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Katie Heaney Headshot

Lebenslang Single: Ich bin kein Leuchtturm

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Ich möchte Ihnen von meiner Theorie erzĂ€hlen, die ich in den letzten zwei Jahren entwickelt habe. Es geht dabei um einen bestimmten Typ Mensch, den ich „Leuchtturm" nenne. Ich habe diese Theorie nach jahrelangen Studien eines solchen Exemplars entwickelt. Sie war quasi der Prototyp. Sie heißt Rylee und ist meine beste Freundin. Es ist besser, Sie wissen das gleich, denn ich werde sie noch oft erwĂ€hnen.

Ich habe Rylee also lange in ihrer natĂŒrlichen Umgebung beobachtet. Seit ich sie vor sieben Jahren kennengelernt habe, ist sie mit neun MĂ€nnern ausgegangen. Das sind wahrscheinlich nicht außergewöhnlich viele, es könnte sogar eine ganz durchschnittliche Anzahl sein. Was weiß ich schon? Es kann sein, dass diese Zahl nur im direkten Vergleich mit meinen eigenen Erfahrungen so riesig wirkt. Denn diese sind so gering, dass ich schon fast negative Zahlen brauche, um sie zu beschreiben. Aber das wirklich VerrĂŒckte und zugleich Beeindruckende daran ist, dass sie zwischen ihren Beziehungen quasi nie Single ist. Wenn sie gerade solo ist, braucht Rylee fast nicht mal das Apartment zu verlassen (oder in manchen FĂ€llen das Studentenwohnheim), und schon kommen aus dem Nichts ein bis vier verschiedene Typen, die ein Interesse daran bekunden, ihr nĂ€chster Freund zu sein. Es gibt einen konstanten Nachschub. NatĂŒrlich gibt sie irgendwie bekannt, dass sie auf der Suche ist, aber sie hat auch immer die Wahl. Ich glaube aus tiefstem Herzen, dass wenn sie sich still auf den Boden setzen und warten wĂŒrde, frĂŒher oder spĂ€ter jemand auftauchen wĂŒrde, der fragt, ob sie mit ihm ausgehen will.

Ich nenne diese Menschen „LeuchttĂŒrme".

Leuchtturm-Menschen sind Leuchtsignale, die alle Matrosen auf dem Meer zurĂŒck ans Land rufen und sie mit ihrem Licht anlocken. Leuchtturm-Menschen sind magnetisch und leuchten, so sehr, dass selbst wenn es einem Matrosen gelingt, den ganzen Weg zum Leuchtturm zu rudern, an Land zu gehen und den Leuchtturm zu erklettern, alle anderen Matrosen geduldig in ihren Booten warten, dass sie eine Chance bekommen an Land zu gehen. Sie haben das GefĂŒhl, dass es am besten ist den Leuchtturm im Auge zu behalten, selbst wenn sie zwischendurch anderen Matrosenverpflichtungen nachgehen mĂŒssen. Der Leuchtturm tut vielleicht so, als wenn ihm nicht klar wĂ€re, wie beliebt er bei den Matrosen ist - aber das weiß er sehr wohl. Wie sollte es auch anders sein? Selbst wenn der Leuchtturm zurzeit einen ganz besonderen Matrosen hat, leuchtet sein Licht immer. Der Leuchtturm kann gar nichts dagegen tun.

Mir wurde durchaus schon gesagt (vor allem von einer Reihe Typen, die die Metapher unmöglich verstehen konnten), dass LeuchttĂŒrme so nicht wirklich funktionieren... Diese BlödmĂ€nner wollten mir allen Ernstes erzĂ€hlen, dass LeuchttĂŒrme versuchen Matrosen von gefĂ€hrlichen KĂŒsten fernzuhalten, da diese ansonsten in die Klippen krachen wĂŒrden, die sich dort im Wasser verstecken. Na gut, na gut, wenn ich die vorgesehenen Funktionen so technisch betrachte, na gut, dann stimmt das schon. Aber ich finde das dumm, denn Menschen und Tiere werden vom Licht angezogen und wenn LeuchttĂŒrme wirklich Menschen fernhalten wollten, sollten sie mit riesigen Lautsprechern unheimliche GerĂ€usche verbreiten. Ich glaube also trotzdem, dass ich Recht habe, im metaphorischen Sinne. Und in meiner Welt sind LeuchttĂŒrme große, sexy Vamps. Sie versuchen nicht einmal absichtlich so zu sein. Sie sind einfach so.

