BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Kenan Kivran Headshot

Ich verkaufe seit 16 Jahren gebrauchte Diesel-Autos - nun finde ich keine K├Ąufer mehr

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
AUTOHAENDLER
HuffPost
Drucken

Ich verkaufe seit 16 Jahren Gebrauchtwagen. Doch einen so gro├čen Einschnitt wie den Diesel-Abgas-Skandal und dessen Folgen habe ich noch nicht erlebt. Die Autohersteller haben uns alle beschissen.

Meine Kunden sind total verwirrt und verunsichert.

Nachdem die Tricksereien von Volkswagen bekannt wurden, konnte ich die Kundschaft noch mit dem Hinweis auf die kostenfreien Softwareupdates beruhigen. Doch jetzt werden die Stimmen, die nach Fahrverboten rufen, zunehmend lauter. Eine Mehrheit der Deutschen bef├╝rwortet mittlerweile ein Diesel-Fahrverbot in deutschen Gro├čst├Ądten. Das wird auch kommen - da bin ich mir sicher.

Nat├╝rlich haben meine Kunden deswegen noch gr├Â├čere Bedenken, sich jetzt noch einen Diesel zu kaufen. Und ich sp├╝re das. Im Inland ist die Nachfrage nach Fahrzeugen mit der Euro-5-Abgasnorm, die von Fahrverboten zuerst betroffen sein werden, stark eingebrochen.

Ich habe auf dem Hof Autos stehen, die ich nicht mehr los bekomme - h├Âchstens noch nach Tschechien, Italien, ├ľsterreich oder die Slowakei.

autohaendler2

Teilweise verkaufe ich mit bis zu 2000 Euro Verlust

Die Preise meiner Euro-5-Fahrzeuge musste ich um 30 Prozent reduzieren. Teilweise verkaufe ich die mit bis zu 2000 Euro Verlust, um sie ├╝berhaupt noch loszuwerden. Die einzige, die profitieren, sind Kunden aus dem Ausland.

An Deutsche kann ich nur noch Euro-6-Fahrzeuge verkaufen. Etwas anderes wollen die gar nicht mehr. Gerade die Menschen aus den St├Ądten. Denn die wissen nicht, wie schnell sie in Schwierigkeiten wegen der Abgaswerte kommen k├Ânnten.

Ein weiteres Problem: Die Preise f├╝r Euro-6-Autos sind auch f├╝r uns H├Ąndler in die H├Âhe gesprungen. Aber den Anstieg kann ich nicht 1:1 an die Kunden weitergeben - wegen der derzeit herrschenden Unsicherheit.

Die Politik und die Autoindustrie m├╝ssen jetzt endlich schnell daf├╝r sorgen, dass der Verbrennungsmotor sauber wird. Denn die Softwareupdates allein reichen nachweislich nicht aus. Nur teure Nachr├╝stungen helfen, um die Schadstoffe erheblich zu reduzieren.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Verkehrsminister Dobrindt sieht die Marke "Automobil made in Germany" schwer besch├Ądigt - eine Umfrage zeigt, dass er recht haben k├Ânnte

Kauft Elektroautos!

Vor der Bundestagswahl wird sich da wohl nicht mehr viel tun. Doch danach kommt der Kracher - da bin ich mir sicher. Die Politik wird den Druck auf die Hersteller erh├Âhen. Sie werden nicht um ein Hardwareupdate herumkommen.

Und das ist gut: Denn es muss endlich eingeschritten werden. Alles andere w├Ąre unverantwortlich - sowohl den Diesel-Fahrern als auch der Umwelt gegen├╝ber.

Wenn meine Kunden heute fragen, mit welchem Fahrzeug sie tats├Ąchlich auf Nummer sicher gehen, dann kann ich nur eine Empfehlung aussprechen: Kauft Elektroautos!

Doch gerade diesen Trend haben die deutschen Autohersteller bisher verschlafen.

Der Beitrag wurde von Marco Fieber aufgezeichnet.

Ô×Ę Mehr zum Thema: Dieselautos k├Ânnten ihre Zulassung verlieren - warum das erst der Anfang radikaler Ver├Ąnderungen f├╝r die deutschen Autofahrer ist

2016-10-24-1477314417-8667323-image_1465815956.jpeg

Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen ├╝ber Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut l├Ąuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie pr├Ągen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der HuffPost zu Wort. Denn wie f├╝hlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Fl├╝chtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gel├Âst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

Diskutiert mit und schickt uns eure Erlebnisse an Blog@huffingtonpost.de.