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Wie ich es schaffte, mit dem Schreien aufzuhören - und was dann in meiner Familie passierte

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Als meine Kinder wuchsen und älter wurden, wuchs auch mein Ärger. Exponentiell. Es war unglaublich hart, gleichzeitig ein Baby und ein Kleinkind großzuziehen. Ich hatte überhaupt keine Kontrolle mehr über meinen Alltag und konnte und wollte diese neue Lebensrealität nicht akzeptieren.

Ich wollte ruhig bleiben, während die kleinen Quälgeister ihre Streiche spielten, aber ich verlor unweigerlich mehrmals am Tag meinen Kopf. Und während ich förmlich explodierte, wich das Adrenalin in meinem Kopf langsam der Reue und den Gewissensbissen.

kelly brown

Ich überlegte mir Strategien, um Wutausbrüche zu vermeiden

Ich suchte verzweifelt nach einem Ausweg - einem Erziehungsstil mit weniger Explosionen und Schuldgefühlen. Also begann ich, zu lesen. Ich las und las und bastelte mir daraus ein Konzept zusammen, das sich für mich gut anfühlte - faire Grenzen und konsequente Regelungen, umgesetzt mit Rücksicht und Hingabe. Oh ja, ich war begeistert.

Ich rief eine Familienversammlung ein, um die verheißungsvollen Neuigkeiten mitzuteilen.

Ich: "Okay, Familie, gute Neuigkeiten. Ich habe eine ganze Bücherei leer gelesen und denke, dass ich das mit der Kindererziehung jetzt endgültig raus habe. Ich habe ein paar Strategien zusammengekratzt, um zu lernen, mit eurem Verhalten umzugehen. Das heißt, ich werde nicht mehr schreien und keine mütterlichen Wutanfälle mehr bekommen und jeder wird glücklicher sein. Was sagt ihr?"

Familie: "Hallelujah!"

So schlugen wir uns am nächsten Tag: Ruhig bleiben, ruhig bleiben, ruhig bleiben, KABOOOOM.

Und es war erst ein Uhr nachmittags.

Ich konnte meinen Ärger einfach nicht kontrollieren

Ich konnte einfach nicht lange genug ruhig bleiben, um die friedvolle Mutter zu werden, die ich sein wollte.

Ich schaffte es bei den ersten paar Hürden meist, cool zu bleiben. Danach waren offenbar meine mageren Vorräte an Besonnenheit erschöpft und ich explodierte. Um noch zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen, spielte ich jede Explosion noch einmal in meinem Kopf durch, analysierte sie und versuchte, herauszufinden, an welchem Punkt etwas falsch lief und sagte mir, dass ich als Mutter eine Versagerin bin.

Es dauerte lange, bis ich herausgefunden hatte, woran das alles lag. Ich musste keinen Weg finden, um die Gefühle und das Verhalten meiner Kinder zu kontrollieren - ich musste das bei mir selbst tun.

Hallo, Achtsamkeit. So funktioniert es für mich als Mutter:

1. Achtsamkeit erzeugt Selbstvertrauen

Achtsamkeit zeigt dir, dass du nicht eins mit deinen Gedanken bist - sie sind nicht, was dich ausmacht. Du hast die Wahl, was durch deinen Kopf geistert - also warum konzentrierst du dich nicht auf die positiven Dinge? Achtsame Meditation hilft dir, dieses Verständnis zu entwickeln und stärkt deine Fähigkeit, dich und deine Erlebnisse so zu akzeptieren, wie sie eben sind.

Als erstes musste ich lernen, meine Selbstzweifel als Mutter zu identifizieren und sie dann loszulassen.

Wenn du wie ich eine bösartige Stimme in deinem Kopf hast, dann bring sie für immer zum Schweigen (nicht wirklich Zen, aber effektiv). Sprich stattdessen mit dir wie mit deiner besten Freundin.

Unterstütze und ermutige dich selbst und vergib, vergib, vergib dir selbst - sofort und unmissverständlich. Auch wenn du einen totalen Aussetzer hattest, vergib dir selbst sofort dafür und lass die Schuld/Scham/Sorgen/Reue vorüberziehen. Mit den Worten von Königin Elsa: "Die Vergangenheit ist Vergangenheit. Lass es loooooooos, lass es los." (Sie ist sehr weise für ihr Alter.)

