BLOG

Ich verkaufe seit 16 Jahren gebrauchte Diesel-Autos - nun finde ich keine Käufer mehr

01/08/2017 17:02 CEST | Aktualisiert 01/08/2017 17:14 CEST
HuffPost

Ich verkaufe seit 16 Jahren Gebrauchtwagen. Doch einen so großen Einschnitt wie den Diesel-Abgas-Skandal und dessen Folgen habe ich noch nicht erlebt. Die Autohersteller haben uns alle beschissen.

Meine Kunden sind total verwirrt und verunsichert.

Nachdem die Tricksereien von Volkswagen bekannt wurden, konnte ich die Kundschaft noch mit dem Hinweis auf die kostenfreien Softwareupdates beruhigen. Doch jetzt werden die Stimmen, die nach Fahrverboten rufen, zunehmend lauter. Eine Mehrheit der Deutschen befürwortet mittlerweile ein Diesel-Fahrverbot in deutschen Großstädten. Das wird auch kommen - da bin ich mir sicher.

Natürlich haben meine Kunden deswegen noch größere Bedenken, sich jetzt noch einen Diesel zu kaufen. Und ich spüre das. Im Inland ist die Nachfrage nach Fahrzeugen mit der Euro-5-Abgasnorm, die von Fahrverboten zuerst betroffen sein werden, stark eingebrochen.

Ich habe auf dem Hof Autos stehen, die ich nicht mehr los bekomme - höchstens noch nach Tschechien, Italien, Österreich oder die Slowakei.

autohaendler2

Teilweise verkaufe ich mit bis zu 2000 Euro Verlust

Die Preise meiner Euro-5-Fahrzeuge musste ich um 30 Prozent reduzieren. Teilweise verkaufe ich die mit bis zu 2000 Euro Verlust, um sie überhaupt noch loszuwerden. Die einzige, die profitieren, sind Kunden aus dem Ausland.

An Deutsche kann ich nur noch Euro-6-Fahrzeuge verkaufen. Etwas anderes wollen die gar nicht mehr. Gerade die Menschen aus den Städten. Denn die wissen nicht, wie schnell sie in Schwierigkeiten wegen der Abgaswerte kommen könnten.

Ein weiteres Problem: Die Preise für Euro-6-Autos sind auch für uns Händler in die Höhe gesprungen. Aber den Anstieg kann ich nicht 1:1 an die Kunden weitergeben - wegen der derzeit herrschenden Unsicherheit.

Die Politik und die Autoindustrie müssen jetzt endlich schnell dafür sorgen, dass der Verbrennungsmotor sauber wird. Denn die Softwareupdates allein reichen nachweislich nicht aus. Nur teure Nachrüstungen helfen, um die Schadstoffe erheblich zu reduzieren.

Mehr zum Thema: Verkehrsminister Dobrindt sieht die Marke "Automobil made in Germany" schwer beschädigt - eine Umfrage zeigt, dass er recht haben könnte

Kauft Elektroautos!

Vor der Bundestagswahl wird sich da wohl nicht mehr viel tun. Doch danach kommt der Kracher - da bin ich mir sicher. Die Politik wird den Druck auf die Hersteller erhöhen. Sie werden nicht um ein Hardwareupdate herumkommen.

Und das ist gut: Denn es muss endlich eingeschritten werden. Alles andere wäre unverantwortlich - sowohl den Diesel-Fahrern als auch der Umwelt gegenüber.

Wenn meine Kunden heute fragen, mit welchem Fahrzeug sie tatsächlich auf Nummer sicher gehen, dann kann ich nur eine Empfehlung aussprechen: Kauft Elektroautos!

Doch gerade diesen Trend haben die deutschen Autohersteller bisher verschlafen.

Der Beitrag wurde von Marco Fieber aufgezeichnet.

Mehr zum Thema:Dieselautos könnten ihre Zulassung verlieren - warum das erst der Anfang radikaler Veränderungen für die deutschen Autofahrer ist

2016-10-24-1477314417-8667323-image_1465815956.jpeg

Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der HuffPost zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

Diskutiert mit und schickt uns eure Erlebnisse an Blog@huffingtonpost.de.

Sponsored by Knappschaft