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Autofahrer contra Radfahrer

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BIKE CAR
Ajay Verma / Reuters
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Achtzig Prozent der Deutschen fahren mit dem Rad. Wer sich dann Statistiken anschaut, wie die mit dem Fahrrad zurückgelegte Strecke aussieht, stellt erstaunt fest, dass nur etwa zwei Prozent maximal 100 Kilometer im Jahr zurücklegen. Die übergroße Mehrheit von 80 Prozent der Radfahrenden ist zwischen 500 und maximal 5000 Kilometer unterwegs.

Fast 10 Prozent der Befragten fahren sogar mehr als 5000 Kilometer im Jahr. Das Radfahren ist en vogue, gilt als gesund und ist in allen Bevölkerungsgruppen gleichermaßen beliebt. Die Fahrräder haben sich entsprechend dieser Entwicklung enorm verändert: vom einfachen Touren- über das Renn- bis hin zum Lastenrad für Transporte in der Stadt.

Pedelecs, die Fahrräder mit eingebautem Rückenwind, bieten neue Möglichkeiten der Mobilität in hügeligen Städten, für Familien mit Kindern und ältere Menschen. Natürlich folgen daraus neuen Herausforderungen, denn diese unterschiedlichen Nutzungsarten führen zu unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Radwege und Straßen, die dafür oft nicht ausgelegt sind, müssen an diese Entwicklung angepasst werden.

Autofahrer contra Radfahrer ist daher nicht überraschend. Wer sich allerdings wann und als was bei dem jeweils anderen beliebt oder unbeliebt macht, ist oft eine Frage der Perspektive. Da können Regeln helfen. Meiner Meinung nach sind weder Autofahrerende noch Radfahrerende die jeweils Alleinschuldigen. Entspannter wird das Miteinander im Verkehr nur, wenn sich alle an die verabredeten Regeln halten und gelegentlich auch einfach mal Rücksicht nehmen.

Um die Akzeptanz des Radverkehrs in Innenstädten zu erhöhen, müssen sich Radfahrende und motorisierte Verkehrsteilnehmende so verhalten, dass Konflikte nicht geschürt, Verkehrsteilnehmende nicht behindert und andere nicht beschädigt werden.

Diese Akzeptanz kann durch den Gesetzgeber gefördert werden: Durch Verkehrsplanende im Bund wie auch vor Ort, durch angemessene Investitionen in integrierte Lösungen bei der Infrastruktur, durch neue Verkehrszeichen wie z.B. ein Abbiegezeichen ähnlich des Grünen Pfeils bei Kraftfahrzeugen, oder durch die Überlegung, dass für Fahrradfahrende ab 1,1 Promille Alkohol im Blut die Fahrt zu Ende ist.

Aber auch die Industrie hilft, Gefahren und damit Spannungen aus dem täglichen Verkehr zu nehmen: Das größte - oft tödliche - Risiko für Fahrradfahrende in Ortschaften ist, von einem rechtsabbiegenden Lkw übersehen zu werden.

Durch Fahrerassistenzsysteme, die den Toten Winkel aufheben, wie z.B. mit einem digitalen Rückspiegel mit Restlichtaufhellung oder mit einem elektronischen Abbiegeassistent, lässt sich dieses Risiko deutlich minimieren.

Die Frage ist jetzt nur: Werden wir auch weiterhin immer nur aus Schaden klug, müssen wir durch Vorschriften gezwungen werden oder besteht die Einsicht, dass in Sicherheit investiert werden muss, um die Verschiedenartigkeit der heutigen wie auch zukünftigen Mobilität und deren Anforderungen miteinander in Einklang zu bringen. Ich setze auf die Einsichtsfähigkeit aller Beteiligten.

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