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Haltungsverordnung für Milchkühe

15/01/2016 16:09 CET | Aktualisiert 15/01/2017 11:12 CET
Roelof Bos via Getty Images

Welttierschutzgesellschaft und PROVIEH legen Verordnungsentwurf vor

Nachdem sich der Bundesrat für gesetzliche Vorgaben in der Putenhaltung ausgesprochen hat, gilt es nun, ebenfalls Mindeststandards für die 4,3 Millionen Milchkühe in Deutschland im Rahmen einer eigenen Haltungsverordnung festzulegen.

Denn obwohl die Milchwirtschaft einen zentralen Bereich der deutschen Landwirtschaft darstellt, finden Milchkühe in der Tierschutznutztierhaltungsverordnung keine Berücksichtigung. Die Tierschutzorganisationen Welttierschutzgesellschaft e.V. und PROVIEH VgtM e.V. haben daher einen Entwurf erstellt, der neben konkreten Haltungsvorgaben auch tierbezogene Indikatoren und einen Sachkundenachweis für Landwirte beinhaltet.

Auslauf im Freien als eine Mindestvorgabe

Kühe sind von Natur aus Weichbodengänger. Der weiche Untergrund einer Wiese ermöglicht ihnen eine natürliche Gehweise, verringert das Verletzungsrisiko, befriedigt das Bedürfnis nach Bewegung und ermöglicht eine stetige Futteraufnahme. Doch der Zugang zu einer Weide oder zumindest der Auslauf im Freien über einen Laufhof sind gesetzlich nicht vorgeschrieben.

Insgesamt grasen in Deutschland nur noch etwa 40 Prozent der Milchkühe auf der Weide. Hier wollen die Organisationen gegensteuern und den Auslauf im Freien gesetzlich verankern.

Zudem werden mehr als eine Million Milchkühe noch immer teil- oder ganzjährig im Stall angebunden. Das läuft dem Bedürfnis der Tiere nach Bewegung zuwider und lässt die Körperpflege sowie den Kontakt mit Artgenossen nicht zu.

Anbindehaltung, wenn nicht verbunden mit Weidegang während der Vegetationszeit, regelmäßigem Auslauf im Winter, großen Liegeflächen und Einstreu, sollte gesetzlich konsequent verboten werden.

Sachkundenachweis für Landwirte

Jährlich wird hierzulande jede dritte Milchkuh geschlachtet, hauptsächlich bedingt durch Fruchtbarkeitsstörungen und andere Erkrankungen. Um dem entgegenzuwirken, sieht der Verordnungsentwurf außerdem vor, dass die Landwirte zukünftig einen Sachkundenachweis zu allen Bereichen der Milchkuhhaltung erbringen müssen.

Denn das Management auf jedem Hof ist mitentscheidend für die Gesundheit und das Wohl der Milchkühe. Zudem sollen tierbezogene Indikatoren mit messbaren Grenzwerten zum Wohl der Kühe künftig gesetzlich verankert, regelmäßig angewendet und geprüft werden. Denn ob eine Kuh lahmt oder eine Euterentzündung hat, kann nur direkt am Tier festgestellt werden.

Mehr als 167.000 Bundesbürger haben bereits eine entsprechende Petition der Welttierschutzgesellschaft unterzeichnet und fordern vom Bundeslandwirtschaftsministerium mehr Tierschutz für Milchkühe.

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