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Warum soziale Start-Ups es in Thailand leichter haben

05/07/2015 12:18 CEST | Aktualisiert 05/07/2016 11:12 CEST
thinkstock

Als Forscherin für das gute Internet in Thailand. Ein Fazit von der Suche nach digitalen Aktivisten und sozialen Apps. Und wie ich einen Mr. Condom und einen verrückten Inkubator fand.

Thailands Wirtschaft wächst. Mit dem Wachstum wird das Internet immer besser ausgebaut und kostengünstig zugänglich. Und weil der wirtschaftliche Boom sich vorallem in Bangkok (die Big Mango) konzentriert, ziehen immer mehr Thais vom Land in die Stadt. In den letzten fünf Jahren hat sich Bangkok so zu einem Hub für digitale Start-Ups entwickelt.

Neben den Techies, die einfach nur Geld mit ihren Erfindungen verdienen wollen und hauptsächlich Erfolgsrezepte aus den USA kopieren, gibt es auch ein paar Idealisten, die glauben, dass sie mit dem Internet die Welt verbessern können. Sie haben es in Thailand damit relativ leicht.

Einer der Weltverbesserer ist Sutthichai Boonprasop. Der 24jährige Student hat sich zum Ziel gesetzt den thailändischen Physikunterricht mit Powerpoint zu revolutionieren. Auf seiner Online-Learning-Plattform „WinPhysics" stellt er Präsentationen mit den wichtigsten Grundlagen für den Physik-Unterricht kostenlos zur Verfügung. Mehr als 1.700 Schüler nutzen die Plattform bereits - mit einer Erfolgsquote von 80 Prozent.

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Sutthichai Boonprasop, der Erfinder von WinPhysics.

„Ich komme aus Verhältnissen, in denen ich mir keinen Nachhilfelehrer leisten konnte. Weil ich tolle Lehrer hatte, hatte ich Glück und kann heute in Ingenieurswissenschaften promovieren. Mit meiner Plattform will ich mein Wissen weitergeben und dazu beitragen, dass auch andere diesen Weg gehen können", sagt Boonprasop.

Die Regierung investiert in Sozialunternehmer

Bei diesem Vorhaben hat ihn ein Investor ganz besonders unterstützt - und hier kommen wir zu dem Punkt, der Sozialunternehmertum in Thailand interessant macht. Es war nämlich die staatlich Sozialunternehmer-Agentur (TSEO), die Boonprasops Idee mit einem Stipendium förderte.

„Sozialunternehmer rücken immer mehr in den Fokus der Regierung, weil sie sehr gute und sehr wichtige Arbeit machen", sagt Montra Vesarach, die als „Veränderungshelferin" bei TSEO arbeitet. „Wir bei TSEO möchten dafür sorgen, dass die Regierung in Vorhaben investiert, die eine nachgewiesen positive Wirkung für Benachteiligte erzielen."

Seit 2010 arbeiten die zehn Mitarbeiter von TSEO daran, die Infrastruktur für Sozialunternehmer zu verbessern. In einem dreistufigen Inkubationsprogramm werden weltverbessernde Unternehmer von der Idee bis hin zum funktionierenden Sozialunternehmen gefördert. Etwa 100 soziale Start-Ups haben schon davon profitiert.

Ansehen der Sozialunternehmer steigt

„Genau genommen ist das Konzept Sozialunternehmer hier in Thailand gar nicht neu", sagt Ponchan Kraiwatnutsorn von Ashoka, einem weltweiten Förderprogramm für Sozialunternehmer. „Aber die Kritik an wohltätigen Organisationen wird immer größer und gleichzeitig steigt das Ansehen der Sozialunternehmer ", so Kraiwatnutsorn.

Einer der angesehensten und weltweit bekannten Sozialunternehmer Thailands nennt sich Mr. Condom. Mechai Viravaidya, so ist sein bürgerlicher Name, ist mit seinem öffentlichen Engagement für Aufklärung bekannt geworden. Finanziert hat er seine Aktivitäten durch ein populäres Restaurant - im Cabbages und Codoms kann man vorzüglich essen, die Erlöse gehen in Aufklärungsprogramme im ganzen Land. Diese Initiative sorgte für einen messbaren Rückgang der Teenager-Schwangerschaften in Thailand. Staatliche Aufklärungsprogramme hatten vorher versagt.

Universitäten und Inkubatoren für die nächste Generation Weltverbesserer

Dass man heute Sozialunternehmertum an einer der größten Universitäten des Landes studieren kann, hätte sich Mechai Viravaidya vermutlich nicht träumen lassen. Doch seit zwei Jahren gibt es nun den Studiengang „Social Innovation" an der Thammasat Universität.

Genug Arbeit für die Absolventen gibt es, denn trotz wirtschaftlichen Wachstums, liegt der Anteil der Armen an der Bevölkerung bei 12 Prozent und wird seit Jahren nicht weniger. Und man kämpft mit krasser Korruption und einer immer stärkeren Einschränkung der Pressefreiheit.

Zum Schluss noch einen Tipp: Wer als Sozialunternehmer in Thailand durchstarten möchte, der mietet sich am besten zuerst einen Arbeitsplatz im Coworking-Space Ma:D. Hier, zwischen Mangobäumen, Tischtennisplatte und Sitzsack arbeiten die nächsten Weltverbesserer an ihren Ideen für die Zukunft. Ein paar Arbeitsplätze sind noch frei.

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe "lab around the World".

Weitere Informationen finden Sie hier.

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