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Von kommunalen Unternehmen lernen: Ein Plädoyer für die kommunale Ebene

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Kathrin Ziegler via Getty Images
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Krisen wie die Banken-, Finanz- und Eurokrise, aber auch die andauernden Konflikte in allen Teilen der Welt, sowie die Bedrohung durch den internationalen Terrorismus lassen auch das Vertrauen in traditionelle Institutionen sinken.

Dazu zählen die Medien, die Politik, aber auch große, international tätige Unternehmen. Sinkendes Vertrauen und steigender Unmut lässt sich an der großen Zahl der Nichtwähler, am Zulauf zu radikalen Parteien wie der AfD, aber auch am Misstrauen gegenüber Freihandelsabkommen oder Angst vor Globalisierung ablesen.

Vor diesem Hintergrund wird die kommunale Ebene wieder stärker als verlässlicher Orientierungsrahmen gewertet. Bürgermeister und Stadt- und Gemeindeverwaltungen sind vom Vertrauensverlust der anderen Politikebenen kaum oder gar nicht betroffen.

Viele Bürger trauen den lokalen Behörden derzeit mehr als den Behörden auf Landes- oder Bundesebene zu, mit der Aufnahme, Unterbringung und Integration von Flüchtlingen fertig zu werden. Und als verlässlicher Partner der Menschen werden zunehmend auch die kommunalen Unternehmen gesehen. Wie selbstverständlich beweist sich die kommunale Ebene derzeit als der Leistungsträger unserer Zeit - und die Bürger bemerken dies.

Regional ist das neue Bio

Viele Bürgerinnen und Bürger vertrauen regionalen Wirtschaftsstrukturen. Regionalität wird als Gegengewicht zur Globalisierung und damit als Anker empfunden. Wo kommt ein Produkt her? Kenne ich das Unternehmen selbst? Wie verankert ist das Unternehmen in meiner Stadt, in meiner Gemeinde?

Welche Verantwortung, über die ökonomische hinaus, übernimmt das Unternehmen? Regionale Wertschöpfung ist ein Wirtschaftsentwurf, der ökonomische, soziale und ökologische Aspekte vereinigt - also Nachhaltigkeit im besten Sinne lebt und fördert. Wertschöpfung führt zu Wertschätzung.

Bei sich rapide verändernden Rahmenbedingungen gewinnen die Unternehmen, die auf regionaler Ebene aktiv sind, an Vertrauen. Bei einem guten Preis-Leistungsverhältnis und ihrer expliziten Kundennähe können sie mit ihrem Engagement für die Region zusätzliche Wertschätzung erlangen.

Nähe ist in Zeiten der Globalisierung zu einem Wettbewerbsvorteil geworden. Nur wer ein Unternehmen kennt, kann ihm vertrauen. Sei es als Lieferant oder als Arbeitgeber. Dies ist auch der Grund warum die Bürger kommunalen Unternehmen so stark vertrauen.

Bürgernähe als Teil der DNA

Dass drei von vier Bundesbürgern kommunalen Unternehmen großes Vertrauen entgegenbringen, ist weder Zufall noch Ergebnis eines kurzfristigen Trends. Im Gegenteil: Kommunale Unternehmen wirtschaften seit Jahrzehnten effizient, verlässlich und nah am Bürger. Bürgernähe gehört zu ihrer regionalen DNA.

Die Bürger im Land kennen und vertrauen ihren Ver- und Entsorgern vor Ort. In Zeiten verschärfter Krisen besinnen sich die Menschen auf Regionalität, lokale Verankerung sowie Vertrautheit: Anders als große, global agierende Unternehmen ist die kommunale Wirtschaft nicht auf wenige große Standorte konzentriert.

In allen Städten oder Regionen unseres Landes finden sich kommunale Unternehmen als verlässliche und faire Arbeitgeber. Die Universität Leipzig belegt den Mehrwert: Die kommunale Wirtschaft ist für rund 16,7 Milliarden Euro Einkommen verantwortlich und generiert 23,7 Milliarden Euro an Steuern.

Sie sichern also nicht nur wichtige Infrastrukturen, wie Energieerzeugung, Strom- und Gasnetze oder Wasserversorgungssysteme in Deutschland, sondern sind auch noch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Sie sichern darüber hinaus für 690.000 Menschen in Deutschland Beschäftigung.

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Bürger erwarten mehr als nur Strom, Wasser und saubere Städte

Gesellschaftliche Gruppen erwarten nicht nur vom Staat und der staatlichen Verwaltung gesellschaftliche Verantwortung, sondern auch von Unternehmen. Die Erwartungen an kommunale Unternehmen sind daher besonders hoch: 83 Prozent der befragten Bundesbürger erwarten, dass kommunale Unternehmen die Aus- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter fördern.

80 Prozent meinen, dass Stadtwerke eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern sollten. Die meisten Kundinnen und Kunden erwarten jedoch auch, dass kommunale Unternehmen nachhaltig wirtschaften (87 Prozent). Das alles unterstreicht die hohe Erwartungshaltung der Bürgerinnen und Bürger an kommunale Unternehmen.

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Fragt man nach dem Vertrauen der Bürger in kommunale und private Unternehmen, schneiden die kommunalen Unternehmen besser als viele andere Institutionen ab. Besonders Banken (23 Prozent) und Großunternehmen (nur 16 Prozent) leiden unter mangelndem Vertrauen der Bürger.

Da wundert es nicht, dass die überwiegende Mehrheit der Befragten Privatisierungen eine Absage erteilt, zumal sie in hohem Maße (zu 91 Prozent) mit den Unternehmen vor Ort zufrieden sind. Dies stärkt ebenfalls das Vertrauen zu kommunalen Unternehmen.

Die kommunale Ebene stärker einbinden

Viele politische Entscheidungen, die die Zukunft der Kommunen und ihrer Unternehmen betreffen, werden heute in Berlin und Brüssel getroffen. Dazu zählt nicht nur die Flüchtlingsfrage, sondern auch die Energiewende, die Gestaltung der Wasserversorgung oder die Zukunft der Abfallentsorgung.

Um die Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger etwa für die Energiewende zu erhalten, ist es bei großen politischen Aufgaben wichtig, die kommunale Ebene stärker einzubinden. Hier werden Entscheidungen umgesetzt, die die Menschen im unmittelbaren Umfeld betreffen.

Dazu gehört auch ein guter öffentlicher Nahverkehr, eine attraktive Bäderlandschaft und bezahlbare Energie. Bei den anstehenden energie- oder abfallpolitischen Entscheidungen sollten sich die Landesregierungen wie die Bundesregierung bewusst sein: Einen Erfolg wird man nur mit und nicht gegen die kommunale Ebene erzielen.

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