Ich bin kein Leuchtturm.

Als ich Rylee das erste Mal gesagt habe, dass sie ein Leuchtturm ist, fragte sie mich, was ich dann sei. (LeuchttĂŒrme erkennen andere LeuchttĂŒrme nĂ€mlich in der Regel als solche und damit auch die, die keine sind.) Ich habe kurz darĂŒber nachgedacht und gesagt: „Das Bermuda-Dreieck."

Das Bermuda-Dreieck ist den Gedanken der Matrosen so fern, dass es nicht einmal auf einer Karte verzeichnet ist. Sie möchten lieber nicht einmal daran denken. Selbst wenn ein paar von ihnen theoretisch wĂŒssten, dass es existiert, könnten sie das Bermuda-Dreieck nicht einmal finden, wenn sie wollten. Sie wĂŒrden sich auf dem Weg verlaufen, vermutlich sogar fĂŒr immer. Meistens wollen sie es jedoch nicht einmal versuchen. Das Bermuda-Dreieck ist gefĂ€hrlich und verwirrend. Die Matrosen hören schlimme Dinge darĂŒber. Sie möchten lieber einen Umweg nehmen und soweit wie nur irgend möglich Abstand halten.

Ich weiß, dass das wie eine Übertreibung klingt und in einem gewissen Maße ist es das sicher auch. Zum Beispiel glaube ich nicht, dass es an mir eine Entsprechung zu den Monsterwellen des Bermuda-Dreiecks gibt - hoffe ich zumindest. Ich bringe keine Matrosen zum Kentern und schon gar keine ganzen Schiffe. Ich bleibe einfach fĂŒr mich. Ich glaube sogar, dass das Bermuda-Dreieck genau das möchte. Es hat gar nichts Böses im Sinn, und wenn man es erstmal besser kennenlernt, merkt man, dass es sogar ganz nett ist. Bermuda weiß einfach nicht, wie es damit umgehen soll, wenn jemand in sein Territorium gesegelt kommt, weil das fast nie passiert. Es hat nicht viel Übung darin und ist gewohnt, dass die Dinge auf eine bestimmte Weise laufen. Wenn dann DOCH MAL ein Matrose vorbeikommt, wird es ein bisschen nervös, dreht komplett ab und verursacht orkanartige Unwetter in jede Richtung. Und dann schĂ€mt es sich und ist traurig und ruft seine Freunde an.

Ich möchte mit meiner Theorie kein Mitleid erregen. So ist es einfach. Nicht jeder von uns kann ein geborener Leuchtturm sein und wir wĂŒrden ja auch nichts mehr erledigt bekommen und alle hĂ€tten die ganze Zeit unglaublich viel Sex. Ich denke einfach nur, dass es wichtig ist, dass ich von Anfang an erklĂ€re, dass ich ein Dreieck bin.

Mein Name ist Katie Heaney und ich bin ein Bermuda-Dreieck.

Aus diesem Grund, und vielleicht auch aus anderen GrĂŒnden wie „GlĂŒck" und der Tatsache, dass ich immer an MĂ€nnern interessiert bin, die vergeben und/oder schlecht fĂŒr mich sind, bin ich mein Leben lang Single. Und damit meine ich nicht, dass ich noch keine Beziehungen hatte, die etwas bedeutet haben oder dass ich schon sehr lange solo bin oder dass meine Beziehungen immer nur ein paar Monate gehalten haben. Ich meine damit, dass ich mein Leben lang schon immer, völlig und ganz und gar solo bin. Nicht ein einziger Freund. Kein kurzzeitiges Daten. Kein Typ, mit dem ich lĂ€ngere Zeit rumgehangen und den ich auf den Mund gekĂŒsst habe. Ehrlich gesagt weiß ich nicht einmal, ob ich sagen kann, dass ich auf mehr als einem richtigen Date war. Ich war ein paar Mal mit einem Kerl essen, wir waren beide Single und habe ihn bezahlen lassen - das könnte also vielleicht als Date durchgehen. Aber in der Regel hatte er dann eine Woche spĂ€ter eine Freundin, nicht mich, und ich habe seine reine Existenz verflucht, daher weiß ich es nicht sicher. Doch mehr dazu spĂ€ter.

