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"Weil es das Beste für Ihr Baby ist!" - oder auch nicht?

03/09/2016 11:43 CEST | Aktualisiert 04/09/2017 11:12 CEST
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Wie oft habe ich diesen Satz schon gelesen und gehört: "Weil es das Beste für Ihr Baby ist."

Egal um welches Themengebiet es sich aus der "Babywelt" handelt, es gibt immer Vorreiter die meinen zu wissen, was das Beste für das Baby ist. Gemeint sind erst einmal alle Babys, denn es kann sich keine Firma, Marke oder Expertin die Mühe machen, jedes Baby für sich einzeln zu betrachten.

Vor kurzem stieß ich dann auf einen Satz, der mir deutlich besser in den Weiten der Babyempfehlungen gefiel: "Schluss mit dem Muss."

So simpel kann es sein und vielleicht fällt es einem irgendwann auch mal so leicht. Anfangs ist es das jedoch nicht. Erst recht nicht, wenn man sich gerade in der Anfangszeit mit Baby Nummer Eins befindet und sowieso ständig das Gefühl hat, nicht alles richtig zu machen oder sich einfach fragt was denn nun eigentlich richtig ist. Gibt es das "Richtig" überhaupt?

Passend zum Thema:

Liebe Eltern, hört endlich auf zu überlegen, was die Anderen denken

Als ich mich damals nach der Stillkatastrophe mit Baby Eins auf die Suche nach der richtigen Ersatznahrung machte, denn ich wollte ja das Richtige und Beste für das Baby finden, stieß ich auf der Seite für Babynahrung als erstes auf ein Pop-Up Fenster welches mir erklärte, dass Stillen das Beste für Babys sei und ich durch klicken eines Pfeiles direkt Stillhilfe bekommen würde.

An dem Punkt habe ich mich gefragt, ob dieser Hinweis wirklich nötig ist und wie er vielleicht auch auf Mütter wirkt, die vielleicht wirklich sehr mit dem Thema hadern und denen es schwer fällt zu akzeptieren, dass Stillen bei Ihnen vielleicht nicht funktioniert.

Bevor das Stillen aufgegeben wird oder auch von vornherein abgelehnt wird, wurden doch vermutlich Gespräche mit Hebammen, Stillberaterinnen etc. geführt. Ist also so ein Hinweis, der die Signalwirkung eines Schilds nach dem Motto "Sind sie sicher, dass Sie zum Milchpulver weitergeleitet werden möchten oder wollen Sie es nicht doch noch einmal anders überlegen." wirklich nötig?

Ich finde Stillen super wenn es für alle Beteiligten klappt aber wenn nicht -> Schluss mit dem Muss.

Weiter geht es kurz darauf mit dem Beikost-Thema. Hier gibt es so unfassbar viele "solls" und "muss", dass einem schon fast schwindelig wird.

Bitte nur Selbstgekochtes, einen Brei pro Monat einführen, mit Gemüse xy anfangen und Gemüse xy als letztes einführen..t.b.c.

Was ist denn, wenn das Baby und der Familienalltag einen anderen Weg aufzeigt? Vielleicht isst das eine Baby viel schneller bestimmte Dinge und hat nie Probleme mit Bauchweh oder vielleicht legen manche Eltern auch keinen Wert auf Selbstgekochtes.

Ich find es so schwierig, wenn Mütter sich gegen diese aufgezeigten Normen durchsetzen müssen, obwohl es prima bei ihnen und dem Baby läuft.

Hier gibt es mal Selbstgekochtes und mal nicht, mal hat das triftige Gründe und manchmal hab ich einfach am Vorabend vergessen den Brei aus der Tiefkühltruhe zu nehmen.

Hätte ich dazu auch noch wie in Ernährungsratgebern vorgegeben die Beikost eingeführt, würde der Knirps mir wohl aus Verzweiflung die Fasern des Teppichbodens aufessen.

Und war das jetzt falsch? Vielleicht laut Ratgeber aber nicht für uns. -> Schluss mit dem Muss.

Beim Schlaf und täglichen Routinen gehen die Meinungen auch weit auseinander. Manche Babys schlafen bis zum ersten Lebensjahr, wie empfohlen, bei den Eltern im Schlafzimmer. Andere hingegen nicht und das ist vermutlich nicht damit begründet, dass den Eltern die Empfehlungen unwichtig erscheinen.

Es gibt so viel das sinnvoller Weise beim Thema Schlafen empfohlen wird und wenn das umsetzbar ist, werden die wenigsten Eltern diese Maßnahmen ignorieren. Ist es aber denn direkt wieder falsch, wenn manches nicht umsetzbar ist?

Ich habe mich letztens noch mit unserer Kinderärztin über das Thema Hitze, Bauchschläfer und Baby ausquartieren unterhalten.

Der Ausgangspunkt war meine Frage, was denn nun besser für das Baby sei: Alleine in seinem Zimmer zu schlafen, in dem es deutlich kühler als in unserem Schlafzimmer ist, oder doch neben uns zu schlafen aber das bei 29°c. Ihre Antwort war: "Eigentlich ist das Beides Mist, aber Sie können ja auch nicht beides ändern."

Wir hätten in diesem Punkt gar nicht die Möglichkeit alles nach Empfehlung richtig zu machen aber soll ich deswegen ein schlechtes Gewissen haben oder mir machen lassen? Ich denke nicht.

Zum selbigen Ergebnis kamen wir auch was das Schlafen auf dem Bauch angeht. Ich kann das Baby auf den Rücken drehen wenn ich es sehe aber ich kann es auch nicht auf dem Rücken festbinden, weil ich es ein paar Mal in der Nacht nicht sehen werde.

Es ist schlicht und weg nicht immer möglich alles richtig zu machen.

Ich für mich komme bei diesen ganzen Themen irgendwann immer an den Punkt an dem ich denke, dass nun auch mal die Kirche im Dorf gelassen werden muss.

Gesunde und vernünftige Eltern handeln so wie sie handeln, weil sie alles richtig machen möchten. Richtig bedeutet gerade bei diesen so individuellen und kleinen Wesen immer wieder etwas anderes.

Genau das soll meiner Meinung nach auch in Ordnung sein und nicht immer wieder Stoff für Diskussionen bieten.

Diskussionen in denen es darum geht, dass Mütter sich gegenseitig übertrumpfen oder die Anderen Mütter mit einem schlechten Gefühl zurücklassen.

Gerade frischgebackene Mütter können so sensibel und ängstlich im Umgang mit den Minis sein, dass es doch eher mal Worte nötig hat die Ihnen klarmachen, dass "Schluss mit dem Muss" ist.

In diesem Sinne, liebe Grüße von der Mutter, die sicherlich nie alles richtig macht und auch den Schnuller mal wieder aufhebt, die bestimmt mal ein Jäckchen zu wenig einpackt, die Wickeltasche vergisst, den Brei nicht lang genug abkühlen lässt, die 29°c beim Schlafen nicht immer vermeiden kann und auch mal zu spät hinschaut, wenn die große Tochter ihm gerade wilder als nötig den Bauch krault.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf capriceetdelice.

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