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Wo sind die Nazis?

13/11/2015 12:35 CET | Aktualisiert 13/11/2016 11:12 CET

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„Nazis raus - Nazis raus" schalmeit es uns entgegen an diesem letzten Samstag in Berlin auf der Großdemonstration der AfD mit 7.000 Teilnehmern und rund 1.100 Gegendemonstranten. Zeit, sich zu überlegen, was denn Nazis eigentlich sind.

„Nazi". Welch ein großes Wort, stand es doch jahrzehntelang für das, was man auf gar keinen Fall sein wollte. Nazi, eine Abkürzung für Nationalsozialist. Bin ich das? Bin ich national? Schon, ich bin in Deutschland geboren, aufgewachsen, lebe zeitweise hier. Aufgrund meines Berufes bin ich die meiste Zeit irgendwo im Ausland auf dieser Erde unterwegs.

Ich fühle mich zu Hause in Deutschland. Also bin ich wohl national. Und international. Bin ich Sozialist? Ich setze mich für die Gerechtigkeit ein. Finde es unfair, wenn Menschen ihr Leben lang gearbeitet haben und im Alter in Armut leben, weil die Rente nicht reicht. Ich rege mich auf, wenn in vorwiegend islamistischen Ländern Frauen gesteinigt werden.

Ausgepeitscht, zwangsverheiratet und wegen Ehebruch zum Tode verurteilt werden, wenn sie vergewaltigt wurden. Ich setze mich für den Tierschutz ein, unterstütze Greenpeace und Sea-Shepherd, stehe ein für Meinungsfreiheit. Jeder soll seine Meinung sagen dürfen, ich kann dann immer noch entscheiden, ob ich ihm zuhöre oder nicht.

Also ja, ich bin wohl auch Sozialist. Also bin ich Nationalsozialist, ein Nazi.

Aber warum eigentlich entstand der Begriff Nazi im dritten Reich? Haben nicht diese Nationalsozialisten Juden, Schwule und Behinderte verfolgt und getötet? Deren Häuser angezündet, mit Farbe markiert und entglast, wie man es so schön nannte? Haben die Nationalsozialisten nicht die Juden niedergeknüppelt und Versammlungen von Gruppen gewaltsam verhindert, wenn ihnen das Thema nicht gefiel?

Diese Frage habe ich mir gestellt, als ich der „Antifa", den „Antifaschisten", wie sie sich selbst nennen, gegenüber stand.

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Foto: Klaus Engelbertz

In den letzten Wochen kam es mehrfach vor, dass Autos von AfD Funktionären gebrannt haben, Büros und Häuser mit Farbbeuteln beworfen wurden, an Leib und Leben bedroht wurden, Scheiben von AfD Bürgerbüros eingeschmissen, also entglast wurden, vermeintlich peinliche Fotos vom Christopher Street Day mit Motiven der homosexuellen AfDler mit entsprechend abfälligen Kommentaren veröffentlicht wurden und sogar die ethnisch nicht deutschen Mitglieder der AfD als Nazi beschimpft wurden.

Obwohl es schon irgendwie amüsant ist, wenn ein Schwarzafrikaner als Nazi beschimpft wird.

Und jetzt stand mir ein Pulk von jungen Menschen entgegen, die nicht wollten, dass eine Meinung gesagt wurde, die mit Steinen, Flaschen, Eiern warfen, die Gewaltsam diese AfD Demonstration beenden wollten.

Das sind also diese Leute, die sich rühmen, Wohnhäuser von AfD Mitgliedern entglast oder markiert zu haben, die zu fünft stark genug waren, in Schwerin eine kleine, zierliche Frau zusammen zu schlagen, nur weil sie eine Meinung hat, die von den Antifaschisten nicht geteilt wird?

Junge Leute, die unglaublich aggressiv tun, Polizisten angreifen aber dann gleich anfangen zu weinen, wenn sie von einem Polizisten aus einer Abwehrreaktion heraus leicht touchiert werden.

Also wenn ich Nazi bin und die anderen die Anti-Nazis, dann meine ich, ist das in Ordnung.

Wenn diese Anti-Nazis mich Nazi schimpfen, dann ist das auch in Ordnung. Aber ist es nicht schizophren, wenn diese Anti-Nazis sich der gleichen Werkzeuge bedienen, wie die, die sie bekämpfen wollen?

Und ist es nicht auch schizophren, wenn halb Deutschland schreit, wie tolerant man ist, aber die Nazis, die Nazis die müssen raus. Keine Toleranz für Nazis. Also keine Toleranz für anders denkende.

Und was ist anders? Sind Menschen anders, die ihren Pass wegwerfen, sich einen gefälschten kaufen, nur um in Deutschland Asyl zu bekommen? Oder sind die Menschen anders, die sagen, dass sie nicht wollen, dass Menschen nach Deutschland kommen, die ihren Pass wegwerfen, sich einen gefälschten kaufen, nur um in Deutschland Asyl zu bekommen?

Sind Gewerkschaftsbosse anders, die öffentlich fordern, weltoffen, tolerant und bunt zu sein und deswegen dazu aufrufen, Arbeitnehmer zu entlassen, die sich der AfD oder PeGiDa anschließen? Oder ist es der Professor der Politik, der in einem Interview erklärt, man sollte AfD und PeGida Mitglieder einsperren, einkesseln, mit dem Wasserwerfer bearbeiten und ordentlich verprügeln, damit diese Gruppierungen keinen Zulauf mehr bekommen, wenn die Menschen nur weit genug eingeschüchtert werden?

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