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Warum ich heute morgen meine Kinder angeschrien habe

15/11/2015 16:45 CET | Aktualisiert 15/11/2016 11:12 CET
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Heute morgen hab ich meine Kinder angeschrien. Es ging um Strumpfhosen und außerdem um die Frage:

„Warum hast du meine Handschuhe versteckt?"

„Hab ich gar nicht!"

„Klar hast du. Du nimmst immer meine Sachen und versteckst sie. Du bist sowieso die blödste Schwester der Welt."

„Und du bist ein dummes Kind. Musst nicht immer mir dir Schuld geben, wenn DU mal wieder etwas nicht findest."

Dann hab ich sie angeschrien. Ziemlich laut. Ziemlich heftig und gemein. Dass ich ihr Getue daneben finde, dass sie sich nicht so blöd benehmen sollen, warum sie IMMER wenn wir aus dem Haus wollen so doof rumzicken? Dann eine klassische Drohung:

„Hört jetzt einfach auf damit, sonst bleiben wir grad zu Hause."

Ich habe böse Dinge gesagt, völlig überreagiert und mich ziemlich dämlich benommen.

Ich war wütend.

Traurig.

Schockiert.

Fassungslos.

Und bin es immer noch.

Über Twitter habe ich den Anschlag in Paris verfolgt

Ich war letzte Nacht bis um 02:15 vor dem Fernseher. Hab über Twitter die schrecklichen Meldungen des Terroranschlages in Paris mit verfolgt. Und ich war:

Traurig

Schockiert

Fassungslos

Und genau diese Gefühle hab ich heute morgen meinen Kindern entgegengebracht. Ich war nämlich nicht wütend wegen dieser Strumpfhosen-Handschuh-Geschichte.

Ihr habt Recht. Man schreit seine Kinder nicht an. Egal was passiert ist. Und trotzdem hab ich es getan.

Ich habe meine Wut übertragen

Es war kein normaler Frust über etwas Alltägliches. Ich war wütend über all diesen Hass, über dieses Elend, diese Kriege, die angeblich im Namen der „Religion" überall geführt werden. Ich hab meine Wut, meinen Hass gegenüber diesen Tätern auf Menschen übertragen, die ich nichts dafür können und die ich von ganzem Herzen liebe.

Und das ist das Schockierende daran. Unbekannte Menschen beschimpfen sich auf Sozialen Netzwerken, machen Schuldzuweisungen, säen Hass.

Rechtsextreme Parteien und Gruppierungen reiben sich jetzt schon die Hände, denn genau DAS was gestern wieder passiert ist, gibt ihnen Auftrieb um IHRE eigenen hässlichen Gedanken unter die Menschen zu bringen.

Durch das was gestern passiert ist, werden wieder Menschen angegriffen. Menschen, die nichts dafür können. Menschen, die genau vor diesem Terror selber aus ihren Ländern geflohen sind.

Und das ist es was mir Angst macht.

Der Hass war so nah

Viele Länder, in denen Schreckliches passiert, sind für uns weit weg. Wir lesen zwar ständig über das Leid und das Elend der Menschen und trotzdem berührt es uns meist nur kurz. Gestern war dieser Hass für einmal wieder ganz nah.

In Frankreich, einem Land, dass ich persönlich sehr liebe und mit dem ich viele schöne Momente verbinde. Gerade diese Nähe, hat mir wieder in Erinnerung gerufen, wie zerbrechlich unsere Welt doch ist. Wie fest wir aufpassen müssen, dass sich dieser Hass nicht weiterverbreitet. Nicht in sozialen Netzwerken, nicht in unserem Umfeld, nicht in unserer Familie.

Wir können diesen Irrsinn nicht stoppen. Aber wir können wenigstens versuchen, ihn nicht noch weiter zu verbreiten, in dem wir selber Hass säen.

Und nimmt der eigene Hass und die Wut überhand, dann ist es vielleicht einfach besser, kurz durchzuatmen und einfach mal die Klappe zu halten, bevor man das weiterverbreitet, was man selber so sehr verabscheut:

Hass.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Elternplanet.

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