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Flüchtlinge ja, qualifizierte Arbeitskräfte nein!

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REFUGEE WORK
Getty Images
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Eine Studie des Bertelsmann-Instituts zeigt, dass Deutschland bis 2050 jedes Jahr eine halbe Million Einwanderer braucht, um seine Arbeitskraft zu halten. Aber die Frage ist, welche Art von Immigranten braucht Deutschland?

Deutschland hat sich für eine Flüchtlingspolitik der offenen Tür entschieden und mittlerweile gibt es in Deutschland eine hohe Zahl an Flüchtlingen, die eine Ausbildung, Gesundheitsversorgung, Wohnraum und eine Reihe von anderen Notwendigkeiten brauchen.

Auf der anderen Seite gibt es wenig hochqualifizierte Arbeitskräfte, obwohl Deutschland viel dafür getan hat, Facharbeiter anzuwerben. Facharbeiter, die einen Job haben, hier leben, Steuern zahlen und zum Wirtschaftswachstum des Landes beitragen.

Also scheint es so, als seien diese Menschen - die gut qualifiziert sind, Erfahrung in einem Bereich haben, in dem Deutschland bereits einen Mangel an Fachkräften hat, und natürlich Steuern zahlen und hier wohnen - wünschenswerte Personen für dieses Land.

Die Realität sieht anders aus

Leider ist die Situation völlig anders. Deutschland betreibt eine Politik der offenen Tür für Flüchtlinge, jedoch der geschlossenen für die Facharbeiter. Das Auswärtige Amt versucht tatsächlich sein Bestes, um die Facharbeiter fernzuhalten. Ich werde Ihnen jetzt meine Geschichte erzählen. Eine Geschichte des Leidens. Von einer Familie mit einem kleinen Kind.

Ich bin kein Flüchtling. Ich bin Softwareentwickler und habe 13 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet. Ich habe einen festen Job mit einem Gehalt, das höher ist, als das, welches für die Blue Card erforderlich ist. Ich bin ein pakistanischer Staatsangehöriger, und als ich ein Visum bei der Deutschen Botschaft in Islamabad beantragt habe, dauerte es sechs Wochen, und ich hatte mein Visum in den Händen. Und ich bekam auch meine Blue Card genehmigt.

Ich war glücklich, meine Familie war glücklich. Wir freuten uns darauf, gemeinsam ein neues Leben in Deutschland zu beginnen. Wir haben sogar angefangen, unseren vierjährigen Sohn in Deutsch zu unterrichten.

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Ich kam nach Deutschland, um meinen Job zu beginnen und eine schöne Wohnung zu suchen, welche auch als Zuhause bezeichnet werden kann. In Konstanz ist es schwierig, eine Wohnung zu finden.

Zwischenzeitlich haben wir bei der Deutschen Botschaft Islamabad die Familienzusammenführung beantragt. Es war der 17. August 2015, als die Dokumente von der Deutschen Botschaft akzeptiert wurden. Das war der Anfang unseres Elends.

Die Dokumente wurden ohne Beanstandung akzeptiert. Wir sind in der Vergangenheit zweimal als Familie nach Deutschland gereist. Alle unsere Unterlagen waren vollständig und völlig in Ordnung, deshalb waren wir zuversichtlich. Der Visumsoffizier sagte meiner Frau, dass man sie anrufen werde. Also warteten wir auf den Anruf von der Botschaft.

Ein anonymer Anruf

Am 22. Oktober 2015 bekam meine Frau einen anonymen Anruf. Jemand rief sie an und fragte, wo sie jetzt sei? Sie fragte, wer da sei und der Mann antwortete, dass er ein Mitarbeiter der Deutschen Botschaft sei und sie jetzt treffen wolle. Sie erzählte ihm, dass wir keine Informationen darüber haben, dass wir jemanden von der Botschaft persönlich treffen sollen.

Der Mann wurde unhöflich und bestand darauf, sich jetzt mit ihr zu treffen. Meine Frau war allein zu Hause mit unserem kleinen Kind. Es ist nicht gerade sicher in Pakistan, einen Mann in dein Haus zu lassen, wenn du als Frau alleine bist.

Sie rief mich sofort und ich rief diese Nummer zurück. Mir wurde gesagt, dass der Anruf von einem öffentlichen Telefon aus einem Büro in Lahore gekommen sei. Ich war verängstigt.

Inzwischen erhielt sie einen zweiten Anruf und gab dem Typ die Nummer meines Freundes. Der Typ rief meinen Freund an und bat ihn, ihn zu treffen. Mein Freund traf den Mann und rief mich zurück, so konnte ich mit ihm in Kontakt treten.

Ein Mitarbeiter der Deutschen Botschaft

Ich sprach mit dem Mann, der behauptete, Mitarbeiter der Deutschen Botschaft zu sein. Ich habe ihm gesagt, dass wir nicht wussten, dass jemand von der Botschaft persönlich kommt, um meine Frau zu treffen. Sie lebt allein und bekam Angst, als sie an diesem Morgen einen Anruf von einem öffentlichen Telefon erhielt.

Er sagte uns, dass wir nicht die Gebühr für die Dokumentenprüfung vorgelegt hätten. Dies war ein alarmierender Satz, denn wir haben die Gebühr bei der Botschaft eingereicht und haben auch die Quittung. Ich habe ihn dazu aufgefordert, sich auszuweisen. Doch er wollte nicht.

Er sagte, dass er sich jetzt nicht mit meiner Frau treffen werde, bis sie einen Anruf von der Botschaft bekomme. Ich habe ihm noch gesagt, dass es doch nicht schlimm sei, nach dem Ausweis zu fragen. Wenn er wolle, könne er meine Frau gemeinsam mit meinem Freund treffen, doch das wollte er nicht und ging davon.

