Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Kerstin Griese Headshot

Rentenpolitik für alle Generationen!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
RENTE
iStock
Drucken

Rentenpolitik muss die Interessen der Generationen in einen fairen Ausgleich bringen, sonst ist sie weder solidarisch noch wirtschaftlich vernünftig. Wir brauchen für alle Menschen eine auskömmliche Altersversorgung und müssen gleichzeitig darauf achten, die Jüngeren nicht über Gebühr zu belasten.

Denn wir können sie nicht einseitig dafür in Haftung nehmen, dass die Generation der Babyboomer vergleichsweise wenige Kinder in die Welt gesetzt hat. 1950 kamen noch sechs ArbeitnehmerInnen auf eine/n Rentner/in. Heute, 2016, ist das Verhältnis drei zu eins, 2030 wird es zwei zu eins sein.

Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) hat in der vorletzten Woche ein umfassendes Rentenkonzept veröffentlicht, dass den gerechten Ausgleich zwischen den Generationen in den Mittelpunkt stellt. Diese Vorschläge hat sie nur zum Teil in den Verhandlungen mit dem CDU/CSU-Koalitionspartner durchsetzen können.

Mehr zum Thema: Aus Hungerlöhnen können keine Luxusrenten entstehen

Das hat mich nicht verwundert. Denn es ist ein sehr sozialdemokratisches Rentenkonzept, das gerade beim wirtschaftsfreundlichen Teil der Union nicht auf Gegenliebe stößt. Doch von solchen Widerständen lässt sich die SPD nicht beirren und wird ihre Rentenvorstellungen weiterhin mit Nachdruck vortragen.

Es geht darum, sehr gezielt den Menschen zu helfen, die ansonsten von Altersarmut bedroht sind.

Das ist ein zunehmender Teil der älteren Menschen, die durch lange Zeiten der Arbeitslosigkeit und unstete Erwerbsbiografien zu geringe Ansprüche erworben haben.

Ich halte nichts von Schwarzmalerei und Panikmache. Momentan sind gerade mal drei Prozent der über 65jährigen von Altersarmut bedroht und leben von Grundsicherung (zum Vergleich: 19 Prozent der unter 18-Jährigen sind armutsgefährdet). Wenn nicht gegengesteuert wird, wird diese Zahl ansteigen.

Gefährlich ist es aber, wenn selbst seriöse Medien wie der WDR auf der Grundlage grotesker Falschberechnungen behaupten, die Altersarmut werde sich vervielfachen. Solche Meldungen untergraben jedes Vertrauen in den Sozialstaat, sorgen für Abstiegsängste und bereiten Populisten den Weg, denen Fakten egal sind.

Aber auch wenn die Altersarmut auf vielleicht fünf Prozent ansteigen könnte, möchte ich das verhindern. Und das bedeutet, dass die Rentenpolitik keine teuren Reformschritte unternehmen sollte, die mit der Gießkanne wirken. Sondern wir brauchen Maßnahmen, die da helfen, wo die Unterstützung am nötigsten ist.

Mehr zum Thema: Wir Jungen dürfen uns nicht eintrichtern lassen, wie unsere Rente aussehen soll

Ein Beispiel ist die Altersversorgung von denjenigen, die aus Gesundheitsgründen, wegen Krankheit oder eine Behinderung, gar nicht oder nur noch eingeschränkt erwerbstätig sein können. Das ist ein Risiko, das jeden treffen kann. Andrea Nahles hat es geschafft, deutliche Verbesserungen in der Erwerbsminderungsrente zu erreichen, die wohl noch in dieser Wahlperiode vom Bundestag verabschiedet werden.

Leider haben sich für Geringverdiener Betriebsrenten und Riesterverträge viel zu oft gar nicht ausgezahlt, weil diese zu hundert Prozent mit der Grundsicherung verrechnet wurden. Das wird sich künftig glücklicherweise ändern. Jeder Rentner, der in der Grundsicherung ist, wird von seiner betrieblichen oder privaten Altersversorgung bis zu 202 Euro pro Monat behalten dürfen. Das ist ein echtes Plus.

Keine Zustimmung bei der Union fand der Vorschlag, eine gerechte und unbürokratische Solidarrente zu schaffen und Selbstständige in die Rentenversicherung einzubeziehen. Wer den Menschen im Alter wirklich helfen möchte, der muss an dieser Stelle handeln. Denn das sorgt auch bei der jüngeren Generation für Vertrauen in das Rentensystem: da wo die Not am größten ist, kann man sich auf die Hilfe verlassen.

Das erscheint mir wichtiger, als nur das Rentenniveau in den Blick zu nehmen und dabei den Eindruck entstehen zu lassen, es drohen Rentenkürzungen. Denn selbst wenn das Rentenniveau - gemessen am Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer - bis 2030 von 48 auf 45 Prozent sinkt, steigen die Renten. Und zwar beim so genannten Standardrentner von 1370 auf 1844 Euro netto pro Monat.

In diesem Jahr sind die Renten nämlich um 4,3 Prozent im Westen und fast sechs Prozent im Osten angewachsen - und auch in den nächsten Jahren kann mit gut zwei Prozent Steigerung pro Jahr gerechnet werden.

Trotzdem sollte man aufpassen, dass das Rentenniveau in den Jahren nach 2030 nicht ins Bodenlose fällt.

Deshalb setze ich mich dafür ein, eine Haltelinie einzuführen. Und analog bin ich dafür, eine Haltelinie für die von den Jüngeren zu zahlenden Beiträge festzusetzten. Zwar höre ich immer wieder: Das merkt doch eh niemand, wenn die Rentenbeiträge steigen.

Doch das ist ein Irrtum. Vielen Menschen sind darauf angewiesen, dass das Netto auf ihrer monatlichen Lohnabrechnung nicht sinkt, sondern steigt. Ein, zwei oder drei Prozent mehr Rentenbeiträge - bis 2045 drohen sogar sechs Prozent - bedeuten ein kräftiges Minus beim Netto, jedenfalls bei allen Beitragszahlern, die nicht zu den Besserverdienenden zählen und deshalb den vollen Rentensatz einzahlen müssen.

Das ist keine Rentenpolitik, die ich als solidarisch bezeichnen würde.

Im Alter muss man sicher leben können - das ist ein zentrales Versprechen des Sozialstaates und eine wesentliche Grundlage für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, keine wolkigen Rentenversprechungen zu machen, die einseitig zu Lasten der jüngeren Generation gehen.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.