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Wie das Mobile Recruiting Unternehmen verändert

20/01/2016 17:28 CET | Aktualisiert 20/01/2017 11:12 CET
Diego Lezama via Getty Images

„Nein..." Wisch nach links.

„Nein..." Wisch nach links.

„Nein..." Wisch nach links.

„Das klingt doch mal spannend!" Ihr Daumen wischt nach rechts. Ich beobachte sie und gehe fest davon aus, dass es die Dating-App Tinder sein muss.

Weit gefehlt!

Ich blicke unauffällig auf ihr Display und sehe nicht das erwartete Design. Als ich sie frage, was sie tut, antwortet sie trocken: „Im Tinder-Style nach einem Job suchen." An einem Samstagabend. Auf dem Weg zu einer WG-Party. Jobsuche!?

Meine Neugier war geweckt. Die App truffls runterladen, mit Xing verbinden und es kann sofort losgehen: Bei einem interessanten Angebot wische ich nach rechts, sonst nach links. Mehr als 11 Millionen Mal haben Bewerber bereits „geswiped" (gewischt).

Dem Unternehmen werden die Interessenten auf einem Dashboard dargestellt, sodass die Recruiter ihrerseits entscheiden, bei wem es zu einem „Match" kommt. Die Kontaktdaten sind dann für beide Seiten einsehbar und der persönliche Kontakt kann aufgenommen werden.

Mein persönlicher Rekord: acht Minuten - vom Swipe nach rechts bis zur Mail der Recruiterin. Was auf dem ersten Blick wie eine Spielerei wirkt, hat mir inzwischen eine Reihe von Bewerbungsgesprächen und konkreten Angeboten eingehandelt. Innovative Menschen erreicht man auf innovativem Wege.

Die Zahl solcher Apps nimmt sprunghaft zu: Selfiejobs, appjobber und indeed sind nur einige Beispiele und es beweist: in der Recruiting-Welt tut sich was.

Mehrere Zehntausend Recruiter nutzen den Service der Plattformen. Technisch ist beispielsweise truffls gut aufgestellt. Die Software liest jede Anzeige automatisch aus und überführt sie in das eigene System, sodass das separate Eintippen von Stellenanzeigen in die App nicht notwendig ist.

Mit jedem Swipe gibt ein Bewerber ein wenig von sich preis, denn truffls lernt daraus. Auf Grundlage jeder Interaktion schlägt truffls dem Bewerber nur Positionen vor, die seinem bisherigen Wisch-Verhalten am ehesten entspricht. Eine Zeitersparnis für Bewerber und Unternehmen.

Dahinter verbirgt sich eine neue Entwicklung: Die Bewerber ertrugen die bisherigen Recruiting-Prozesse. Der zunehmende Mangel an Fachkräften und der damit verbundene „War for Talents" drehen die Machtverhältnisse nun um. Daher ist nun jedes einzelne Unternehmen darauf angewiesen, eine herausragende Candidate Experience zu schaffen, bei der Bewerber nicht bloße Objekte eines standardisierten Prozesses sind, sondern zum Subjekt eines offenen und transparenten Erlebnisses werden.

Eine mobile Karriereseite oder eigene Bewerberportale können nur ein erster Schritt sein. Bei einem der attraktivsten Unternehmen der Welt - Google - ist das Recruiting so schlank gestaltet, dass der Lebenslauf das erste und einzige Dokument ist, das eine Rolle spielt. Das zeugt nebenbei von einem großen Vertrauensvorschuss gegenüber den potentiellen Mitarbeitern.

Mit den Recruiting Apps wird dieser Schritt nicht nur einfacher. Recruiter sparen sich wertvolle Zeit und könnt diese in die Konzeption und Durchführung einer Candidate Experience investieren. Dazu arbeiten die HR-Spezialisten nach den Prinzipien von Design Thinking und gestalten das Erlebnis aus der Perspektive des Bewerbers.

Dazu kann beispielsweise gehören, nicht nur Bewerber zu unterstützen und zu informieren, sondern Feedback zum Lebenslauf zu geben, Unterstützung bei einem anfallenden Umzug anzubieten usw.. Die Bewerber werden es danken, indem sie besten vorbereitet in den neuen Job starten - oder bei einer Absage sich erneut bewerben oder später als Kunden an das Unternehmen herantreten. So wird das Recruiting zum Vertriebskanal - und HR neu gedacht.

Jede HR-Abteilung steht regelmäßig unter einem Rechtfertigungszwang. Es wird Zeit, dass die Personaler Dogmen hinterfragen und heilige Kühe zur Schlachtbank führen. Chris Pyak und Henrik Zaborowski liefern genügend Beispiele.

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