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Mit eurem Gender-Wahn macht ihr die Gleichberechtigung lächerlich

03/03/2017 13:07 CET | Aktualisiert 03/03/2017 17:02 CET
nullplus via Getty Images

Es gibt Nachrichten, die mich als Feministin fassungslos machen.

Der rot-rot-grüne Stadtrat in Chemnitz sorgte diese Woche mit einem hoch umstrittenen Plan für mächtig Aufregung. Das Problem, so der Stadtrat: Es gebe zu viele männliche Straßennamen. Die Lösung: Wir benennen neue Straßen vorrangig nur noch nach Frauen.

Begründung für das wahnwitzige Vorhaben: Die Gleichberechtigung soll auch bei Straßennamen gelten. Männer hätten hier bisher die Überhand.

Aber: Solche Aktionen sorgen nicht etwa für mehr Gleichberechtigung - sondern sie führen die Idee des Feminismus ad absurdum.

Schlimmer noch: Solche Vorschläge sorgen dafür, dass "Feminismus" zunehmend zu einem Schimpfwort verkommt.

Gesellschaft ist auf Karrierewege ausgerichtet

Dass auf Chemnitz' Straßenschildern häufiger Peter als Petra zu lesen ist, ist kein Wunder. Straßen werden nach Menschen benannt, die einen Einfluss auf die Geschichte hatten - und nicht nach Müttern oder Hausfrauen.

Das ist oft nicht der Fehler der Frauen, sondern es liegt an den Umständen und den Voraussetzungen einer Gesellschaft, die auf männliche Karrierewege ausgerichtet ist

Das ist auch heute noch so - und damit kommen wir zum Kern des Problems.

Nur neun Prozent der Bürgermeister sind weiblich, obwohl 51 Prozent der Menschen in unserem Land Frauen sind. Obwohl 48 Prozent der Studierenden Frauen sind, sind es nur 28 Prozent der Habilitierenden. Und nur elf Prozent der Professoren sind weiblich. Dafür sind es 99 Prozent der Sprechstundenhilfen. Diese Beispiele ließen sich ewig weiterführen.

Mehr zum Thema: Warum eine Fünfjährige gerade zum Vorbild vieler Frauen wird

Mit der Muttermilch saugen die künftigen Generationen auf, dass sich die Welt in Männer und Frauen teilt

Die Ungleichberechtigung beschränkt sich nicht auf Karrieren. Auf nur zehn Prozent der teuersten Gemälde sind nackte Männer abgebildet, auf 43 Prozent hingegen nackte Frauen.

Mit der Muttermilch saugen die künftigen Generationen auf, dass sich die Welt in Männer und Frauen teilt. Ins starke, die Initiative ergreifende Geschlecht und ins schwache, sich kümmernde, schmückende.

Natürlich - wir sind heute schon ein großes Stück weiter als noch vor 50 Jahren zum Beispiel. Und die Gleichberechtigung nimmt weiter zu. Aber wir sind in Sachen Gleichberechtigung noch meilenweit davon entfernt, wo wir hin müssen und wollen.

Besonders in Deutschland. Wir hinken hier im europäischen Vergleich stark hinterher.

Ein Vorstoß wie der in Chemnitz lenkt die Diskussion aber auf einen klitzekleinen Randaspekt. Noch schlimmer: Er macht die Gleichberechtigung lächerlich.

Denn was hilft es mir, was hilft es meinen Freundinnen, wie schafft es konkret Veränderung was die Gleichstellung betrifft, wenn in Chemnitz neue Straßen nur noch nach Frauen benannt werden? Die Antwort: Es hilft niemandem. Es ist reine Symbolpolitik.

Noch schlimmer: Dieser Vorschlag ist genau der Grund, wieso Feministinnen und Feministen in Deutschland so einen schlechten Ruf haben.

Mehr zum Thema: Gleichberechtigung 4.0 - Was kommt nach dem Feminismus?

Wer will schon in so einen Topf geworfen werden?

Vorschläge wie dieser lassen uns Feministinnen wie kleinliche, verkniffene wegen alles und jedem beleidigte Zicken dastehen.

Sie nehmen uns die Möglichkeit, von der breiten Gesellschaft ernst genommen zu werden. Sie nehmen uns die Möglichkeit, mehr Mitstreiter und mehr Sympathien zu gewinnen. Wer will schon in so einen Topf geworfen werden?

Würde sich die Diskussion auf die wirklichen Probleme besinnen, die wir in Sachen Gleichberechtigung haben, dann würde sich die Sache mit den Straßennamen von ganz alleine lösen.

Denn nach erfolgreichen und einflussreichen Frauen werden auch Straßen benannt.

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