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Unterstützt die tapferen Leute in Themar

28/07/2017 15:27 CEST | Aktualisiert 28/07/2017 16:15 CEST
Getty/dpa

Ihr Lieben!

Gerne möchte ich Euch ein paar Zeilen nach Südthüringen schreiben - schon, weil ich die Gegend in den letzten Jahren ein bisschen kennengelernt habe und weiß, dass es dort viele gute Leute und einige sehr tolle Projekte gibt.

Ich verfolge auch die Situation in Themar. Es ist schrecklich, was dieser kleinen Stadt in den vergangenen Wochen angetan wurde und wird. Über die Rolle unserer Gerichte und Eurer Versammlungsbehörde im Landkreis kann ich nur den Kopf schütteln.

Dass in Deutschland Veranstaltungen, die den Faschismus verherrlichen, einfach so erlaubt und offensichtlich geradezu begünstigt werden, hinterlässt mich fassungslos.

Mehr zum Thema: In Südthüringen feierten 6000 Neonazis - auf dem Grundstück eines Ex-AfD-Politikers

Ja, Meinungsfreiheit! Ja, Versammlungsfreiheit! Aber es gibt Grenzen. Ich halte es da mit dem alten Brecht, der 1951 an seine Schriftstellerkollegen schrieb:

„Völlige Freiheit des Buches, des Theaters, der bildenden Kunst, der Musik, des Films - mit einer Einschränkung. Die Einschränkung: Keine Freiheit für Schriften und Kunstwerke, welche den Krieg verherrlichen oder als unvermeidbar hinstellen, und für solche, welche den Völkerhaß fördern."

Wir können uns nicht auf den Staat verlassen

Keine Demokratie sollte so dumm sein, den Feinden der Demokratie im Namen der Demokratie alles durchgehen zu lassen.

Kurzum, ich bin einmal mehr entsetzt darüber, wie wenig man sich im Jahr 2017 auf unseren Rechtsstaat verlassen kann, wenn es gegen Nazis geht.

Umso mehr freut es mich zu sehen, dass viele in Themar und drumherum selber aktiv geworden sind. Auch über meinen Freund und Liedermacher-Kollegen Prinz Chaos konnte ich mitverfolgen, wie die Leute in Themar sich nicht einfach verstecken, sondern sich mit Händen und Füßen wehren gegen den braunen Spuk.

Mehr zum Thema: Nach Neonazi-Konzert in Themar: Thüringens Ministerpräsident Ramelow fordert, Versammlungsrecht einzuschränken

Die großartige Unterstützung zahlreicher Initiativen und Aktivisten von außerhalb zeigt, dass Solidarität kein leeres Wort ist.

Am 29. Juli soll Euch die nächste Nazi-Veranstaltung heimsuchen. Das ist unfassbar! Warum nach den hundertfachen Hitlergrüßen beim ersten Nazi-Konzert nicht einmal Anstalten unternommen wurden, das nun zu verbieten, ist mir absolut schleierhaft.

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Man muss kein Historiker sein, um zu wissen, wie Hitler selbst immer wieder betont hat, dass er demokratisch gewählt werden möchte, um dann die Demokratie zu stürzen!

Leider habe ich selber ein Konzert an diesem Tag und kann deshalb nicht bei Euch sein.

Aber ich rufe hiermit alle Freundinnen und Freunde in der Region auf:

Kommt am 29. Juli um 12:00 Uhr nach Themar auf den Marktplatz. Unterstützt die tapferen Leute in dieser Stadt.

Zeigt, dass Südthüringen anders ist.

Euer

Konstantin Wecker

Der Beitrag erschien zuerst auf Weckers Welt.

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