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Der nächtliche Anruf, der mir klarmachte, dass ich meinen Freund heiraten muss

12/02/2016 16:59 CET | Aktualisiert 12/02/2017 11:12 CET
Kristina Kuzmic

Ich erinnere mich noch daran, wie sich meine Gefühle für meinen mittlerweile Ehemann entwickelt haben. Nach einer harten Scheidung ein paar Jahre zuvor, hatte ich mit der Liebe abgeschlossen. Ich war vollkommen zufrieden in meiner persönlichen Romanze mit Zynismus und ich wollte niemanden zwischen uns kommen lassen.

Aber Philip war anders. Er war nicht nur anders als jeder Mann, mit dem ich je zusammen war. Er war selbstlos und geduldig und er bemitleidete mich niemals. Egal, wie schwach oder erbärmlich oder niedergeschlagen ich mich zu dieser Zeit fühlte, sah er meine Stärke und mein Licht und ich wollte mich so sehr auch auf diese Art selbst sehen können.

kristina kuzmic

Ich stieß ihn immer wieder von mir weg und gab ihm einen Grund nach dem anderen, um nicht mit mir zusammen sein zu wollen. Von Anfang an lud ich all meinen Müll bei ihm ab, all meine Fehler, all meine Dramen. Ich platzierte all das direkt vor seinen Augen und war mir sicher, er würde das Weite suchen.

Aber er blieb bei mir. Und er nahm diese Herausforderung an und beschäftigte sich mit den schweren Sachen, den wirklich traurigen Dingen, den komplizierten und den anstrengenden Dingen - er nahm das alles an.

Nach einer Weile, als ich mir meiner Gefühle für ihn sicher war, stellte ich ihn meinen Kindern vor. Wir tauschten vor ihren Augen keinerlei Zärtlichkeiten aus. Nicht einmal eine Umarmung oder Händchen halten. In den Augen meiner Kinder war Philip einfach nur ein Freund von mir.

Ein paar Wochen nachdem er meine Kinder kennengelernt hatte, machte ich eine wirklich schwere Nacht durch. Ich war krank, meine Dreijährige wachte auf und übergab sich auf den Teppich, wodurch natürlich auch mein fünfjähriger Sohn aufwachte und weinte und vor Erschöpfung schrie.

Wir waren alle drei völlig fertig. Es war einer dieser Momente im Leben einer alleinerziehenden Mutter, der mich glauben ließ, ich würde verrückt werden. Ich sah verrückt aus, wahrscheinlich roch ich verrückt und mein Kopf pochte von all dem Geschreie und Geweine. Ich versuchte meine Kinder zu beruhigen und meine Tochter und den Teppich zu säubern und dachte nur: "Wieso sollte sich ein Mann so etwas freiwillig antun?"

kristina kuzmic

Ich rief Philip an und weckte ihn auf. "Komm vorbei. Komm jetzt sofort vorbei. Du sagst, du willst mich, du sagst, du willst mein Leben mit all dem, was dazu gehört? Dann komm jetzt vorbei."

20 Minuten später war er bei uns. Die Kinder heulten noch immer und ich war auf allen Vieren auf dem Boden und schrubbte den Teppich. Ich erwartete einen schockierten oder angeekelten Gesichtsausdruck, vielleicht sogar Wut, weil ich ihn dafür mitten in der Nacht aufgeweckt hatte.

Stattdessen sank er, ohne zu zögern, auf die Knie, nahm mir den Lappen aus der Hand, schickte mich ins Bett und wischte die Kotze meiner Tochter auf. Dann brachte er meine Kinder ins Bett, deckte sie zu und brachte sie dazu, einzuschlafen.

Dann kam er zu mir, deckte mich zu, küsste mich auf die Stirn und sagte "Ja, ich will das hier. Ich will jeden Teil davon. Euch alle drei."

kristina kuzmic

Diese Nacht ist jetzt fast sieben Jahre her und Philip wischt noch immer schnell Kotze auf, wenn es sein muss, bleibt lange wach, um mit meinem Fast-Teenager zu reden, wenn er einen schweren Tag hatte oder telefoniert in der Arbeit mit meiner Tochter, wenn sie Hilfe bei einer Mathe-Aufgabe braucht. Er liebt sie, als wären sie seine eigenen Kinder.

Dieser Mann, dieser wundervolle Mann hat es gewagt, meiner Bitterkeit ein Ende zu setzen. Dafür werde ich ihm auf immer dankbar sein. Und meine Kinder ebenso.

kristina kuzmic

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.


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