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Mobbing - wenn dein Kind zum Opfer wird

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Armin Staudt via Getty Images
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Eigentlich weiĂź ich gar nicht genau, was mich betroffener macht: Dass mein Kind gemobbt wurde oder, dass er es nicht mal als Mobbing empfunden hat - es war normal fĂĽr ihn, sich so behandelt zu fĂĽhlen.

Definition von Mobbing

Mobbing sind Handlungen negativer Art, die vorsätzlich durch einen oder mehrere Personen gegen eine Mitschülerin oder einen Mitschüler gerichtet sind. Mobbing kommt über einen längeren Zeitraum vor. Außerdem erfordert Mobbing, dass zwischen dem Opfer und dem Täter (oder der Gruppe von Tätern) ein Ungleichgewicht der Kräfte herrscht, das sich auf körperliche oder psychische Stärke beziehen kann. Es handelt sich nicht um Mobbing, wenn zwei gleich starke Schüler miteinander streiten.

Typische Handlungen negativer Art:

  • Anschreien oder lautes Schimpfen.
  • Ständige Kritik an der Arbeit.
  • Telefonterror/Whatsapp
  • Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten.
  • Man spricht nicht mehr mit dem Betroffenen.
  • Man lässt sich nicht ansprechen.
  • Man verbreitet GerĂĽchte.
  • Man macht jemanden lächerlich.
  • Man macht sich ĂĽber das Privatleben lustig.
  • Man ruft ihm/ihr obszöne Schimpfworte o. a. entwĂĽrdigende AusdrĂĽcke nach.
  • Man beschädigt Schulsachen, persönliche Gegenstände, Kleidung.
  • Anwendung leichter Gewalt, zum Beispiel um jemandem einen „Denkzettel" zu verpassen.

Mobbing bei Jugendlichen

Es ist doch noch gar nicht sooo lange her, da hat er selbstbewusst und voller Freude zum Abschluss der 4. Klasse die Hauptrolle in einem Schulmusical übernommen. Comedian will er werden - und auch wenn er sich weder französische Vokabeln noch englische Grammatik merken kann - 1000 Witze kann er locker aus dem Ärmel schütteln - die Pointe wirklich auf den Punkt gebracht.

Warum hat er nichts gesagt? Er hat nichts gesagt, weil es sich fĂĽr ihn normal anfĂĽhlte, gab er jetzt zur Antwort! Alle oben aufgefĂĽhrten negativen Handlungen treffen auf ihn zu (hier noch einige mehr!) und er fĂĽhlte sich nicht gemobbt? Wie kann das sein?

Okay - er war schon immer etwas anders! Er mochte kein Fussball. Laufen und Rennen lag ihm auch nicht - generell hat er mit Sport nicht viel am Hut. Er ist weder zu groß oder zu klein, zu dick oder zu dünn, um dadurch Spott auf sich zu ziehen. Doch er hat seine Eigenarten: Er hat ein wahnsinnig starkes Gerechtigkeitsempfinden, fühlt sich schnell auf den Schlips getreten, nimmt Dinge schnell persönlich.

Er hat schon immer sehr nahe am Wasser gebaut - wenn er sich ungerecht behandelt fühlt, fließen bei ihm die Tränen, die Stimme wird schrill und hoch. In der Klasse und auf Kindergeburtstagen war es ihm oft zu laut,er zog sich dann gerne mal mitten im Geschehen mit einem Buch zurück. Unruhe um ihn herum lenkt ihn schnell ab, lässt ihn unkonzentriert werden.

Schon als Kleinkind hat er beim kleinsten Kratzer oder Sturz laut und voller Schmerz aufgeschrien, als ob es bei ihm um Leben und Tod ginge. Mehr als einmal stürzten Passanten fassungslos zu Hilfe - um 30 Sekunden später ein fröhlich hüpfendes Kind zu sehen!

Manche Dinge gab es schon immer - die Forschung dazu steckt aber noch in den Kinderschuhen. Seit einem Jahr wissen wir: wir haben ein HSP Kind.

Sein ehemals bester Freund ist nun sein ärgster Feind!

