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Ich habe in Hamburg eine Kita gegründet

06/08/2017 11:37 CEST | Aktualisiert 07/08/2017 12:42 CEST
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Während eines längeren Aufenthaltes in Schweden habe ich eine Haltung mit Kindern kennen gelernt, die mir vollständig entsprach. Kinder und Erwachsene begehen gemeinsam den Tag und sie begegnen sich auf Augenhöhe und lernen voneinander. Das lässt die Kinder aufblühen und stärkt die Erwachsenen.

Auf der Suche nach einem geeigneten Kitaplatz für meinen Sohn hat mir dies manchmal gefehlt. Mir ist wichtig, dass die Kinder gesehen werden und nicht im Sinne der Erzieher funktionieren sollen.

Dies wünschte ich mir auch für meinen Sohn und so entstand die Motivation für die Idee der Gründung einer eigenen Kita.

Die Idee kam mir in der Mittagspause

Ich bin gelernte Diplom-Betriebswirtin und habe damals noch im Bereich Controlling gearbeitet. Obwohl ich aus einem ganz anderen Bereich komme und die Idee, eine Kita zu gründen recht spontan war, habe ich sie nie bereut. Ganz im Gegenteil: Der ursprüngliche, ideelle Anspruch, wie ich mit Kindern sein möchte, leitet und motiviert mich noch heute.

Auf dieser Basis kündigte ich meinen Job und machte mich auf die lange Suche nach geeigneten Räumen. Etwas Geeignetes zu finden dauerte ganze zwei Jahre. Doch es hat sich gelohnt. In dieser Zeit besuchte mein Sohn die skandinavische Kita in Hamburg.

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Heute bietet unsere Kita Platz für circa 100 Kinder, wobei wir nicht alle Plätze belegen wollen. In Gruppen- und Funktionsräumen können sich die Kinder entfalten.

Beim Umgang mit den Kindern leitet uns eine Grundhaltung, die sich durch alles was wir tun und was wir nicht tun wie ein roter Faden zieht. Die innere Stärke und die eigenständige Entwicklung des Kindes zu fördern, das leitet uns im Umgang mit den Kinder. Dabei schauen wir: was hilft uns und was behindert uns dabei. Ersteres leben wir und letzteres lassen wir bewusst weg.

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Schlechter Personalschlüssel und mangelhafte Arbeitsbedingungen

In vielen Kitas wird über einen schlechten Personalschlüssel und mangelhafte Arbeitsbedingungen diskutiert und sich auch beschwert. Das führt zum Teil zu Überforderung der Kollegen. Auch ich bin für eine klare Aufwertung des Erzieherberufes, die der Verantwortung und der Arbeit der Kollegen gerecht wird.

Gleichwohl bin ich der Auffassung, dass wir als Erwachsene und somit als Erzieher jeden Tag von Kindern lernen und von ihnen bereichert werden können. Dafür bedarf es einer Offenheit von uns Erwachsenen und ein echtes Interesse, damit uns all das von den Kindern erreichen kann.

Diese Haltung wünsche ich mir bei uns Erziehern. Das bringt die Diskussion auch ein bisschen weg von der Anzahl der zu betreuenden Kinder (Personalschlüssel) hin zum situativen Ansatz.

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Gemeinsames voneinander Lernen und lebendig auf das Leben reagieren, darauf kommt es mir bei der Arbeit mit Kindern an. Ich würde mich freuen, wenn die Grundlagen dafür in noch mehr Kitas gelebt werden. Nämlich respektvoller Umgang auf Augenhöhe, ein freundliches Miteinander und die Kita selbst als lernende Organisation.

Für starke Kinder und eine starke Profession.

Von Kati Schwendtke, Geschäftsführerin von der Kita Nordvind

Der Beitrag wurde von Franziska Kiefl aufgezeichnet.

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