"Wir wollten eine Erklärung"

Natürlich waren wir etwas besorgt aufgrund dieses Ereignisses. Ich schrieb eine E-Mail an die Botschaft, schilderte den Vorfall und fragte nach einer Erklärung. Ich habe die Geschichte mit meinem Arbeitgeber besprochen und er hat am nächsten Tag die Botschaft angerufen.

Der Mitarbeiter von der Botschaft sagte meinem Arbeitgeber, dass ich den Typ nicht treffen solle, wenn er keine Papiere habe, mit denen er sich ausweisen kann. Aufgrund dieser Info waren wir sicher, dass der Vorfall ein Scherz gewesen ist.

Aber zumindest sollte die Botschaft reagieren, wenn jemand in ihren Namen Menschen bedroht und Geld haben will. Also schrieb ich wieder und wieder und wieder.

Wir riefen alle vierzehn Tage in der Botschaft an und schickten E-Mails an das Ausländerbüro in Konstanz, aber erhielten kein einziges Wort innerhalb von vier Monaten.

Nach vier Monaten, am 22. Februar 2016, haben wir eine E-Mail mit einem Formular erhalten, das Folgendes besagt: Wir hätten uns geweigert, den zuständigen Anwalt, der unsere Dokumente prüft, zu treffen. Deshalb seien alle unsere Dokumente ungültig. Außerdem wurde die Geburtsurkunde meiner Frau und meines Sohnes nicht verifiziert. Aber davon wurde uns nie etwas gesagt.

"Es war ein Schock"

Das war ein echter Schock. Ich habe in der Botschaft angerufen und die Person hat mir gesagt, dass ich nur auf die E-Mail antworten solle, denn der Prozess sei noch im Gange. Daraufhin haben wir geschrieben, dass wir ihnen in den letzten Monaten Tausende Mails zugesendet haben und keine Antwort kam. Und jetzt bekommen wir diese E-Mail von der Botschaft.

Wir sind seit 13 Jahren verheiratet. Wir haben einen Sohn. Wir sind zweimal zusammen nach Deutschland gereist und die selbe Botschaft hat uns damals das Visum für die Familie gegeben.

Wir sagten der Botschaft, dass wir auch zu einem DNA-Test bereit sind, wenn sie das wollen. Außerdem erzählten wir ihnen noch einmal von der Geschichte mit dem ominösen Mann, der sich nicht ausweisen und der eine Gebühr von uns haben wollte.

Ein Monat verging und es kam keine Antwort von der Botschaft. Ich habe einem Anwalt in Konstanz den Auftrag erteilt, diesen Fall zu prüfen. Er schrieb an die Botschaft und erhielt sofort eine Antwort. Die verantwortliche Person sei erst in der ersten Aprilwoche wieder hier und werde sich melden.

Viele Fragen, keine Antwort

Wir haben gewartet, doch es kam keine Antwort. Also schrieb der Anwalt an das Auswärtiges Amt in Berlin. Auch hier gab es keine Antwort. Wir warteten wieder, schrieben noch mal und bekamen wieder keine Antwort.

Und schließlich kam am 29. April die zweite E-Mail von der Botschaft. Sie schrieben, dass wir abgelehnt hätten, diesen Mann zu treffen und deswegen alles schief lief. Jetzt werde der Prozess neu gestartet. Wir sollten uns noch einmal mit dem gleichen Mann treffen.

Dies war ein noch größerer Schock. Nach neun Monaten, Tausenden Mails und Berichten sollten wir tatsächlich noch einmal den gleichen Kerl treffen, der versucht hat, uns Geld abzunehmen, unfreundlich war und uns sogar bedroht hat. Wie können wir von diesem Mann eine faire Entscheidung erwarten?

Und den Prozess noch einmal zu beginnen, bedeutet, dass es noch einmal unendlich lange dauert, bis wir als Familie zusammen leben können. Und was ist nach weiteren neun Monaten? Werden sie dann sagen, dass unsere Ehe nicht bestätigt wurde?

Sie hören uns nicht zu. Sie sagen das, was sie sagen wollen. Und vor allem, wann sie es sagen wollen. Sind wir Kriminelle? Sind wir nicht auch Menschen? Wir sind Ausländer, aber wir wollen zum Wachstum Deutschlands beitragen.

Wenn meine Familie, meine Frau und mein vierjähriger Sohn in Deutschland nicht willkommen ist, kann ich hier nicht leben. Ist das hier wirklich das Land mit den großen Slogans über Familienrechte? Oder sind das nur Slogans ohne Bedeutung?

Ist die Deutsche Botschaft der Türsteher eines Unrechtsregimes? Oder ist Deutschland nur gut für Flüchtlinge und nicht für qualifizierte Arbeitskräfte?

Ich habe keine Antworten auf diese Fragen!


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

Die Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen nehmen kein Ende. Auch, weil es viel zu wenig Rettungskräfte auf dem Mittelmeer gibt. Hier versucht die Mannschaft des Schiffes Sea Watch 2. zu helfen. Spenden benötigt die Crew für Nahrung, Schwimmwesten und Medikamente.

Auf der sogenannten Balkanroute ist ein großer Teil der Flüchtlinge unterwegs. Der Verein Soups & Socks versorgt Flüchtlinge hier mit einer warmen Mahlzeit und anderen lebensnotwendigen Dingen. Hier geht es weiter zur Soups & Socks Tour.

Ein weiteres Problem sind die vielen unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge in Berlin. Ihnen vermittelt die Organisation Akinda beispielsweise einen gesetzlichen Vertreter. Wie das geht, beschreiben die Initiatoren hier.

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