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Kartenzahlung wird immer beliebter

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KARTENZAHLUNG
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Mobile Payment, kontaktloses Bezahlen und NFC-Bezahlung – mittlerweile geistern viele Begriffe durch die Medienwelt, die sich auf das beziehen, was die meisten Menschen ungern machen und doch jeden Tag tun: das Bezahlen. Im Dickicht von Bargeld, Kryptowährung und Kartenzahlung ist es aber gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. Wann kann man wie und womit zahlen? Und wird es Bargeld überhaupt in Zukunft noch geben?

  

Jeder kennt sie, jeder hat es schon getan: die Kartenzahlung. Sie ist beliebt wie nie zuvor, und das nicht nur auf dem deutschen bzw. europäischen Markt, sondern auch im Handel fernöstlich des Abendlandes. Immerhin gibt es mittlerweile 12 Milliarden Karten auf dem Globus, was umgerechnet circa 1,6 Karten pro Erdenmenschen bedeutet.

Ganz so ist es in der Realität natürlich nicht. Im Schnitt besitzt zumindest in den Industrieländern jeder Erwachsene drei Karten, mit denen er seine Einkäufe bezahlt, Hotelzimmer bucht oder Flugtickets erwirbt. Von der EC- oder Girokarte bis hin zur Kreditkarte bietet die Kartenzahlung Menschen aller Couleur, Herkunft und über alle Altersschichten hinweg Vorteile.

Immerhin muss bei Zahlung mit der Karte kein Bargeld mitgeführt werden. Geht die Karte verloren, lässt sie sich sperren, Bargeld wäre bei Verlust oder Diebstahl auf jeden Fall verloren. Und meist geht die Kartenzahlung auch deutlich schneller von der Hand, lediglich die Eingabe einer PIN bzw. eine Unterschrift ist vonnöten.

Viele Menschen gehen deswegen bereits davon aus, dass es in naher Zukunft gar kein Bargeld mehr geben wird. In Schweden beispielsweise kann in vielen Geschäften und Restaurants bereits gar nicht mehr mit Bargeld gezahlt werden. Der Weg hin zu einer bargeldlosen Gesellschaft wird in Europa bereits zum Teil beschritten und könnte bald auch in Fernost zum Alltag werden.

 

Markttreiber China: Kartenzahlung in Fernost mit starkem Wachstum

Kartenzahlung macht derzeit circa 18 Prozent des globalen Bruttosozialprodukts aus! 235 Milliarden Finanztranskationen werden jedes Jahr auf der gesamten Welt über Karten ausgeführt, 20 Billionen Dollar wechseln auf diese Weise den Besitzer – unfassbare Zahlen. Dies belegt eine Studie der Retail Banking Research (RBB).

Der treibende Motor dieser Entwicklung ist dabei gar nicht jenseits des Atlantiks oder gar in Europa stationiert, sondern er liegt in Fernost und, um genau zu sein, in China. In keinem Teil der Welt ist der durchschnittliche Wert pro Finanztransaktion, die über eine Kartenzahlung abgewickelt wird, größer als im Land des Roten Drachens. Doch auch über die chinesischen Grenzen hinaus, im gesamten asiatischen Kulturraum, zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab. Bis zum Jahr 2020 soll die Anzahl an Kartenzahlungen jährlich um 15 Prozent ansteigen.

Allerdings trügen die Zahlen zumindest etwas. Denn der Siegeszug von EC-, Giro- und Kreditkarten ist auch dem bislang schwachen Auftritt der Kartenzahlung in eben jenen Ländern zuschulden. Dies gilt vor allem auch für Afrika und den Nahen Osten. Auch hier ist das Wachstum der Finanztransaktionen durch Kartenzahlungen überdurchschnittlich hoch. Doch dies liegt eben vor allem daran, dass es in jenen Ländern nur wenige Möglichkeiten gibt, überhaupt mit Karte zahlen zu können – und Karten deswegen ohnehin nur wenig verbreitet sind.

