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Was eine Mutter allen Kinderlosen zu sagen hat

13/01/2016 13:52 CET | Aktualisiert 13/01/2017 11:12 CET
Thanasis Zovoilis via Getty Images

Ich gebe es zu. Ich bin eine Vollblutmama. Für mich ist Mamasein die größte Erfüllung auf Erden. Nichts macht mehr Sinn. Ein Leben ohne Kind könnte ich mir niemals vorstellen. Und eins reicht mir sicher nicht. Ich will mindestens drei. Ja, richtig gehört. Ich will eine Großfamilie.

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Ich lass mich gerne jeden morgen um 7 Uhr wecken und nachts auch einige Male. Ich entferne jeden Tag gerne mehrmals die Essensreste vom Boden. Ich tappe nachts in die Küche, um meiner Tochter die Flasche zu machen und ich habe auch kein Problem zum hundertsten Mal Fangen zu spielen.

Meine Karriere stelle ich ohne weiteres zurück. Ich kann auch noch mit 40 plus durchstarten. Nicht falsch verstehen. Ich arbeite. Teilzeit. Aber meine Prioritäten sind für mich ganz klar. Meine Tochter und mein Mann stehen an erster Stelle und dann kommt erst mal lange nichts. Kein Job der Welt könnte mich dazu bringen, meine Tochter zu vernachlässigen.

Und meine Freiheit, die hatte ich mein Leben lang. Ich bin monatelang durch die Welt gereist und etliche Male morgens aus Clubs gesteuert. Ich habe meine Freiheit ausgekostet. Doch irgendwann ist auch mal gut. Irgendwann wollte ich etwas anderes. Ich wollte Verantwortung statt Freiheit.

Euch Kinderlosen kann ich nur sagen, dass es mir sehr schwer fällt, eure Lebenseinstellung zu verstehen

Ich weiß, dass es da draußen aber auch euch gibt. Die Kinderlosen. Die, die sich bewusst gegen Kinder entscheiden. Oder zumindest nicht jetzt Kinder wollen. Später vielleicht. Euch kann ich nur sagen, dass es mir sehr schwer fällt, eure Lebenseinstellung zu verstehen. Trotzdem bewundere ich euch.

Ich bewundere euch für euren Mut, alleine und nicht als Familie durchs Leben zu gehen. Für euren Mut, sich bewusst für ein anderes Lebenskonzept zu entscheiden. Und für euren Mut, auf die Erfahrung Mutter oder Vater zu werden zu verzichten.

Ich bewundere, dass ihr irgendwann ertragen müsst, dass ihr die Einzigen seid, die keine Kinder haben. Denn alle eure Freunde wollen Kinder. Und bald geht es nur noch um diese langweiligen Kinderthemen.

Ich bewundere euch für eure Ausdauer, immer wieder aufs Neue zu hören, wie toll der kleine Lukas schon seinen Namen schreiben kann und wie oft die kleine Rosa schon alleine in den Topf gemacht hat. Und dass ihr euch trotzdem noch dafür interessiert.

Ich bewundere euch dafür, dass ihr euch immer wieder anhören müsst, wie egoistisch ihr doch seid, keine Kinder zu wollen

Ich bewundere euch dafür, dass ihr euch immer wieder anhören müsst, wie egoistisch ihr doch seid, keine Kinder zu wollen. Dass ihr euch von überzeugten Mamas anhören müsst, was ihr in eurem Leben alles verpasst. Dass ihr einen Fehler macht.

Ich bewundere euch dafür, dass ihr im Büro sitzt, Überstunden macht, schon wieder seit morgens nur ein Sandwich gegessen habt und nicht jammert. Ich bewundere euch, dass ihr für eure Karriere alles andere zurückstellt.

Ich bewundere, dass ihr riskiert, eure Partner zu verlieren, weil sie nicht kinderlos bleiben wollen. Dass ihr es nicht scheut, eure Liebe gehen zu lassen, weil ihr euch selbst treu bleiben wollt. Und das ist gut so. Denn nichts ist schlimmer für ein Kind, als ein Leben lang zu spüren, dass es nicht wirklich gewollt war.

Ich bewundere, dass ihr keine Angst davor habt, im Alter alleine zu sein. Im Schaukelstuhl zu sitzen und vergebens darauf zu warten, dass die Tür aufgeht und jemand „Hallo Mama, wie geht's dir heute?" sagt. Dass euch niemand Mama, aber auch niemand Oma nennen wird. Ich bewundere, dass ihr keine Angst davor habt, euren Stammbaum nicht weiter zu führen.

Ich bewundere euch dafür, dass ihr trotzdem jeden Morgen aufsteht und für euch, für eure Vision, kämpft. Dass ihr euch nicht unterkriegen lasst. Dass ihr in den Spiegel schaut und sagen könnt: Ich bin nur für mich verantwortlich.

Die Autorin betreibt Kathis Blog.

Sie verurteilte immer diese andere Mutter. Was sie dann erfuhr, stellte ihr Leben auf den Kopf

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