BLOG

Headhunter im digitalen Wandel

11/07/2017 17:57 CEST | Aktualisiert 11/07/2017 17:57 CEST
vgajic via Getty Images

Menschliche Erfahrung vs. Künstliche Intelligenz. Wer gewinnt das Rennen um das Recruiting der Zukunft?

Ein Prinzip im Headhunting hat auch in Zeiten der Digitalisierung und zunehmender Transparenz seine Gültigkeit, es heißt: Großartige Menschen bewerben sich nicht auf offene Stellen, sie werden abgeworben. Durch Portale wie beispielsweise XING und LinkedIN sind die digitalen Kontaktpunkte vielfältiger geworden und mit dieser Vielfalt steigen für Kandidaten und Headhunter die Möglichkeiten, um Kontakt aufzunehmen.

Allerdings ist der Moment der Kontaktaufnahme weiterhin so kostbar und entscheidend für den Fortgang und Erfolg des Einstellungsprozesses, dass man ihn einem Algorithmus alleine nicht überlassen kann. Bei aller Liebe zur Digitalisierung.

Es ist schon paradox: Den Kandidaten stehen zur Karriereplanung und -steuerung immer bessere digitale Tools zur Verfügung. Und trotzdem greifen Unternehmen, beim Besetzen hochrangiger Stellen, unvermindert auf die Hilfe der Personalberater aus Fleisch und Blut zurück. Die wirklich interessanten Positionen werden weiterhin über Headhunter besetzt und sind meistens nicht mal ausgeschrieben.

Da stellt sich die Frage: Warum ist der Headhunter gerade in Zeiten der Digitalisierung so wichtig? Und wie muss sich die Profession verändern, um weiter gefragt zu sein? Schließlich ist es für alle Beteiligten keine schöne Perspektive, dass Einstellungsgespräche zukünftig ggf. von Chatbots geführt werden.

Im Zuge von Big Data, Künstlicher Intelligenz und Machine Learning schreiten die Möglichkeiten der Personalisierung und personalisierter Angebote immer weiter voran - auch das Headhunting, so wie wir es kennen, wird sich hierdurch weiter verändern. Das Matching von Kandidatenprofilen und offenen Positionen wird zumindest bei den Non-Executive Positionen, verstärkt über Algorithmen und Data Analytics laufen und daten-getriebenes Headhunting wird sich als neuer Standard etablieren.

Karriere-orientierte Plattformen wie LinkedIn unterscheiden sich von Waren-Plattform wie Amazon allerdings fundamental in einem auschlaggebenden Punkt: hier geht es in erster Linie um Menschen mit ganz individuellen Motivationen und Emotionen, und nicht um Commodities mit klaren Produkteigenschaften und abrufbaren Preisen.

Wir befinden uns in einem Kandidatenmarkt. Das Gold liegt in den Händen der Kandidaten. Dass die Akquise per Telefon heute weitestgehend keinen Sinn mehr macht, ist mittlerweile in der Branche angekommen - auf die Situation im Großraumbüro hat man sich entsprechend eingestellt. Algorithmen, Datenanalysen und digitale Tools gestalten die Arbeitsabläufe, Suchprozesse und Kandidatenansprache der Headhunter schon heute einfacher.

Dennoch wollen die Kandidaten vor allem als menschliche Wesen gesehen und angesprochen werden und nicht als Objekte einer Datenbank, die wöchentlich mit Copy/Paste Nachrichten zugeschmissen werden. Richtig gute Digitalspezialisten werde gerne auch 10 Mal am Tag kontaktiert und lesen ihre Nachrichten längst nicht mehr. Um also aus der Masse herauszustechen muss man catchen, relevante Infos liefern und jeden Menschen als den anschreiben, der er ist: ein Individuum.

Es ist beim Headhunting in digitalen Zeiten also nicht anders, als beim Online-Shopping: genauso, wie potenzielle Kandidaten nicht mit derselben Nachricht angesprochen werden wollen, die hundert andere bereits zuvor erhalten haben, so erwarten Kunden eines Reiseportals das für sie geeignete Urlaubsangebot passgenau im richtigen Augenblick. Es gibt für jede Digitalposition nicht unbegrenzt viele wirklich passende Kandidaten, daher dürfen diese zurecht erwarten, dass ihnen mit Fingerspitzengefühl und Individualität begegnet wird.

Je höher die zu besetzende Position in der Hierarchie angesiedelt ist, desto wichtiger wird die echte personalisierte Ansprache der Kandidaten, das persönliche Netzwerk des Headhunters und die Vorauswahl. Denn die meisten Unternehmen wollen bei Key Positionen weiterhin lieber ein gutes Marktscreening und eine kompetente Vorauswahl, anstatt von einem Algorithmus ein paar schlecht vorqualifizierte Kandidatenvorschläge zu bekommen.

Ausgezeichnete Personalberater werden also weiterhin von ihrer Empathie und Erfahrung profitieren und diese Prozesse bewusst gestalten und beratend begleiten - digital und analog.

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

Gesponsert von Knappschaft