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Martin Schulz hat mich mit seinen Visionen für unsere Zukunft begeistert - jetzt müssen wir ihm helfen, die Menschen im Land zu überzeugen

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MARTIN SCHULZ
Axel Schmidt / Reuters
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Vor drei Monaten bin ich der SPD beigetreten, weil mich Martin Schulz begeistert.

Es hat mich begeistert, wie kämpferisch er sich schon in seiner Zeit als EU-Parlamentspräsident für Europa eingesetzt hat.

In einer Zeit, in der Nationalisten in allen Ländern Europas daran arbeiten, die EU abzuschaffen, ist das besonders wichtig. Mich als begeisterten Europäer hat er in seinen Reden immer mitgerissen.

Es hat mich auch begeistert, dass Schulz die Frage, wie gerecht es in Deutschland zugeht, zu seinem Hauptthema gemacht hat.

Ich hatte lange das Gefühl, dass sich die SPD von diesem Thema ganz verabschiedet hat - unter Schröder und nach den Agenda-Reformen bin ich deswegen auch aus der Partei ausgetreten. Dass Martin Schulz sich diesem wichtigen Thema jetzt annimmt, war längst überfällig. Martin Schulz ist für mich deswegen der richtige Mann zur richtigen Zeit.

Aber euphorisch bin ich jetzt, drei Monate später, nicht mehr. Auch, weil ich glaube, dass Euphorie nicht alles sein kann, um die Bundestagswahl oder die NRW-Wahl am Sonntag zu gewinnen.

Allein mit Euphorie kann man keine Wahlen gewinnen

Er hat mich mit seinen Visionen für unsere Zukunft begeistert -jetzt müssen wir alle mithelfen, im Wahlkampf die Menschen im Land zu überzeugen.

Ich selbst lebe in Bonn und bekomme den Wahlkampf hier hautnah mit. Natürlich hat die verlorene Landtagswahl in Schleswig-Holstein zu einer gewissen Grundnervosität geführt. Aber vielleicht ist das auch gar nicht schlecht.

Dann wissen unsere Leute wenigstens, dass jede Stimme zählt, dass sie wählen gehen müssen, um Laschet zu verhindern. Ich gehe fest davon aus, dass Ministerpräsidentin Kraft wiedergewählt wird.

Sie ist viel bürgernäher als ihr CDU-Herausforderer Laschet, der manchmal wie ein Oberlehrer wirkt.

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Aber es könnte knapp werden - Schleswig-Holstein hat gezeigt, dass die SPD alleine mit Euphorie keine Wahlen gewinnen kann.

► Von Schulz erwarte ich, dass er erklärt, wie er Menschen stärker in Arbeit bringen will und jenen eine Zukunft aufzeigt, die sich durch die Globalisierung abgehängt fühlen.

► Dass Menschen in prekären Jobs arbeiten müssen oder von einem Beruf nicht mehr leben können, das darf in einem so reichen Land wie Deutschland nicht sein.

Hier muss Schulz anpacken

All diese Themen spricht Martin Schulz an - und wenn er das tut, dann spricht er mir aus der Seele.

► Aber es fehlt an vielen Stellen einfach noch eine konkrete Vorstellung von dem, was er tatsächlich ändern will.

Mich persönlich beschäftigt auch das Thema Wissenschaftszeitverträge, weil ich als Forscher in einem Fraunhofer-Institut arbeite. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau - mir als Akademiker geht es eigentlich ganz gut.

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► Außerdem wünsche ich mir von Martin Schulz, dass er den Schwung behält, den er mitgebracht hat.

Er ist ein schöner Kontrast zur Bundeskanzlerin, die mit ihrer ruhigen Präsenz gewiss Erfolg hat, aber sicher auch vielen Leuten auf den Keks geht. Außerdem ist Schwung wichtig, denn bei so wichtigen Themen wie Gerechtigkeit und Europa herrscht zu viel Stillstand.

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