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Ich war immer stolz, Amerikaner zu sein - mit Donald Trump wird sich das ändern

Veröffentlicht: Aktualisiert:
DONALD TRUMP
ASSOCIATED PRESS
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Ich war immer sehr stolz darauf, Amerikaner zu sein. Jetzt bete ich dafür, dass sich das in der Zeit, die mir noch bleibt, nicht ändert. Ich werde bald mein 100. Lebensjahr vollendet haben. Als ich 1916 im Staate New York geboren wurde, war Woodrow Wilson unser Präsident.

Meine Eltern, die kein Englisch sprachen, waren Immigranten aus Russland. Zusammen mit mehr als zwei Millionen Juden flohen sie Anfang des 20. Jahrhunderts vor den mörderischen Pogromen des Zars.

Für ihre Familien suchten sie nach einem besseren Leben in einem magischen Land, in dem die Straßen sprichwörtlich mit Gold gepflastert waren.

Der Amerikanische Traum gilt nicht für alle

Was sie erst nach ihrer Ankunft erfuhren, war, dass die wunderbare Inschrift der Freiheitsstatue im Hafen von New York, die da lautet "Give me your tired, your poor, your huddled masses, yearning to breathe free,", nicht für alle Neu-Amerikaner im gleichen Maße galt.

Russen, Polen, Italiener, Iren und ganz besonders Katholiken und Juden spürten, dass man sie als Fremde behandelte, die niemals "richtige Amerikaner" werden würden.

Je länger ich lebte, desto weniger überraschten mich die unvermeidlichen Veränderungen. Und meine Freude, darüber, dass so viele der Veränderungen ein Wandel zum Guten waren, war immens.

Unter der Sonne gibt es kaum noch etwas Neues, so heißt es. Seit ich geboren wurde, ist unser Planet einhundertmal um die Sonne gereist.

Mit jeder Umrundung habe ich beobachtet, wie sich unser Land und unsere Welt in Richtungen entwickelt haben, die für meine Eltern unvorstellbar gewesen wären. Und auch mich erstaunt es immer noch, jedes Jahr aufs Neue.

Im Laufe meines Lebens haben amerikanische Frauen sich das Wahlrecht erkämpft und eine von ihnen ist nun endlich auch die Präsidentschaftskandidatin einer der beiden großen Parteien. Ein irisch-amerikanischer Katholik wurde Präsident. Das Unglaublichste ist aber vielleicht, dass unser derzeitiger Präsident ein Afro-Amerikaner ist.

Je länger ich lebte, desto weniger überraschten mich die unvermeidlichen Veränderungen. Und meine Freude darüber, dass so viele der Veränderungen ein Wandel zum Guten waren, war immens.

Aber ich habe auch Katastrophen durchlebt, z.B. die Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre und zwei Weltkriege. Der Zweite Weltkrieg wurde von einem Mann ausgelöst, der seinem Land versprochen hatte, es zu früherer Größe zurückzuführen.

Die "Experten" taten ihn als Witz ab

Dieser Mann kam 1933 an die Macht, als ich 16 Jahre alt war. Während der zehn Jahre, die seiner Machtergreifung voraus gingen, hat man über ihn gelacht, niemand nahm ihn ernst. Ein Possenreißer, der keinen gebildeten, zivilisierten Menschen mit seinen nationalistischen Hasstiraden täuschen konnte.

Die "Experten" taten ihn als Witz ab. Ein Trugschluss.

Kürzlich wurden wir in Arizona Zeuge einer Unterhaltung. Der Wortlaut dieser Unterhaltung ließ meine Frau Anne, die in Deutschland aufgewachsen ist, erschaudern. Diese Worte hätten genauso gut aus der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland stammen können:

"Seien wir doch mal ehrlich: Nicht jeder, der in unser Land kommt, wird sich erfolgreich integrieren können. Es ist unser Recht als souveräner Staat, dass wir uns die Zuwanderer aussuchen dürfen, von denen wir glauben, dass sie sich am ehesten in unser Land einfügen und hier Fuß fassen werden.

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Dazu gehören auch neuartige Screening Tests für Asylbewerber, die Aufschluss über die ideologische Gesinnung geben sollen, so dass wir nur diejenigen in das Land lassen, die unsere Werte teilen..."

Das sind nicht die amerikanischen Werte, für deren Schutz wir im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben.

Ich war immer stolz Amerikaner zu sein

Bis heute war ich der Meinung, dass mich nichts mehr überraschen könnte. Aber eine solche Panikmache habe ich noch bei keinem US-Präsidentschaftskandidaten bisher erlebt.

Ich hatte ein langes Leben. Ich werde die Konsequenzen, sollte dieser bösartige Mensch unser Land an sich reißen, nicht mehr miterleben. Aber meine und eure Kinder werden es. Und ihre Kinder. Und deren Kinder.

Wir alle wollen frei sein. Dafür stehen wir als Nation. Ich war immer aus tiefstem Herzen stolz darauf, Amerikaner zu sein. Jetzt bete ich dafür, dass sich das in der Zeit, die mir noch bleibt, nicht ändert. In unserer Demokratie liegt die Entscheidung für die Freiheit bei uns.

Mein 100. Geburtstag ist genau einen Monat und einen Tag nach der nächsten US-Präsidentschaftswahl. Ich möchte an diesem Tag gerne die Kerzen auf meinem Kuchen ausblasen und danach das Lied "Happy Days Are Here Again" pfeifen.

Und wie meine liebe Freundin Lauren Bacall einmal sagte: "Du weißt, wie man pfeift, oder? Leg einfach die Lippen zusammen und blase!

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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