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Der Moment, als mein Sohn dafür sorgte, dass unser Flur so aussah

01/12/2017 14:50 CET | Aktualisiert 01/12/2017 17:37 CET

So sah mein Flur vergangene Woche aus. Voller Scherben. Scharf. Gefährlich. Das war mein Flur. Und es war mein Sohn, der das getan hatte.

Manchmal, oder eher oft, zerbrechen Dinge - irreparabel. Und es raubt dir den Atem.

Es raubte mir den Atem, als mein Sohn ins Bad stürmte, frustriert, wütendt und genervt aus seinen eigenen, für ihn sehr bedeutsamen Gründen. Und als er sich entschied, die Badezimmertür zuzuschlagen, rutschte der schwere Spiegel, der an der Tür befestigt war, aus der Halterung und zerbrach auf dem Boden - eine Million zerbrochene Teile reflektierten das Nachmittagslicht.

kathleen fleming

Es war still. Ich begutachtete den Schaden und holte tief Luft. Ich scheuchte den Hund nach draußen, damit er sich nicht die Pfoten aufschnitt. Die Katze brachte ich in den Keller.

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Ich lief in den Garten und spürte heiße Tränen meine Wangen herunterlaufen. Es ist erstaunlich, wie sehr auf dich gestellt du dich als alleinerziehende Mutter in solchen Momenten fühlen kannst. Ich merkte, wie erschrocken und enttäuscht ich mich fühlte. Ist das wirklich gerade passiert? Ja. Ist es.

Und als ich dort stand und überlegte, ob das ein Hinweis auf seinen sich entwickelnden Charakter war, hörte ich sein Weinen durch das Fenster über mir, wo sich das Badezimmer befindet.

Seine Seele tat weh. Das war auch nicht, was er erwartet hatte. Hallo Wut - ich erinnere mich nicht, dich in mein Haus eingeladen zu haben.

Erschrocken.

Verängstigt.

Beschämt.

Besorgt.

Angsterfüllt.

Diese kleine, zerbrechliche Seele braucht dich jetzt

Tief Durchatmen, Kämpfer-Mama. Tief Durchatmen. Diese kleine, zerbrechliche Seele braucht dich gerade. Sie braucht dein Bestes. Dein größtes Mitgefühl. Deine sanftmütigste und bestimmteste mütterliche Liebe und Bestätigung.

Mehr tiefe Atemzüge. Auf geht's, Mama. Los. Geh jetzt. Geh und öffne die Haustür, lauf auf Zehenspitzen durch das zerbrochene Glas. Schau, wie die Badezimmertür sich langsam öffnet und sieh in das Gesicht, das du am meisten auf der Welt liebst, rot vor Sorge und nass von den Tränen.

Seine Stimme ist plötzlich so leise: "Mama, ich werde das nie wieder tun. Es tut mir SO Leid." Mehr Tränen. Mehr Weinen. So viel Unsicherheit auf seinem süßen Gesicht. Los Mama. Geh zu ihm. Geh jetzt. Zieh ihn in deinen Schoß.

Ja, du weinst auch. Verdammt, das war viel. Halte ihn fest. Schau zu, wie er sich schnell in deinem Schoß zusammenrollt. Schau, wie bemüht er ist, von dir geliebt zu werden. Von dir bestärkt zu werden. Schau, wie klein er noch ist. Wie zerbrechlich seine Seele ist.

Ich liebe dich.

Du bist sicher.

Ich bin hier.

Der schlimmste Teil ist vorbei.

Ich halte dich.

Ich bin hier.

Ich liebe dich.

Du bist nie alleine mit deiner Wut

Geh Mama. Erzähl ihm von Wut. Erzähl es ihm jetzt. Wut ist ein sehr mächtiges Gefühl. Du hast ein Recht auf deine Wut. Wut brennt. Sie kann reinigen. Sie kann aber auch zerstören.

Er nickt. Er fühlt es. Er hat nun Wut kennengelernt.

Es gibt einen besseren Weg deine starken Emotionen zu zeigen.

Wir werden zusammen daran arbeiten. Morgen.

Ich bin hier um dir zu helfen.

Du bist sicher.

Du bist nie alleine mit deiner Wut.

Du bist nie alleine mit deiner Angst.

Ich bin hier. Wir sind zusammen.

Jetzt werden wir zusammen aufräumen.

Und wir sammelten gemeinsam die zerbrochenen Teile auf. Wir kehrten und saugten. Wir arbeiteten still. Wir arbeiteten sorgfältig. Wir arbeiteten nachdenklich.

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Manchmal zerbrechen Dinge. Manchmal zerbrechen wir sie. Es ist nicht das Zerbrechen, das zählt, das Wie oder das Warum. Was zählt, ist wie wir uns entscheiden, auf das Zerbrochene zu antworten. Bringt es uns um? Wirft es uns in eine Abwärtsspirale aus Schuld und Bestrafung?

ODER

Hilft es uns, uns zu erinnern, wie man zutiefst liebt? Führt es uns in die Richtung von Mitgefühl und über die Hürden aus "Richtig" und "Falsch" hin zur LIEBE.

Ja. LIEBE.

Los Mama. Geh jetzt. Geh zu deinem Baby. Lehre es. Zeige es. Lebe es. Es nennt sich LIEBE. Geh. Jetzt.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei "Kathleen Fleming of Majestic Unicorn" und wurde von Johanna Gill aus dem Englischen übersetzt.

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(lk)

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