Die Reaktionen der Leute sind recht interessant, wenn ich ihnen erzĂ€hle, dass ich noch nie einen Freund hatte und ĂŒber 21 bin. Die meisten MĂ€dels sind ganz gut darin zu verbergen, ob sie schockiert sind, denn die meisten von ihnen haben mindestens eine Freundin, die nicht so viele Dates hat wie die anderen. Sie haben gelernt mit ihr mitzufĂŒhlen - sogar auf eine nicht herablassende Art und Weise. Wenn ich einen meiner, glĂŒcklicherweise recht seltenen, „Irgendwas ist mit mir grundlegend verkehrt"-AnfĂ€lle habe, können meine Freunde inzwischen immer von entfernten Verwandten/mystischen Bekannten/Grey's-Anatomy-Charakteren berichten, die schon lĂ€nger als ich keinen Freund hatten - daher ist es ja auch ĂŒberhaupt nicht seltsam, dass ich bisher keinen habe. Praktisch jeder den sie kennen ist genauso lange solo wie ich - nur fĂ€llt ihnen gerade keiner ein. Meine lieben, geduldigen Freunde erzĂ€hlen mir, dass ich nur Single sei, weil ich so wĂ€hlerisch bin und weil ich einfach noch nicht den Richtigen getroffen habe. Das wĂŒrde sich wahrscheinlicher anfĂŒhlen, wenn ich nicht von so vielen falschen MĂ€nnern einen Korb bekommen hĂ€tte, denen ich trotz meiner angeblich so hohen AnsprĂŒche hinterhergelaufen bin. So oder so ist das ein netter Gedanke.

Manchmal habe ich das GefĂŒhl, dass ich mir darĂŒber Sorgen machen sollte. Manchmal, vor allem an ein paar bestimmten Tagen im Monat, möchte ich einfach nur auf dem Boden liegen und mich so fĂŒhlen, als ob etwas völlig verkehrt mit mir ist. Ich bin an einem Punkt in meinem Leben angelangt, an dem ich niemand anderen kenne, dem es genauso geht. Lange Zeit war meine Freundin Corinna eine treue Mitstreiterin, aber sie musste sich ja letztes Jahr diesen Pseudo-Freund zulegen. Ich konnte es ĂŒberhaupt nicht glauben... es kam mir so vor, als wĂŒrde sie sich keinerlei Gedanken darĂŒber machen, wie ihre Beziehung mich beeinflussen wĂŒrde!

Die meiste Zeit macht es mir nichts aus ĂŒber meinen verfallenden Körper und die Tatsache nachzudenken, dass ich eine alte Jungfer bin. Ganz offensichtlich gibt es mindestens eine Billion Dinge, die schlimmer sein könnten in meinem Leben. Keinen Freund zu haben stört mich da nur sehr wenig. Dass ich noch niemals nie einen gehabt habe, stört mich ein kleinwenig mehr, aber nur weil ich wissen möchte, dass auch ich mich einmal richtig verlieben kann. Nicht auf die mir wohlbekannte Art: einseitige TagtrĂ€ume, die peinlich sind und immer viel zu lange anhalten - bei denen ich fĂŒr Jungs und MĂ€nner (und ja, auch Boybands) schwĂ€rme, die mich entweder nicht einmal kennen oder die mich kennen, aber nicht gerade auf mich stehen. Ich bin langsam zu alt fĂŒr so etwas. Das jedenfalls versuche ich mir zu sagen, wenn ich mal wieder eine Phase hinter mir habe, in der ich mich wie ein ĂŒbergroßer Teenie mit Justin-Bieber-Fieber aufgefĂŒhrt habe.

Es tut mir gut zu wissen, dass ich nicht völlig alleine bin. Zwar bin ich der einzige Dauersingle in meinem Freundeskreis, oder vielleicht sogar auf der ganzen Welt, aber ich bin nicht die Einzige deren Liebesleben ein einziges Chaos ist. (Falls man ĂŒberhaupt Chaos in etwas Nichtexistentem haben kann...? Ja, doch!). Meine LieblingsbeschĂ€ftigung ist es mit meinen Freunden ĂŒber einer Flasche Wein unsere schlimmsten Date-Geschichten auszutauschen. Wir alle bauen Mist. Wir alle geben uns mit Psychos und BlödmĂ€nnern ab. Wir alle haben schon mal zu lange gebraucht um zu begreifen, dass etwas, das eh noch nie gut fĂŒr uns war, vorbei ist.

Auszug aus dem Buch NEVER HAVE I EVER: My Life (So Far) Without a Date von Katie Heaney. Copyright © 2014 by Katie Heaney. Neu aufgelegt mit Genehmigung von Grand Central Publishing. Alle Rechte vorbehalten.