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Die moderne Kindererziehung wird nicht versagen

02/03/2016 16:49 CET | Aktualisiert 03/03/2017 11:12 CET
gpointstudio via Getty Images

In der Huffington Post ist ein Artikel erschienen, in dem beschrieben wird, dass es schlecht um die moderne Erziehung steht. Gerne möchte ich Stellung zu diesem Beitrag beziehen.

Babys sollen sich selbst beruhigen? Unsinn.

In meinen Augen werden hier wieder einmal absolut veraltete Methoden für den Umgang mit Kindern von der Autorin propagiert.

Ihr Text ist angstmachend und kaum eine Unterstützung für Eltern in der heutigen Zeit. Vielmehr werden Eltern weiter verunsichert und dazu angehalten, ihre Kinder in einem Wutanfall alleine schreien zu lassen, damit man ihn nicht mit anhören muss.

Sie schreibt von der „Erziehungskatastophe: Wir müssen aufhören unsere Kinder zu verhätscheln." Diese Sorge, dass wir unsere Kinder verwöhnen und verhätscheln könnten ist offensichtlich immer noch allgegenwärtig. Ich habe dazu vor einiger Zeit einen Artikel geschrieben: Das Geheimnis vom verwöhnten Kind.

Kleinkinder müssten lernen alleine aufzustehen.

Weiter fordert die Autorin, dass sich Fremde wieder viel mehr in die Erziehung unserer Kinder einmischen sollten, damit das Kind aufhört zu brüllen, „weil die Mutter seinen Forderungen nicht nachgibt" und Grenzen setzen für sie zu hart sei.

Sie beschreibt dann auch ausführlich, was Kinder ihrer Meinung nach alles lernen müssen. Sie müssen trotzdem lernen, sich selbst zu beschäftigen. Sie müssen lernen, dass Essen nicht immer in weniger als drei Minuten fertig ist und idealerweise lernen sie auch, wie man es zubereitet.

Ein Baby muss lernen, sich selbst zu beruhigen. Setzen Sie es nicht jedes Mal in einen vibrierenden Stuhl, wenn es unruhig ist. Kleinkinder müssen lernen, allein aufzustehen, statt immer die Arme nach Mama und Papa auszustrecken.

Weiter sorgt sie sich darum, dass wir unsere Kinder zu arroganten, selbstsüchtigen, ungeduldigen und unhöflichen Menschen erziehen, wenn wir so weiter machen. Es wird nicht der Fehler der Kinder sein - sondern unserer.

Sie fordert, dass sich Fremde in die Erziehung einmischen.

Zuletzt resümiert sie, dass wir Eltern die ganze Zeit verhindert haben, dass unsere Kinder auch einmal unzufrieden sein können und sie dann letztendlich schlecht darauf vorbereitet sind, wenn es im Leben einmal nicht so gut läuft.

Abschließend fordert die gute Dame, dass die Gemeinschaft die Kinder zusammen erziehen soll, um sie auf den Erfolg in der richtigen Welt vorzubereiten.

Hört auf euren Instinkt

Ich möchte alle Leser(innen) an dieser Stelle darin bestärken, diesen Unsinn nicht zu glauben und euch dabei unterstützen, dass ihr weiterhin auf euren Instinkt hört und eure Kinder bedürfnisorientiert begleitet.

Bitte lasst euer Baby niemals schreien, damit es lernt, sich selbst zu beruhigen. Ich habe bereits hier (Soll ich mein Baby schreien lassen) ausführlich beschrieben, warum Babys sich nicht selbst beruhigen können.

Außerdem geht es beim Thema „Grenzen setzen" doch immer darum, dass wir unsere eigenen authentischen Grenzen erspüren und diese dann auch verdeutlichen. Wenn es mich nicht stresst, meinem Kind einen neuen Becher zu befüllen - nachdem der vormals ausgewählte doch nicht so toll ist - dann ist es völlig in Ordnung, das zu tun.

Babys können sich nicht selbst beruhigen

Wenn ich dazu jedoch keine Lust habe, dann lasse ich es eben bleiben und halte dann aber auch aus, dass mein Kind das vielleicht nicht so toll findet. Es dann in dieser Situation mit seinen Gefühlen auch noch alleine zu lassen, empfinde ich als zutiefst unfair.

Wir dürfen niemals vergessen, dass Kinder eben in ihrer kleinen Welt leben. Natürlich denken sie nicht in solchen Kategorien wie wir Erwachsenen - also beispielsweise Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Wohnungsverlust - aber für unsere Kinder sind solche Konflikte trotzdem ebenso dramatisch.