2. Mit Achtsamkeit kannst du über den Tellerrand hinaussehen

Der mütterliche Zorn bricht aus, wenn die wütenden Nashörner in deinem Gefühlsgehege ausbrechen. Indem ich meine Aufmerksamkeit auf das lenkte, was gerade passierte, konnte ich über die Nashörner hinwegsehen und wurde nicht von ihnen überrumpelt.

Ich konnte endlich die Faktoren erkennen, die zu meiner Wut beitrugen: Müdigkeit (meine Nemesis), Sorgen, Erinnerungen, oder das Problem, dass ich seit Tagen keine Zeit für mich selbst gehabt hatte. Es wurde auch leichter, das Verhalten meiner Kinder zu hinterfragen und zu erkennen, was sie wirklich dazu veranlasste, sich so aufzuführen.

Und weil ich alle Verhaltensmuster klarer erkennen konnte, war es viel leichter, durchdacht und anteilnehmend zu handeln, indem ich zuerst auf meine eigenen Bedürfnisse und dann auf die der Kinder einging.

3. Achtsamkeit hilft dir, dich zu resetten und neu zu orientieren

Achtsamkeit lehrt dich, jeden Moment wie ein neues Ereignis zu leben - und nicht einfach auf Autopilot zu schalten. Denn jeder Moment ist neu. Dieser Moment und dieser Moment und auch dieser Moment.

Jeder Moment ist ein neues Jetzt und damit eine Chance, noch einmal von vorne zu beginnen.

Zum Beispiel fällt mir jetzt auf, dass meine Frustration während einer nervenzerreißenden Diskussion mit meinem Dreijährigen über eine abgebrochene Banane (breche nie eine Banane ab!) und die Millionen mangelernährten Kinder, die ebenjene Banane augenblicklich verschlingen würden, gefährlich steigt.

Dann atme ich tief ein und nehme mir eine Sekunde Pause. Dabei bemerkte ich die müden Augen meines Sohnes nach einem erlebnisreichen Wochenende. Nachdem ich mich wieder neu orientiert hatte, drückte ich den Reset-Knopf, verwarf meinen Vortrag und holte eine andere verdammte Banane (und werde ihm niemals verraten, dass die fehlerhafte Frucht am nächsten Tag in seinem Smoothie gelandet ist).

Das ist trotz allem die bessere Lösung als mit einem hundemüden Dreijährigen zu argumentieren.

Was passiert in deinem Gehirn, wenn du Erziehungshürden achtsam angehst?

Aus der physiologischen Perspektive verringert Achtsamkeit die Aktivität in der Amygdala, dem Zentrum für Emotionen im Gehirn - es ist verantwortlich für Angst- und Stressreaktionen. Außerdem erhöht Achtsamkeit die Aktivität im Präfrontalen Cortex, wo Entscheidungen getroffen und Pläne geschmiedet werden.

Achtsamkeit hilft dir also, ruhig zu bleiben und Muster zu erkennen. Eine gewinnbringende Kombination - und sie funktioniert. Ich für meinen Teil werde immer noch schnell wütend (meist wenn ich müde bin), aber meine Ausbrüche sind nun dünn gesät und weniger heftig als früher.

Und das unerwartete Nebenprodukt der neuen Achtsamkeit?

Wohlerzogene Kinder. Kinder blühen auf, wenn sie wissen, wo sie stehen. Und ich bin jetzt in der Lage, zu meinen Ansagen zu stehen, ohne mir noch mehr Schuldgefühle auf meine Schultern zu laden.

Jetzt, wo ich nicht mehr minutenlang schreie und dann versuche, es wieder gut zu machen, indem ich schlechtes Verhalten das nächste Mal ignoriere, wissen meine Kinder, was von ihnen erwartet wird und welche Konsequenzen es hat, wenn sie sich dazu entscheiden, die Familienregeln zu brechen.

Am Ende ist es einfach.

Achtsamkeit hilft Müttern, ruhiger zu werden und sich durch emotionale Selbstkontrolle besser zu verhalten. Und da unsere Kinder unser Verhalten spiegeln, führen durchdachte Mütter zu wohlerzogenen Kindern.

Jeder gewinnt!

Erfahre mehr über Achtsamkeit für Mütter auf: CultivatingCalm.org
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Dieser Blog erschien ursprünglich in der Huffington Post USA und wurde von Lisa Mayerhofer aus dem Englischen übersetzt.

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(glm)