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Empathie kann weh tun: Lernen auf sich selbst zu achten

10/07/2016 09:59 CEST | Aktualisiert 11/07/2017 11:12 CEST
Adam Hester via Getty Images

Es ist okay traurig zu sein. Es ist okay zu weinen. Weil es nicht richtig ist immer stark zu sein. Niemand kann immer gut drauf sein und strahlen wie ein Honigkuchenpferd.

Ich weiß, dass Traurigkeit nichts mit Stärke zu tun hat und trotzdem fällt es mir immer wieder schwer das einzugestehen. Ich bin ein Meister darin mich nach außen hin stark oder gefasst oder einfach nicht traurig zu zeigen und das macht mich zur "Ich kann mich bei dir ausweinen"- Freundin.

Ich wage zu behaupten ich sei innerlich stark - Resilienz wird das in der Psychologie genannt. Und ich merke immer wieder mein Bedürfnis anderen helfen zu wollen und mein Wunsch und Wille oder vielleicht sogar die feste Überzeugung es zu können, tut mir nicht gut.

"Ich bin ein Magnet, der andere mit ihren Problemen anzieht"

Ich habe gelernt, dass meine Empathie mir weh tun kann. Ich bin ein Magnet, der andere mit ihren Problemen anzieht. Als würde ich ein Schild auf der Stirn tragen: Hast du Probleme? Lade sie bei mir ab. Doch das ist keine Einladung. Nein! Ich will das nicht hören. Ich kann das gerade nicht. Doch auch, wenn ich das manchmal gerne sagen würde, das schaffe ich (noch) nicht.

Ich habe gelernt, dass nicht jeder auf sich aufpassen kann. Nicht jeder ist glücklich. Nicht jeder ist gesund. Und nicht jeder ist zuversichtlich. Und leider will auch nicht jeder gerne Leben. Auch, wenn das für mich sehr unlogisch, falsch und unverständlich scheint. Leider ist das so... Und ich musste lernen, dass es nicht meine Aufgabe ist Lebensretter zu spielen.

Denn letztendlich muss sich jeder selber helfen und sein Leben in den Griff kriegen oder Hilfe suchen. Aber, du kannst nicht für jeden den Helden spielen. Sei lieber dein eigener. Du kannst nicht wie ein Psychologe medizinische, verhaltenstherapeutische oder tiefenpsychologische Ratschläge, Hilfestellung geben. Das ist auch nicht deine Aufgabe.

Wenn die Probleme anderer zu den eigenen werden

Ja, es ist okay für jemanden da zu sein. Es ist okay über seine Grenzen zu gehen. Doch irgendwann merkst du, das wird dich nicht glücklicher machen. Irgendwann schaffst du es nicht mehr zwischen all den Problemen der anderen, den Weg zu dir zu finden. Und dann biegst du vielleicht zu spät ab und verpasst deine Chance.

Ich habe gelernt, dass nur, weil ich gut zu hören kann und empathisch bin, dass das andere nicht genau so gut können. Ich habe gelernt, dass du Hilfe und ein Ohr einfordern musst und auch darfst.

Nicht jeder ist so einfühlsam und merkt an deinem „Bei mir ist alles okay." Dass okay eigentlich eher beschissen, heißt. Es ist deine eigene Aufgabe zu zeigen oder auch zu sagen, was du willst und, was du brauchst. Denn jeder Mensch ist anders und das ist auch gut so und manche brauchen vielleicht länger etwas zu merken, aber dann sag es ihnen einmal mehr.

Lernen, auf sich selbst zu achten

Ich habe viel gelernt und das war für mich wirklich nicht so leicht, aber ich will auch noch viel lernen und muss auch noch einiges lernen (müssen).

Ich muss lernen auf mich selbst zu achten. Meine Antennen, die nach außen gerichtet sind um die Sorgen anderer zu hören, die muss ich auf mich richten.

Ich kann und muss mich besser um mich selber kümmern. Damit ich glücklich werde. Natürlich bin ich froh, wenn ich anderen helfen kann. Aber das ist keine gute Strategie immer anderen helfen, kann auch belastend sein.

Sich selbst gut kennen und einschätzen können, ist wichtig, man kann nicht immer über seine Grenzen gehen. Und so versuche ich immer wieder Tag für Tag drauf zu achten,... doch das alles klingt nach stummen Ausrufezeichen, nach halb ernst gemeinten Ausrufen. Und leider ist es auch genau das für mich.

Ich muss lernen, Nein zu sagen

Immer wieder falle ich in meine alten Muster. Ich bin erschöpft und höre nicht auf meinen Körper, mache dies und das und schaffe es nicht Nein zu sagen. Immer wieder ertappe ich mich dabei wie ich etwas ganz Anderes denke und fühle als ich sage.

Ich habe doch einen Mund um meine Meinung zu sagen. Ich habe einen Kopf und ein Gehirn, was denkt und trotzdem nutze ich meinen Verstand nicht, um andere nicht zu verletzten. Aber die Grenze vom möglichen zum unmöglichen von bitten und ausbeuten und nicht wollen und trotzdem tun ist bei mir fließend.

Ich will noch so viel lernen. Ich will Nein denken und Nein sagen und mal voll dahinterstehen. Ich will mich so entscheiden wie ich es für richtig halte und nicht, was die anderen meinen. Und ich will mich am besten kenne und für mich alleine sorgen und mein Held sein. Und ich glaube, irgendwann... da schaffe ich das auch. Zum Beispiel jetzt.

Fang an an dich zu glauben. Fang an zu sagen, was du zu sagen hast. Fang an dich glücklich zu machen. Lern mal dich selbst einzuschätzen und das tun, was du willst. Am besten jetzt.

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