Und aus diesem Grund ist es schlichtweg einfach nur unfair, das Kind in einem Moment absoluter Verzweiflung alleine zu lassen, damit ich seinen Wutanfall nicht mit anhören muss.

Für Kinder sind Konflikte ebenso dramatisch.

Unsere Aufgabe als Eltern ist es in erster Linie zunächst einmal, die Verantwortung für uns selbst zu übernehmen. Das heißt, dass wir lernen, unsere Bedürfnisse zu benennen und dafür einzustehen.

Das fällt uns oftmals nicht leicht und es ist ein Prozess, in sich hineinhören zu können und dann auch noch Worte für die Gefühle zu finden. Aus diesem Grund ist es so unendlich wichtig, dass wir unsere Kinder in ihren Wutanfällen spiegeln und begleiten.

Sie können diese Gefühle noch nicht zuordnen und werden von ihnen übermannt. Sie brauchen Erwachsene, die ihnen Worte für ihre Gefühle schenken. Dann wachsen sie zu Erwachsenen heran, die wiederum in der Lage sind, ihre Bedürfnisse authentisch zu erspüren und zu benennen.

Lebt euren Kindern Gemeinschaft vor

Eltern, die sich ihren Kindern liebevoll zuwenden, sind wunderbar und sie möchten es gerne anders machen, als sie es in ihrer Kindheit selbst erlebt haben. Wir sind doch alle auf diese Art und Weise aufgewachsen und müssen heute mit den Folgen leben.

Ich kenne sehr viele in meinem Alter, die schwer damit beschäftigt sind herauszufinden, was sie in diesem Leben wollen. Das Gespür dafür wurde uns eben frühzeitig abtrainiert.

Die moderne Erziehung - wie ich sie verstehe - lebt davon, dass wir mit unseren Mitmenschen in Beziehung gehen. Ich habe dazu den Artikel von der Erziehung zur Beziehung geschrieben, in dem ich darauf auch nochmal ausführlich eingehe.

Wir sind doch alle auf diese Weise aufgewachsen und müssen nun mit den Folgen leben.

Unsere Kinder werden niemals zu arroganten, selbstsüchtigen und ungeduldigen Menschen heranwachsen, wenn wir ihnen in Beziehung mit uns vorleben, wie Gemeinschaft funktioniert.

Kinder lernen am Vorbild, von daher hat die Autorin schon recht: Es ist unsere Verantwortung, wenn Kinder so werden - Aber sicherlich nicht, weil sie in ihrer Kindheit Liebe, Fürsorge, Verständnis, Vertrauen in ihre Fähigkeiten, Geborgenheit und Rückenstärkung erfahren haben.

Nein, Kinder die all diese wundervollen Dinge nicht erleben durften, die entwickeln sich in einer solchen Art und Weise wie von ihr beschrieben. Ich empfehle der Autorin an dieser Stelle dringend, sich dazu zu belesen. Literaturempfehlungen findet ihr weiter unten!

Vertraut in eure Kinder

Was die Autorin vorschlägt, ist ein einziger Kampf mit unseren Kindern. So wird es uns niemals gelingen, eine vertrauensvolle Beziehung zu unseren Kindern aufzubauen. Empathie können sie nur erlernen, wenn ihnen als Babys und Kleinkinder empathisch begegnet worden ist.

Gegenseitige Rücksichtnahme erlernen sie nur, wenn sie dies im Familienverbund vorgelebt bekommen. Und ebenso verhält es sich auch mit Höflichkeit und Geduld. Wieso fällt es vielen Erwachsenen immer noch so schwer anzuerkennen, dass unsere Kinder nicht erst zu Menschen gemacht werden müssen?

Genießt die moderne Erziehung in vollen Zügen

Sie sind vollwertige Menschen und sie benötigen Begleitung und Unterstützung auf dem Weg ins Erwachsenenalter. Vertraut in eure Kinder! Sie wissen genau, was sie brauchen und sie sind ihren Bedürfnissen noch sehr nah. Trainiert ihnen das nicht ab!

Abschließend bleibt nur eines zu sagen: Liebe Eltern, hört auf euren Instinkt und lasst euch von der Umwelt nicht verunsichern. Gebt euren Kindern all eure Liebe, achtet auf eure eigenen Bedürfnisse und geht in Beziehung zu euren Kindern.

Genießt die moderne Erziehung in vollen Zügen! Dann wird alles gut und sie werden sich wunderbar entwickeln.

Dieser Blog erschien ursprünglich auf www.happybabys-bindung.de.

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