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Was ich nach einem Jahr im Strip-Club gelernt habe

20/02/2016 08:35 CET | Aktualisiert 20/02/2016 10:09 CET
dpa

Viele von unseren Lesern werden geschockt sein, wenn ich jetzt sage, dass ich viel Zeit in Strip-Clubs verbracht habe.

Ich habe damit aufgehört, als ich mit meinem ersten Kind schwanger wurde, weil dort zu viel geraucht wird. Aber davor habe ich viele Freitagabende mit Stripperinnen verbracht. Ein paar von meinen Freundinnen und ich haben uns zusammengetan und sind in den Club gefahren.

Wir sind reingegangen, haben den Türsteher begrüßt und sind durch den Club zum Ankleideraum gelaufen. Wir wurden zur Begrüßung von Mädchen ohne Klamotten umarmt und die darauffolgenden Stunden habe ich als richtig schöne Zeit in Erinnerung.

Wir waren nicht da, um zu strippen oder zuzuschauen, wenn die Mädchen tanzten.

Wir waren da, um sie zu lieben und ihnen zu zeigen, dass sie uns etwas bedeuten. Es war eine der vielen schönen Gemeindedienste unserer Kirche, um die zu erreichen, die gerade in einer sehr verletzbaren Position sind.

Dieser spezielle Gemeindedienst wurde geschaffen, um sich dem Kampf gegen den Menschenhandel anzuschließen. Strip-Clubs sind die letzte legale Tür auf dem Weg zum Menschenhandel. Wir nannten unsere Aktion den „Untergrund".

Das ist wahrscheinlich nicht das, was man sich unter einem typischen Kirchengemeinde-Ausflug vorstellt, aber es war der wirkungsvollste Gemeindedienst, den ich je gemacht hatte.

Leben haben sich für immer geändert, gebrochene Herzen wurden verarztet und wir wurden sogar vom Manager gefragt, ob wir nicht öfter kommen wollen. Warum? „Weil ihr die Mädchen so glücklich macht."

Ich werde meine erste Nacht im Strip-Club nie vergessen.

Wir haben beschlossen, eine Gebetskästchen und etwas Essen für die Mädchen mitzubringen. Ich bin nicht mal bis zur Tür gekommen, als ein großer Mann mich stoppte. „Was machst du da?" „Er wird es kaputt machen", dachte ich, als er nach meinem Gebetskästchen griff. „Ich bringe nur ein Gebetskästchen für die Mädchen vorbei."

Was als nächstes passierte, schockierte mich und schuf die Grundlage dafür, was wir wieder und wieder erlebten.

„Kann ich ein Gebet hineinstecken?" „Sicher", sagte ich, während ich ihm einen Stift und einen Zettel gab. Er beschrieb beide Seiten des Zettels und, nachdem er auf der Rückseite den letzten Satz vollendet hatte, zerknüllte er das Papier und sagte: „Schau, ich muss einfach ehrlich sein. Ich weiß, dass ich nicht hier sein sollte. Ich habe mich selbst verloren." Ich schluckte meine Überraschung herunter. „Würdest du mit mir beten?", fragte ich ihn. „Ja, bitte", sagte er. Und das war der Anfang vieler schöner Momente in diesem Strip-Club.

Wir brachten den Mädchen Essen, Geschenke und Rosen am Valentinstag. Wir stellten an Weihnachten einen Weihnachtsbaum auf und behandelten sie einfach immer sehr liebevoll.

„Du solltest nicht hier sein", sagte eines der Mädchen einmal zu mir.

Sie meinte, ich wäre zu gut für so ein schlechtes Umfeld, aber es verstärkte mein Engagement für sie nur. Wenn wir uns die Bibel als Beispiel nehmen, dann sehen wir, dass Jesus immer wieder viel Zeit mit zwielichtigen Leuten verbrachte, die zwielichtige Dinge taten. (Unser Team hatte einen Mann als Schutz dabei, aber er wartete immer auf dem Parkplatz.)

Wir mussten NIE unseren Glauben, unsere Theologie und unsere Gesinnung darstellen.

Unsere Liebe war ihnen genug.

Ich kann nicht sagen, wie viele Male ich Hände gehalten und für die Mädchen gebetet habe, die nichts trugen außer einem Tanga und einen BH, währen wir weinten. Gott war immer da.

Es tut mir im Herzen weh, wenn ich die Frauen sehe, die Missbrauch erleben mussten.

Viele Frauen, die in der Sexindustrie tätig sind, haben emotionalen, physischen und psychischen Missbrauch erlebt. Diese Mädchen erzählten uns von ihrem Teufelskreis: Missbrauch, Drogenabhängigkeit und Prostitution, um die Drogenabhängigkeit zu bezahlen, in die sie der Missbrauch getrieben hatte. Jeder Teil davon war erniedrigend. Ja, es gibt einige wenige, die dort arbeiten, weil sie wollen, aber viele hatten einen Partner oder sogar Zuhälter, die sie auf die eine oder andere Art dazu zwangen.

Bis zu diesem Tag lebt der „Untergrund" weiter und die Geschichten, die ich höre, machen mich stolz.

Viele Gemeindedienste, die ich früher gemacht hatte, habe ich zurückgestellt, weil ich mit meinen Babys beschäftigt bin, aber ich sehe meine Arbeit als Pflegemutter als einen Weg, den Teufelskreis des Missbrauchs zu brechen und ein Schicksal für immer zu verändern.

Ich werde nie vergessen, was ich alles in dem Strip-Club gelernt hatte.

Die wichtigste Lektion war diese: Den Leuten ist es egal, was du weißt, bis du ihnen zeigst, dass sie dir etwas bedeuten.

Dieser Blog erschien ursprünglich bei thesnapmom.com und wurde von Lisa Mayerhofer aus dem Englischen übersetzt.

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