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An alle Eltern: Bitte bringt eure Kinder nicht krank in die Kita

29/03/2017 16:20 CEST | Aktualisiert 04/04/2017 13:42 CEST
Brooke Fasani via Getty Images

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Merkur.de.

Eine Kita ist eine Keimschleuder, wenn kranke Kinder alle anderen anstecken. Der Gastbeitrag der Leiterin eines Kindergartens in Rottenbuch bewirkt hoffentlich, dass Eltern ihren Kindern mehr Zeit geben, zu Hause gesund zu werden.

Jedes Jahr gehen sie um, die Krankheitswellen - mal als grippaler Infekt, mal als Magen-Darm-Erkrankung. Auch die verschiedensten Kinderkrankheiten sind in unterschiedlicher Ausprägung immer wieder vertreten. Da werden Kindertageseinrichtungen schnell zu wahren Keimschleudern.

So auch in der vergangenen Woche: Bei Dienstbeginn um 7 Uhr blinkt schon der Anrufbeantworter, die erste Meldung: „Unser Kind spuckt." Kurz darauf das zweite Telefonat, noch ein Fall von Magen-Darm-Infekt.

Dann geht es im Minutentakt, eine Befürchtung wird zur Gewissheit: Hier hat wohl ein besonders fieser Virus zugeschlagen, fast die Hälfte der Kinder ist betroffen.

Kindermund tut Wahrheit kund

Eine Kollegin unterhält sich mit einem Kind: „Ist alles klar bei dir, du wirkst so müde?" „Ich hab heute Nacht gespuckt!" Wie sagt schon ein alter Spruch: Kindermund tut Wahrheit kund. Es folgt eine genaue Beschreibung der nächtlichen Aktivitäten, die ich dem Leser hier im Detail ersparen möchte.

„Ach Gott, der Arme", ist die erste Reaktion auf diese Neuigkeiten. Ich selbst bin nach einer nächtlichen Brechattacke völlig erledigt, aber vielleicht bin ich ja ein Mimöschen oder Kinder ticken da anders. Als nächstes Kopfkino, es herrscht Einigkeit im Kollegenkreis: Uns ist auch schon schlecht!

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Nachdem zwei weitere Kinder von einer äußerst unruhigen Nacht aus oben genanntem Grund berichten, macht sich ein wenig Ärger breit. Sollte ein krankes Kind nicht zu Hause umsorgt werden, statt einem anstrengenden Kindergartentag ausgesetzt zu sein?

Ist es wirklich nötig, alle anderen Kinder samt ihren Familien und das Personal einer Ansteckung auszusetzen?

Ich verstehe berufstätige Eltern

Meine Gefühle sind ambivalent. Einerseits verstehe ich die Not berufstätiger Eltern: Die Arbeit ruft, vielleicht gibt es schon Personalausfälle, der Chef sitzt im Nacken, die Kollegen murren, wenn Mama oder Papa schon wieder wegen eines kranken Kindes zu Hause bleiben müssen. Ich selbst bin ja auch froh, wenn meine Kolleginnen zum Dienst erscheinen.

Andererseits finde ich es wichtig, als Teil einer Gemeinschaft auch Verantwortung für diese zu übernehmen. Nicht bei jedem Kind ist es mit ein-, zweimal Erbrechen getan. Manche Kinder erwischt es richtig heftig, manchmal gar bis zu einem notwendig werdenden Krankenhausaufenthalt.

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Für das eine Kind ist es nur ein g'scheider Husten, für andere wird daraus eine Bronchitis. Und auch diese Eltern stecken dann ebenfalls in der Zwickmühle zwischen Kind pflegen und arbeitengehen.

Zeitweise haben wir kaum mehr krankheitsfreie Zeiten. Kaum genesen, stecken sich die Kinder ständig gegenseitig wieder an. Trotz angemessener Hygienemaßnahmen und der wiederholten Aufforderung zum häufigen Händewaschen, will es einfach nicht besser werden.

Da helfen selbst Kneippanwendungen zur Stärkung des Immunsystems nicht mehr. Wie gut, dass das Wochenende naht, vielleicht ist es danach wieder besser.

Gott sei Dank haben meine Kolleginnen meist eine Rossnatur und eine Immunität gegen den größten Teil unserer Kindergartenkeime entwickelt. Würden sie sich auch anstecken - wir müssten schließen oder einen Teil der Kinder nach Hause schicken! Das würde dann natürlich viele Kinder und ihre Eltern betreffen.

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An dieser Stelle habe ich daher einen Wunsch: Liebe Eltern, entscheidet verantwortlich und wohl überlegt über den Kindergartenbesuch eures Kindes! Für euch, aber auch für die Gemeinschaft!

Vielleicht nutzt ihr ja die nächste Krankheit eures Kindes für Beziehungspflege und umsorgt es mit heilendem Tee, Vorlesen und Kuscheln. Jedes angeschlagene und kränkelnde Kind ist doch am liebsten bei Mama oder Papa, und wird durch liebevolle Pflege sicher viel schneller wieder gesund.

Und nun, zu guter Letzt, noch ein Wort an meine Kolleginnen: Vielen Dank fürs Durchhalten in nicht enden wollenden Krankheitszeiten. Ihr seid spitze!

Die Autorin ist Leiterin des Don-Bosco-Hauses für Kinder in Rottenbuch.

(jz)

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