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Früher war ich erfolgreicher Manager - dann wurde ich Sklave und glücklich

19/04/2017 18:20 CEST | Aktualisiert 30/11/2017 12:19 CET
Getty

Mein Fetisch hat sich erst im Alter entwickelt - genau genommen mit 60. Früher hatte ich keine besonderen sexuellen Vorlieben. Ich war ein ganz normaler Ehemann. Durch die Medien kam ich dann das erste Mal mit SM in Kontakt. Da wurde ich neugierig. Und wollte es einfach ausprobieren.

Meine Frau kann damit nichts anfangen. Aber sie weiß, dass ich immer wieder zur Domina gehe. Wir reden allerdings nicht darüber. Es ist tabu. Trotzdem bin ich glücklich in meiner Beziehung.

Ich bin Rentner und lebe meinen Fetisch aus

Noch vor wenigen Jahren war ich Manager eines erfolgreichen Industrieunternehmens. Heute bin ich in Rente und lebe meinen Fetisch regelmäßig aus.

Ich begebe mich in die Rolle des Sklaven. Und mache alles, was die Domina von mir verlangt. Das ist für mich pure Entspannung. Ich kann loslassen und alle Verantwortung abgeben.

Vielleicht hat das auch mit meinem früheren Beruf zu tun. Dort musste ich viele Entscheidungen treffen und war verantwortlich für zahlreiche Mitarbeiter.

Bei der Domina kann ich mich fallen lassen. Das ist wie für andere Menschen zur Massage zu gehen.

Mehr zum Thema: Ich bin seit 14 Jahren Domina - und damit helfe ich vielen Menschen

Die ersten Dominastudios, die ich besuchte, haben mich sehr enttäuscht. Denn das Niveau war extrem flach. Es ging nur darum, schnell viel Geld zu machen. Doch dann lernte ich Lady Angelina kennen.

Mittlerweile gehe ich seit fünf Jahren in ihr Studio. Eine Session dauert eine Stunde und kostet 250 Euro. Bei ihr geht es sehr stilvoll zu. Sie würde nie zu weit gehen.

Wenn ich zu ihr gehe, besprechen wir zuerst, was wir machen. Dann verlässt sie den Raum und kommt als Domina Lady Angelina zurück.

Ich mag es, wenn sie mich fesselt

Die Mischung aus Lust und Schmerz ist ein wunderbares Gefühl. Ich mag es, wenn sie mich fesselt, in Folie einwickelt oder auspeitscht. Aber im Prinzip ist es vollkommen egal, was sie macht. Ich bin offen für alles und lasse mich gerne überraschen.

Vielmehr geht es darum, dass ich mich fallen lassen kann. Es ist wie eine schöne Spielstunde. Andere lesen ein Buch oder schauen einen Film zu Entspannung, ich gehe zur Domina.

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Wir sind inzwischen sogar befreundet, telefonieren privat, gehen auch mal wandern oder Motorrad fahren. Im normalen Leben sind wir Freunde, im Studio werden wir zu Domina und Sklave.

Ich würde mir wünschen, dass SM nicht mehr in die Schmuddelecke gesteckt wird. Wenn dieser Fetisch schön und stilvoll gelebt wird, ist das nämlich alles andere als schmutzig.

Leider ist unsere Gesellschaft noch nicht so weit. Ich hoffe, das ändert sich bald.

Der Text wurde von Katharina Hoch aufgezeichnet.

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