 

Debitkarte und Kreditkarte: Hier liegen die Unterschiede

Nahezu alle Finanzinstitute bieten ihren Kunden zum Girokonto auch eine Kreditkarte an. Ob diese kostenfrei erhältlich ist oder ob Gebühren anfallen, das ist von Bank zu Bank und von Konto zu Konto unterschiedlich. Der wesentliche Unterschied zwischen Debitkarte und Kreditkarte liegt im Abbuchungsintervall: Bei Kreditkarten wird nur einmal monatlich ein Betrag vom Konto abgebucht. Zahlungen werden also sozusagen auf Kredit abgewickelt. Bei Debitkarten, auch unter EC- oder Girokarten bekannt, werden Konten umgehend belastet, wenn Zahlungen über die Karte abgewickelt werden.

 

Zudem muss auch ein Unterschied zwischen Debit- und Kreditkarten getroffen werden. Denn in den außereuropäischen Ländern verzeichnen derzeit vor allem Debitkarten Erfolge. „Bei Kreditkarten sehen die Prognosen umgekehrt aus. Bis 2020 soll der Marktanteil von aktuell 23 Prozent sogar auf 20 Prozent fallen. Dies hat vor allem mit dem boomenden Online-Markt zu tun, denn früher war es nicht so einfach möglich, einen Kredit zu beantragen“, meint der Geschäftsführer von sofortkredite-24

Der bis dato entwicklungstechnische Nachteil wird also in jenen Regionen in Afrika und Asien zum Antriebsfaktor für das Wachstum und die Verbreitung von Kartenzahlungen, ein Prozess, der durch das rasche Wirtschaftswachstum von Schwellenländern noch potenziert wird. Auch deswegen heißt es in der Studie von RBB: „Es gibt immer noch großes Potential für eine weitere Expansion des Kartenmarktes in diesen Regionen.“

 

Mobile Payment und kontaktloses Bezahlen: viele Vorteile, geringe Risiken?

Noch einen Schritt weiter als die herkömmliche Kartenzahlung gehen Zahlungsmodelle, die gänzlich auf physische Berührungen verzichten. Kontaktloses Bezahlen nennt sich das Ganze, das mittlerweile auch in Deutschland von immer mehr Unternehmen angeboten wird, insbesondere im Einzelhandel. Der Discounter LIDL zum Beispiel bietet seinen Kunden seit geraumer Zeit die Möglichkeit, Einkaufsgüter des täglichen Lebens kontaktlos an der Kasse zu bezahlen.

Die Technik, die dahintersteckt, nennt sich NFC. Neben Debit- und Kreditkarten weisen auch Mobiltelefone diese Technik mittlerweile ganz selbstverständlich auf. Mobile Payment nennt sich dies. Das Prinzip ist ganz einfach: Die Karte oder das Telefon wird einfach an ein Empfangsgerät gehalten. Der zu zahlende Betrag wird daraufhin automatisch abgebucht. Diese Zahlungsmethode geht noch schneller als die bisherige Kartenzahlung, sozusagen einfach im Vorbeigehen.

 

Was ist NFC?

NFC steht für Near Field Communication. Es beschreibt einen internationalen Standard für Datenübertragungen auf kurzen Distanzen, was auch der Sicherheit dienen soll. Beim alltäglichen Gebrauch müssen Karten und Smartphones meist auf eine Distanz von mindestens vier Zentimetern an das Empfangsgerät gehalten werden.

 

Und es zeichnen sich weitere Anwendungsgebiete ab: zum Beispiel im Taxi. Wer wieder einmal etwas zu tief ins Glas geschaut und nach durchzechter Nacht kein Geld mehr für die Rückfahrt übrighat, kann dann ganz einfach sein mobiles Telefon zücken, dem Taxifahrer ein großzügiges Trinkgeld spendieren und sich bequem nach Hause kutschieren lassen, ohne dass er dafür auch nur einen Cent Bargeld mitführen müsste.

