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Die Vergangenheit kann man nicht ausradieren- Ein Kapitel ├╝ber die Depressionen meiner Mutter

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Wir k├Ânnen das Buch selber schreiben, so singt es Mark Forster es g├Ąbe genug freie Seiten.... Wir sind der Regisseur unseres Lebens und ja, an sich k├Ânnen wir mit dem Gummiboot bis nach Alaska. Eigentlich sind wir alle frei. Eigentlich...

Aber jedes Buch hat einen Anfang, eine Vergangenheit. Meine Seiten sind sehr dunkel. Ein Kapitel, das sicher nicht jeder ├Âffnen m├Âchte und noch weniger lesen wollen und die wenigsten k├Ânnen es verstehen. Und auch, wenn das nur die Vergangenheit, der Anfang eines Buches, einer Reise oder sogar eines Lebens ist, so ist es und bleibt es ein Anfang, ein dunkles Kapitel.

Vielleicht sind die restlichen Seiten leer und unbeschrieben und ja, vielleicht handeln sie auch von einem Happy End. Aber, wenn der Anfang geschrieben ist, kann man ihn nicht einfach ├Ąndern oder weg radieren. Das Leben, die Vergangenheit kann man nicht streichen. Und so sind wird eben nicht alle frei.

Ich zum Beispiel, ich bin gefangen, gefangen in der Vergangenheit. Und nicht immer ist der Rucksack, den wir auf unserer Reise durch das Leben mitnehmen m├╝ssen, leicht. Meiner zum Beispiel ist schwer.

Mein Rucksack ist eher ein Stein, der an mein Bein gebunden ist, vielleicht sogar eine Fu├čfessel. Mir f├Ąllt es schwer all die Erinnerungen, all die Bilder und vor allem die ├ängste aus der Vergangenheit los zu werden.

Auch, wenn ich oft dar├╝ber nachgedacht habe, einfach zu gehen, mein erstes Kapitel zu streichen. Ich kann es nicht. Etwas ausradieren oder wegzulaufen, das w├╝rde meine Probleme nicht l├Âsen, zumindest noch nicht. Denn ich habe Verantwortung oder besser ich ├╝bernehme zu viel Verantwortung - immer noch.

Meine Mama hat Depressionen bekommen als ich 13 war.

Und erst jetzt merke ich, was das mit mir gemacht hat. Dass es ein Teil in meinem Leben ist und ich diesen auch fast zehn Jahre sp├Ąter nicht streichen kann.

Auch, wenn ich einen Wunsch habe und dieser w├Ąre, dass ich die Vergangenheit vergessen k├Ânnte, das w├Ąre falsch. Auch, wenn ich mir fr├╝her bei jeder Kerze, die ich ausgepustet habe, bei jeder Wimper, die ich gefunden habe und bei jeder Sternschnuppe, die ich gesehen h├Ątte (ich habe leider noch nie eine gesehen - bis heute nicht) diesen Wunsch hatte.

Auch, wenn ich nachts betend im Bett lag, dass ich das alles nur tr├Ąume. Ich habe mir gew├╝nscht, dass meine Mutter im Bett liegt und nicht mit einem Seil durch unser Haus l├Ąuft und sich einen Platz sucht, wo sie es oder vielleicht auch sich aufh├Ąngen konnte. Ich hasse Alptr├Ąume. Meine sind leider Vergangenheit. Leider wird es auch vielen anderen so gehen.

Und ja, ich w├╝nsche mir immer noch bei nicht allen, aber vielen Wimpern, dass diese Dunkelheit nie wiederkommt. Nicht nur, weil mich immer noch die Angst begleitet, dass diese Krankheit zur├╝ckkehrt.

Oder besser gesagt: auch, wenn meine Mama nicht mehr regelm├Ą├čig zur Therapie gehen muss, so kann ein Blick, ein Satz, all die Bilder zur├╝ckbringen und die ├ťberzeugung, dass die Krankheit nie weggehen wird, bleibt.

Und auch, wenn es ihr vielleicht gut geht. Und sie vielleicht sogar die Vergangenheit loslassen kann. Ich kann das nicht. Bei den Worten Selbstmord, Suizid erstarre ich. Wenn sich jemand im Fernsehen umbringt, dann kommen all die Bilder wieder hoch. Ich bin in meinem Vergangenheits- Horrorfilm gefangen. Und ich wei├č, wahrscheinlich wird das auch so bleiben.

Und bei jedem Witz ├╝ber Selbstmord oder Depressionen, werde ich w├╝tend.

Aber das erstarrte M├Ądchen in mir, wird weniger. Ich bin stolz auf das, was ich alles geschafft habe und ich bin zuversichtlich, dass ich noch vieles schaffen werde. Also werde ich stark sein und lerne den Rucksack zu tragen, den Stein zu rollen oder die Fessel zu ziehen.

Ich zumindest versuche das, weil ich nicht in der Lage bin mich zu befreien - noch nicht. Und egal wie dunkel das Kapitel ist und ich w├╝nsche auch garantiert niemanden, dass er so etwas durchmachen muss. Es ist geschrieben und es geh├Ârt zu mir. Es hat mich irgendwie auch ├╝ber mich selbst hinaus wachsen lassen.

Also, lasst uns unser Leben selber schreiben, auch mit den dunklen Seiten, denn sie geh├Âren zu uns. Raus rei├čen oder weg radieren kannst du sie nicht, egal wie gerne du das w├╝rdest und egal wie viele Wimpern-, Kerzen-, und Sternschnuppenw├╝nsche du verschwendest.

Die Vergangenheit ist ein Teil von dir. Schreib dein Happy End bunt und befrei dich von schwarzwei├č. Werde so stark, dass du deinen Rucksack tragen kannst, deinen Stein rollst und die Fessel ziehst. Zumindest bis du loslassen kannst.

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