Kinder in seiner Klasse hatten sehr schnell raus, wie sie den kleinen Perfektionisten auf 180 bringen konnten. Allen voran sein ehemals bester Freund. Unzertrennlich waren die zwei - kein Wochenende verging, ohne das der eine beim anderen übernachtete. Doch wenn man den anderen so genau kennt, weiß man auch genau, welche Knöpfe man drücken muss, um für ein bisschen Trubel auf dessen Kosten zu sorgen.

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Mit einer stoischen Ruhe und Gelassenheit konnte der Kumpel Dinge sagen und behaupten, die überhaupt nicht stimmten. Wenn mein Gerechtigkeits-Kind dagegen immer lauter und weinerlicher Veto einlegte, wütend wurde und zu guter Letzt „ausflippte" um seinen wahren Worten Nachdruck zu verleihen ..... so setzte sein Freund mit Unschuldsmiene und ruhigen Worten immer und immer wieder als Dauerschleife auf ein kurzes: „...DOCH - HAST DU" !

Wer wurde handgreiflich? Mein Sohn! Wer bekam Ärger? Mein Sohn! Wer hatte eigentlich nichts gemacht? („...oh- da habe ich wohl was falsch verstanden!") Sein Kumpel! Lange, lange hielt diese „Freundschaft" - bis Ende Klasse 6.

Warum haben wir Eltern nichts gemerkt?

Unser schlechter und falscher Tipp damals als Eltern: Lass dich nicht ärgern! Schalte auf Durchzug! Stell dich doch nicht immer so an, sieh es ein bisschen lockerer - sonst gibst du denen doch genau das, was sie wollen! Wenn du dich nicht ärgern lässt hören sie sowieso auf, dann wird es ihnen langweilig! Was man halt als Eltern so sagt - schließlich will man sein Kind ernst nehmen - weiß aber genau: DER ist auch kein Unschuldslamm!

Zwei Monate nach dem Halbjahreszeugnis das befriedigend und ausreichend war gab es Blaue Briefe: Versetzung in 3 Fächern gefährdet! Gespräche mit dem Sohn, Gespräche mit der Klassenlehrerin, Gespräche mit der Schulberatungsstelle, Gespräche mit Kinderarzt, Heilpraktiker und Jugendpsychologen. Es gab keinen ersichtlichen Grund - außer Faulheit! Mehr als einmal hatten wir ihm damals bereits angeboten (und angedroht ) die Schule zu wechseln.

Vielleicht war er mit dem Gymnasium doch überfordert? Bittere Tränen, heilige Schwüre und fleißiges Lernen sorgte dafür, das er an der Schule und in der Klasse verbleiben konnte - keine einzige 5 auf dem Zeugnis. Er konnte, wenn er wollte - und er wollte bei seinen Freunden bleiben.

7. Klasse Gymnasium - perfekt - was will man mehr?

Direkt nach den Sommerferien gab es wieder Ärger in der Schule. Vor den Ferien durfte er beim Packen und Verstecken immer dann mitspielen, wenn er der Sucher oder Fänger war. Hatte er dann jemanden erwischt wurden einfach schnell mal die Spielregeln geändert. Für Jemanden mit großem Gerechtigkeitsempfinden nicht auszuhalten. Regelmäßig „flippte" er aus - die anderen hatten nichts gemacht und lachten sich ins Fäustchen.

Nach den Sommerferien kam es dann das erste Mal zu Handgreiflichkeiten zwischen Sohnemann und seinem ehemals besten Kumpel. Ein Missverständnis, wie dieser vor seiner Mutter und der Klassenlehrerin beteuerte. Er gab zu Protokoll, das Sohnemann „...mal wieder grundlos ausgeflippt" ist. Die Klassenlehrerin ging der Angelegenheit nach - es kehrte Ruhe ein - so dachten wir jedenfalls.

Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Blockaden im Rücken - im Nachhinein hätte es uns stutzig werden lassen sollen. Erst jetzt, ein Jahr nach den Blauen Briefen, zig Arztbesuchen und Gesprächen kam die ganze Sache ans Licht.

