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Reisen bildet: Wie sich Amerika vom Rest der Welt unterscheidet

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Seit zwei Jahren reisen wir inzwischen um die Welt, und in dieser Zeit ist uns aufgefallen, wie sehr sich Amerikaner doch von anderen Nationen unterscheiden. Von Zeitangaben bis Pizzaverzehr - hier sind unsere Lieblingsunterschiede.

Das metrische System: Als ich in den 1970er-Jahren zur Schule ging, hieß es, dass in den USA spätestens 1980 das metrische System eingeführt werden soll. Deswegen haben wir im Unterricht auch nur metrische Einheiten gelernt, und ich habe bis heute keine Ahnung von Unzen und Pints, was mich beim Einkaufen jedes Mal wieder zur Verzweiflung bringt. (Allerdings klingt mein Gewicht in Kilo deutlich besser als in Pfund.) Es geht aber nicht nur uns so. Andere Weltmächte wie Burma und Liberia kommen ebenfalls ohne metrisches System aus.

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Toilettentüren mit Seitenschlitzen: Viele Touristen finden es äußerst befremdlich, dass die Kabinen öffentlicher Toiletten in den USA nicht vollständig geschlossen werden können, sondern an den Seiten eine Lücke von mehreren Zentimetern bleibt. Sie fühlen sich unwohl bei dem Gedanken, dass man genau sieht, wer draußen vorbei läuft - und umgekehrt. In den meisten anderen Ländern schließen die Toilettentüren so ab, dass man bei der Verrichtung seiner Geschäfte wirklich unbeobachtet ist.

Pizza: Amerikaner essen Pizza so, wie es ursprünglich einmal gedacht war: Man nimmt ein Stück in die Hand und beißt rein. In vielen anderen Ländern ist man Pizza affektiert mit Messer und Gabel. Das ist grundfalsch. Ich habe einmal in Paris eine Pizza in Stücke geschnitten und in die Hand genommen. Quelle horreur! Die anderen Gäste haben mich angesehen, als hätte ich gerade auf den Tisch gekackt.

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Fahrenheit vs. Celsius: Die USA, die Cayman-Inseln, Belize und Palau: In diesen Ländern werden Temperaturen immer noch in Fahrenheit angegeben. Das führt auf Reisen immer wieder zu Verdruss, wenn ich mich bei einer Vorhersage von 28 Grad weigere, überhaupt das Bett zu verlassen. Es gibt natürlich irgendeine komplizierte Umrechnungsformel, bei der man die Celsiusangabe durch die Entfernung zwischen Pluto und Sonne im Quadrat teilt, aber das kann ich mir nie wirklich merken. (28 Grad Celsius sind übrigens 82 Grad in „normalen" Angaben. Sagt Google.)

Maissirup vs. Zucker: In weiten Teilen der Welt ist Rohrzucker immer noch das bevorzugte Süßungsmittel, wohingegen die USA inzwischen in einem See aus Maissirup ertrinken. Wer eine Cola trinken möchte, die schmeckt wie früher, importiert das Zeug aus Mexiko. Dort wird nämlich immer noch Zucker verwendet. Das führt zu der absurden Situation, dass Amerikaner überzogene Preise für ein Produkt bezahlen, das im Wesentliche auch mexikanischem Wasser besteht.

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Bankkarten mit Chip & PIN: Mit unseren Bankkarten haben wir im Ausland regelmäßig Probleme. Amerikanische Karten setzen immer noch ausschließlich auf Magnetstreifen. Die restliche Welt hat das System längst schon auf Elektrochips umgestellt, die Authentifizierung erfolgt an der Kasse über einen PIN-Code. Das ist deutlich sicherer und hätte eine Sicherheitslücke wie neulich bei der Einzelhandelskette Target verhindert, als die Datensätze von 70 Millionen Kunden gehackt wurden.

Amerika hält aufgrund der Kosten für die Umstellung des Systems immer noch an den Magnetstreifen fest. Anders als in anderen Ländern geht auch von der Regierung kein Druck aus. Nach dem Angriff auf Target wird sich das vielleicht endlich ändern.

Automatik- vs. Schaltgetriebe: In den meisten Ländern der Welt haben Autos vornehmlich Schaltgetriebe, während Amerikaner fast nur Automatikfahrzeuge gewohnt sind. Das führt immer wieder zu lustigen Szenen bei der Gameshow The Amazing Race , wenn die Teilnehmer noch nicht mal den richtigen Gang finden, um vom Parkplatz zu fahren.

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Schuhe in der Wohnung tragen: In den meisten Ländern zieht man die Schuhe aus, wenn man ein Haus oder eine Wohnung betritt. Das ist auch keine schlechte Idee, denn man weiß ja nie so genau, in welchen Dreck man draußen reingetreten ist. Wir haben uns das nach unserer Rückkehr in die USA ebenfalls angewöhnt (die Schuhe auszuziehen, nicht in Dreck zu treten). Seitdem ist unser Haus viel sauberer.

Bei Olympischen Spielen die Flagge senken: Achten Sie bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Sotchi mal auf die amerikanische Delegation. Jedes Land senkt kurz die Flagge, wenn die Athleten an der Tribüne mit dem Staatsoberhaupt des Gastgeberlandes vorbeiziehen. Amerika nicht.

Amerika hat sich aus verschiedenen geopolitischen Gründen schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts merhfach geweigert, die Flagge aus Respekt vor dem Gastgeberland zu senken. Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin wurde daraus eine Tradition, als neben den USA auch Bulgarien, Island und Indien sich weigerten, vor Hitler ihre Flaggen zu senken. Aber seien wir nicht zu scheinheilig: Die USA haben nicht einmal bei den Olympischen Spielen in Los Angeles 1984 ihre Flagge vor dem VIP-Bereich mit Präsident Ronald Reagan gesenkt.

Zeitangaben: In Amerika wird die Zeit im 12-Stunden-Format mit AM und PM angegeben, während auf der restlichen Welt die internationale 24-Stunden-Angabe verwendet wird, die schon die alten Ägypter kannten. Dieses Format wird bei uns wiederum nur vom Militär genutzt. Ganz allein sind wir mit diesem Problem aber nicht: Die britische Sendeanstalt BBC hat jahrelang versucht, Zeitangaben im 24-Stunden-Format durchzusetzen, musste sich aber letztlich den Traditionalisten geschlagen geben.

Golfregeln: Ich spiele zwar selbst nicht Golf, aber auf meinen Reisen habe ich festgestellt, dass in Nordamerika bei diesem Spiel andere Regeln gelten als in der restlichen Welt. Vielleicht tragen amerikanische Golfspieler auch deswegen so gern Polyesterhemden in Pastellfarben und Hosen mit Gummizug. (Vielleicht liegt das aber auch am vielen Maissirup.)

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Wir sind globale Nomaden, und haben 2011 alles verkauft, um auf Weltreise zu gehen. Nachdem wir Gefallen am einfachen Leben gefunden haben, sind wir seitdem ständig unterwegs gewesen. Folgen Sie uns auf Changes in Longitude.

Übersetzt aus der Huffington Post USA. Hier geht's zum Original.