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Amazon probt neues Zustellverfahren für Pakete

21/11/2017 15:22 CET | Aktualisiert 21/11/2017 15:22 CET

Ein bestelltes Paket kommt an und niemand ist zu Hause. Bisher war dies ein lästiges Szenario für jede Person, die gerne online einkauft.

Nun startet das Online-Versandhaus Amazon ein Projekt in 37 US-Städten, das es den Paketboten ermöglicht, die Haustüren selbst zu öffnen. Die „Amazon Key" genannte Leistung wird seit dem 8. November geprobt. Ein endgültiges Urteil bleibt abzuwarten.

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Bald landen Amazon-Pakete nicht mehr vor, sondern in der Wohnung. Bildquelle: Julie Clopper 196805375 / Shutterstock.com

Wie funktioniert Amazon Key?

Um Amazon Key nutzen zu können, benötigt man ein smartes Türschloss, eine Webcam sowie einen Amazon-Prime-Account. Steht der Boote trotz Klingelns vor verschlossener Tür, kann er so per Smartphone eine verschlüsselte Authentifizierung bei Amazon anfragen.

Ist mit der Lieferadresse sowie Lieferzeit alles in Ordnung, öffnet sich die Haustür. Nun beginnt die Kamera mit der Aufnahme, damit der Kunde den korrekten Ablauf der Lieferung überprüfen kann. Durch die Kamera sollen ebenso Einbruchsversuche oder Beschädigungen möglichst verhindert werden.

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Amazon: Eines der erfolgreichsten Unternehmen der Welt. Bildquelle: eigene Darstellung

Auch die „Amazon Key Happiness Guarantee" soll eine Falschanwendung des Systems umgehen. Wenn es zu Beschädigungen oder einem Fehlverhalten des Lieferboten kommt, können sich Kunden direkt an Amazon wenden, um das Problem gemeinsam zu lösen.

Nach absolvierter Lieferung kann der Boote sich dann auf zum nächsten Kunden machen. Die lästigen Benachrichtigungen, dass das Paket beim Nachbarn oder in der nächsten Paketstation liegt, gehören damit der Vergangenheit an.

Startphase läuft in den USA an

Dieses neue Liefersystem wird derzeit in 37 US-amerikanischen Metropolregionen getestet, in anderen Ländern noch nicht. Verläuft alles zufriedenstellend, wird das Projekt nach und nach ausgeweitet. Damit man am neuen Auslieferungsverfahren teilnehmen kann, benötigt man neben einem Prime-Account noch ein Smart-Key-System sowie eine Cloud-Cam, die es bei Amazon im Setpreis für ca. 250 US-Dollar zu erwerben gibt.

Ist alles vorhanden und installiert, kann der Kunde bei den Bestelloptionen eine „FREE in-home delivery" auswählen. Er erteilt dem Zusteller somit eine Zutrittsberechtigung. Die Testphase in den ausgewählten Regionen soll zeigen, ob das Angebot angenommen wird und flüssig funktioniert.

Bald nicht mehr nur noch für Pakete?

Doch damit nicht genug. Neben den Paketbooten von Amazon sollen bald schon viel mehr Menschen sich dieses System zunutze machen können. So sollen beispielsweise Freunde oder Nachbarn mit der Key-App eine Berechtigung zum Öffnen der Haustür erhalten.

Auch für Dienstleister wie Reinigungskräfte oder Hundesitter wird eine verschlossene Tür bald kein Hindernis mehr darstellen. Für Menschen, die die meiste Zeit des Tages nicht daheim sind, kann es so also zu erheblichen Erleichterungen im Alltag kommen. So müssen zum Beispiel nicht mehr mehrere Türschlüssel angefertigt werden, um allen erwünschten Menschen, die Zugang haben sollen, den Eintritt ins Wohngebäude zu ermöglichen.

Welche Gefahren birgt das System?

