto "Gleiche Rechte. Gegen Rechts!" Wir starten um 12 Uhr am Marienplatz.


Der Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Katharina Hoch verfasst.

2016-10-24-1477314417-8667323-image_1465815956.jpeg

Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der HuffPost zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

Diskutiert mit und schickt uns eure Erlebnisse an Blog@huffingtonpost.de.