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"Es ändert sich nichts" ist keine Ausrede

13/03/2016 10:20 CET | Aktualisiert 14/03/2017 10:12 CET
dpa

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Heute wählen die Bürgerinnen und Bürger in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz neue Landesparlamente. Viele junge Menschen entscheiden sich bewusst gegen die Teilnahme an einer Wahl.

Manche wollen damit zum Ausdruck bringen, dass sich angeblich „ohnehin nichts ändert". Wer das meint, sollte einen Blick in die bildungspolitischen Programme der Parteien riskieren. Ausgerechnet bei der Frage, die junge Menschen am meisten betrifft, haben die Bundesländer fast alles zu entscheiden. Und die Antworten der Parteien unterscheiden sich!

Die einen sind für ein gegliedertes Schulsystem, die anderen sind eher für die Gemeinschaftsschule. Die einen sind für mehr Eigenverantwortung an den Hochschulen, etwa bei Personal und Finanzen, die anderen wollen mehr auf der Landesebene entscheiden.

Es gibt Parteien, die gezielt mehr junge Menschen mit Abitur und Hochschulstudium sehen wollen und es gibt andere, die meinen, dass mehr Akademiker kein Wert an sich sind. Schon beim Thema Bildung macht es also einen riesigen Unterschied, für welche Partei man sich entscheidet.

Andere gehen nicht zur Wahl, weil sie meinen, sich nicht ausreichend mit Politik auszukennen. Womöglich hat man gerade mal ein paar Stunden Politik- oder Sozialkundeunterricht hinter sich und soll nun gleich über Flüchtlinge, Rente und Griechenland-Rettung entscheiden? Das geht so manchem Jung- und Erstwähler zu schnell.

Doch am Wahlsonntag zu Hause zu bleiben, weil man angeblich keine Ahnung hat, ist gefährlich.

Denn sehr viele andere Menschen sind davon überzeugt, dass nur ihre eigene Meinung die einzig richtige ist. Wenn aber nur diese Menschen von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, lässt man sich als Nichtwähler eine Haltung aufzwingen, die man vielleicht gar nicht haben wollte.

Wer garantiert einem jungen Nichtwähler, dass ältere Wähler ihre Stimme im Sinne der Jugend abgeben? Und wieso sollten sie das überhaupt tun und nicht nur ihre eigenen Interessen wahrnehmen? Auf der sicheren Seite ist man daher nur, wenn man selbst an der Abstimmung teilnimmt.

Beide Ausreden - „es ändert sich nichts" und „ich habe keine Ahnung" - sind Ausdruck von Bequemlichkeit. Denn wer nichts macht, macht erst mal nichts verkehrt. Wer sich nicht für eine Partei entscheidet, kann am Ende auch nicht für die falsche Politik dieser Partei verantwortlich gemacht werden. Doch das heißt letztlich, dass Nichtwähler mit jedem Wahlausgang zufrieden sein müssen - ganz egal wie katastrophal die Politik nachher ist. Und das kann nun wirklich keiner wollen.

Das erste entscheidende Argument gegen die Angst, für eine vermeintlich falsche Wahlentscheidung zur Verantwortung gezogen zu werden, lautet: Die Stimmabgabe ist aus gutem Grund geheim. Niemand wird jemals erfahren, an welcher Stelle Du wirklich Dein Kreuz gesetzt hast. Denn in einer Demokratie geht die Macht allein vom Volk aus, ohne dass jemand den einzelnen Bürger bei seiner Entscheidung überwachen kann.

Die geheime Wahl garantiert Dir völlige Entscheidungsfreiheit.

Selbst wenn in Deiner Familie, in Deinem Dorf oder in Deinem Stadtteil seit Generationen dieselbe Partei gewählt wird, kannst Du in der Wahlkabine anders entscheiden. Es ist im Vergleich zu anderen Staaten auf der Welt keineswegs selbstverständlich, dass man als junger Mensch diese Freiheit hat.

Das zweite entscheidende Argument ist die Tatsache, dass Macht immer nur auf Zeit vergeben wird. Wer nach vier oder fünf Jahren meint, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, kann sie selbst bei der kommenden Wahl wieder korrigieren. Eine Partei hält nicht, was sie verspricht? Einzig der Wähler hat die Macht, Politiker für so etwas zu bestrafen. Weigern sich einige Wähler, diese Entscheidung zu treffen, so werden bestimmte Gruppen an Stammwählern genau jenen Politikern zu Mehrheiten verhelfen, die man eigentlich nicht mehr sehen will.

„Wenn Du nicht wählst, dann entscheiden die Falschen." Dieser Leitspruch mag alt und angestaubt sein, doch er trifft den Nagel auf den Kopf. Denn niemand außer Dir selbst kann die für Dich richtige Entscheidung treffen.

Versteck Dich nicht hinter Ausreden und mach Dich heute auf ins Wahllokal. Du wirst sehen, dass es ein tolles Gefühl ist, zu wählen. Und solltest Du von der Partei Deiner Wahl tatsächlich enttäuscht werden, hast Du spätestens in fünf Jahren die Macht, Deine Entscheidung zu korrigieren. Also versuche es einfach mal!

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