Voraussetzung für einen reibungslosen Ablauf ist natürlich eine ziemlich große Vertrauensbasis. Der Haus- oder Wohnungsbesitzer gewährt fremden Personen Eintritt in seinen Privatbereich. Allein diese Handlung wird vielen Kunden schwerfallen.

Viele stehen dem Angebot deshalb schon jetzt skeptisch gegenüber. Es gibt eben keine Garantie, dass bei einer erst einmal entsperrten Tür der Paketboote oder Dienstleister auch wirklich nur die Aufgaben wahrnimmt, für die er Einlass bekommen hat.

  • Handlungen kontrollieren: Kritische Stimmen erheben den Vorwurf, es wäre für eine Person, die der Eintritt gewährt wurde, ein leichtes Unterfangen, beispielsweise die Überwachungskamera abzuschalten und dann unkontrollierte Verfügung über die Räumlichkeiten zu haben.
  • Technik: Auch vor Hackerangriffen ist das System derzeit nur bedingt geschützt, denn wer die Tür unbedingt illegal öffnen will, wird bei entsprechendem Know-how auch eine technische Sicherheitslücke finden.
  • Tiere: Neben der kriminellen Gefahr rät Amazon auch von dem Gebrauch ab, wenn man Haustiere zu Hause hat, die auf fremde oder unerwartete Besucher nicht allzu freundlich reagieren würden. Es soll also auch die Sicherheit des Zustellers garantiert werden können.
  • 2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

  • Integration: Des Weiteren lässt sich Amazon Key noch nicht mit gegebenenfalls schon vorhandenen Alarmanlagen verknüpfen. Wer also nicht ständig von Nachrichten seines Sicherheitssystems belästigt werden will, sollte auch hier von der Benutzung des Amazon-Angebots absehen.

Wann kommt Amazon Key nach Deutschland?

Ob und wann das Projekt auch in Deutschland gestartet wird, steht noch nicht fest. Zunächst will der Online-Riese die Auswertung der Testphase in den 37 US-Städten abwarten. Gibt es keine Komplikationen und herrscht eine allgemeine Zufriedenheit mit dem Angebot, soll es in den gesamten Vereinigten Staaten eingeführt werden. Einen konkreten Plan für andere Länder wie Deutschland gibt es also noch nicht. Doch im Zeitalter der digitalen Fortschreitung wird auch dieser Schritt nur noch eine Frage der Zeit sein.

Fazit

Nie wieder einem Paket hinterherrennen oder darauf warten. Für viele ist dies zunächst ein angenehmer Gedanke, auch wenn dies natürlich nicht andere Probleme beseitigt, die mit manchen Amazon-Bestellungen zu tun haben. Vor allem auch für die Paketzusteller selber würde sich die Arbeit sehr viel angenehmer gestalten, da sie nicht mehr mehrere (erfolglose) Zustellversuche nacheinander anstellen müssten.

Auch die Tatsache, dass man nicht mehr persönlich anwesend sein muss, um der Reinigungskraft oder einem Freund die Tür zu öffnen, werden viele als Fortschritt empfinden. Doch der enorme Vertrauensvorschuss, den man leisten muss, um anderen Personen die Kontrolle über seine Haustür zu geben, wird viele Kunden abschrecken. Denn wenn etwas nur auf Vertrauensbasis funktioniert, wird es auch immer Leute geben, die genau dieses Vertrauen zu ihrem Vorteil ausnutzen wollen.

Da es sich nämlich um eine cloudbasierte Anwendung handelt, werden wohl nie alle Sicherheitslücken geschlossen werden können, wie beispielsweise ein Datenklau von unbefugten dritten Personen. Wie bei vielen neuen digitalen Angeboten muss der Kunde also Abwägen zwischen Einfachheit bzw. Komfort und einem gewissen Maß an Sicherheitseinbußen.

Bildquelle: Julie Clopper 196805375 / Shutterstock.com

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