 

Die Vorteile sind die eine Seite, die möglichen Risiken die andere. Denn immer wenn es beim Bezahlen besonders einfach zugeht, werden viele Menschen – nicht zu Unrecht – skeptisch. Befürworter der Technik beruhigen mit dem Argument, dass allein durch die Nähe von Karte bzw. Smartphone und Empfangsgerät bereits Sicherheit gegeben wäre. Im Internet kursieren indes aber auch immer wieder Berichte, wie es Kriminelle vollbracht haben, allein mit einer einfachen App Zugriff auf die Finanzdaten von unwissenden Personen erhalten zu haben.

 

Wer haftet im Schadensfall?

Verbraucherschützer empfehlen, regelmäßig die eigenen Kontoauszüge bzw. Kreditkartenabrechnungen zu überprüfen, ob gegebenenfalls Unstimmigkeiten zu erkennen sind. Ist dies der Fall, sollte dies umgehend dem eigenen Bankinstitut mitgeteilt werden. Bislang müssen nämlich Finanzinstitute im Falle des Kartenmissbrauchs haften. Eine weitere Möglichkeit ist es, die NFC-Karte in einer speziell beschichteten Hülle aufzubewahren. Den Funkwellen ist es nämlich nicht möglich, die Schutzhülle zu durchdringen, was es Dritten unmöglich macht, technischen Zugriff zur Karte zu erhalten. NFC-Schutzhüllen sind bereits ab circa 3-5 Euro käuflich zu erwerben.

 

Allerdings ist der mögliche, wenn auch unwahrscheinliche Schaden derzeit wohl noch zu verkraften. Bislang lassen sich kontaktlos nämlich nur Beträge bis 25 Euro bezahlen. Liegen die Beträge darüber, ähnelt das System der bisherigen Kartenzahlung: Die Eingabe einer PIN bzw. eine Unterschrift ist notwendig. Dieser Sicherheitsstandard wiederum macht einige Vorteile des kontaktlosen Bezahlens wieder zunichte und begrenzt das Einsatzgebiet der neuen Zahlungsmethode größtenteils auf den Einzelhandel. Hier beträgt der durchschnittliche Einkaufswert nämlich 21 Euro, zumindest in Deutschland.

 

Rückt das Ende des Bargelds näher?

Die Verlagerung von Finanztransaktionen in die digitale Welt, Kartenzahlung und sogar kontaktloses Bezahlen scheinen dazu zu führen, dass der altbekannte Spruch „Nur Bares ist Wahres“ bald womöglich keine Gültigkeit mehr besitzt. Insbesondere Banken treiben die Entwicklung zur bargeldlosen Gesellschaft voran, letztendlich bedeutet Bargeld für Finanzinstitute vor allem eines: Kosten.

Doch wie sieht es bei den Verbrauchern aus? Einen Hinweis auf die Stimmung in der Bevölkerung zum Thema Abschaffung von Bargeld könnte eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach geben, die von der „Initiative Deutsche Zahlungssysteme“ in Auftrag gegeben wurde. In der Studie wurden 1.427 Personen über 16 Jahre befragt, ob sie lieber mit Bargeld oder mit Karte zahlen.

Das Ergebnis: 32 Prozent der Befragten würden lieber bargeldlos mit der Karte zahlen. Das sind immerhin drei Prozent mehr als im letzten Jahr, aber immer noch knapp weniger als ein Drittel der Deutschen. Unrealistisch ist es aber trotzdem, dass das Bargeld zumindest in naher Zukunft gänzlich aus unserem Alltag verschwindet. Die volkswirtschaftlichen Folgen wären zu immens, sagen Experten. Doch auch den Siegeszug sogenannter Kryptowährungen wollte niemand wahrhaben. Bitcoin und Co. zeigen aber, dass Prognosen, was die Finanzwelt anbelangen, nicht immer korrekt sein müssen. Ob das auch für das Bargeld gültig ist, bleibt abzuwarten.

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