Sein ehemals bester Freund und ein zweiter Junge, der ebenfalls mit in der Grundschule war, sind die Täter und Anführer. 4-6 weitere Jungs, die fast alle ebenfalls mit ihm auf der Grundschule waren, sind Mitläufer.

In der Pause sprach niemand mit ihm - weder in der 5 Minuten Pause, noch in der Hofpause wollte er sich in der großen Pause zu dieser Gruppe (die er nach wie vor als seine Freunde bezeichnete) stellen, hieß es nur "Hau ab, du Arsch!" Er wurde mit "Du kannst nix", "Du Blödie", "Du bist einfach nur doof" immer und immer wieder beschimpft. In der Umkleide wurden sein Sachen durch den Raum geworfen und er wurde ausgelacht, wenn er im Sport langsamer war.

Beim Schwimmen haben sie seinen Slip versteckt - sehr entwürdigend danach suchen zu müssen. Sein ehemals bester Freund erzählt Lügen: Mein Sohn hätte Angst im Dunklen und müsste mit Nachtlicht schlafen (was natürlich nicht stimmt - aber sieben Zuhörer lachten und gröhlten).

Besonders getroffen hat ihn folgende Lüge: "Nicht mal sein Vater mag den - der steht in der Garage, tätschelt sein Motorrad und sagt ....Du bist der Sohn den ich nie hatte!" Als dieser Satz aus meinem Sohn heraus brach, brachen auch die Tränen los! Sturzbachartig purzelte alles aus ihm heraus. Auf mein fassungsloses „Aber das stimmt doch alles gar nicht!!! Das weißt du doch ...!" kam nur ein wütendes und verheultes „Das weiß ich auch - aber wie würdest du dich fühlen, wenn sieben andere um dich rum stehen, das glauben und dich auslachen?

Das Ganze lief bereits seit Herbst 2015 so!

Ich wollte mit ihm mitweinen. Das alles kam 3 Tage vor den Osterferien heraus. Nach und nach erzählte er immer mehr Einzelheiten. Auf meine Frage, warum er denn nichts gesagt hätte, war er ganz überrascht und meinte, es wäre halt so normal für ihn gewesen.

Was hätte er der Lehrerin überhaupt erzählen sollen? Dass niemand mit ihm spricht? Die ganzen Osterferien über hat es gedauert, ihn davon zu überzeugen endlich die Schule zu wechseln.

Seit letzter Woche besucht er nun eine neue Schule. Er ist glĂĽcklich - so glĂĽcklich wie ich ihn schon lange nicht mehr gesehen habe. Morgens ist er lange vor uns wach um ĂĽberpĂĽnktlich zu Schule zu fahren.

In der alten Schule habe ich vor zwei Wochen den Schulwechsel erklärt - und auch warum. Dort war man erstaunt und erschüttert - ich kann es ihnen nicht mal übel nehmen, nichts gemerkt zu haben, das habe ich ja auch nicht.

Aber ich hoffe so sehr, das man dort eine Lehre draus ziehen wird. Ich wünsche mir so sehr, das man den Tätern klar macht, was sie dort überhaupt anrichten. Mein Sohn ist nicht schüchtern und kann sich ausdrücken - und doch konnte er sich nicht mitteilen! Wir Eltern haben versucht, alles für unseren Sohn zu unternehmen, als es brenzlig für ihn wurde - und doch haben wir nichts gemerkt. Die Schule war bemüht und hat nach Lösungen gesucht - und doch hat es nichts geholfen.

Was passiert mit Kindern, die diese Unterstützung nicht haben? Bei denen man zu spät dahinter kommt? Von ihnen wird nur noch ein Abschiedsbrief mit Vorwürfen an die Peiniger übrigbleiben!!!

Stoppt Mobbing!

Eltern, Lehrer, Erzieher und Pädagogen - das geht uns alle an! Haltet die Augen offen und sensibilisiert Kinder für Mobbing! Nicht erst körperliche Gewalt ist Mobbing - es beginnt viel viel früher! Weitere hilfreiche Infos für die Arbeit und Aufklärung - auch bei Mobbing im Kindergarten - findest du hier. Bleibt weiter drachenmutig und entspannt!

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