Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform f├╝r kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Katharina Nocun Headshot

Warum der Staat in meinem Gehirn nichts verloren hat

Ver├Âffentlicht: Aktualisiert:
HACKER
Thomas Trutschel via Getty Images
Drucken

Als h├Ątten wir nicht schon genug Probleme mit Viren und Trojanern. Der Staat will jetzt mit einem eigenen ÔÇ×Staatstrojaner" auf B├╝rger-Rechner zugreifen. Das ist gef├Ąhrlich. Warum, zeigen diese 5 Argumente.

Problem 1: Katze im Sack

Die Pl├Ąne f├╝r eine staatliche Schadsoftware sind nicht neu. Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Urteil beim letzten Anlauf des Staates festgelegt, dass der Staatstrojaner wenn ├╝berhaupt nur auf ÔÇ×laufende Kommunikation" wie z.B. Skype-Telefonate zugreifen darf. Das Problem ist nur: Da der Code f├╝r die Software nicht offen gelegt wird, kann nicht unabh├Ąngig gepr├╝ft werden ob der Trojaner nicht doch mehr kann.

Auch die Bundesdatenschutzbeauftragte hat den Code bisher nicht gepr├╝ft. Es gibt gute Gr├╝nde, sich nicht auf die Beteuerungen der Regierung zu verlassen: Der Chaos Computer Club hat bereits vor Jahren einen ÔÇ×Staatstrojaner" aus Bayern aufgegriffen und analysiert. Ergebnis: Der Trojaner konnte nicht nur mith├Âren, sondern auch Bildschirmfotos machen und Software nachladen. Das ist eindeutig rechtswidrig. Es ist nicht kontrollierbar, ob das neue Exemplar nicht ├Ąhnliche ÔÇ×├ťberraschungen" bereit h├Ąlt.

Problem 2: Manipulation

Wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Staatstrojaner auch Daten auf den infizierten Rechnern manipulieren kann, werden die damit gesammelten Beweismittel wertlos. Denn wer kann dann noch beweisen, dass der Trojaner nicht auf den Computern der Opfer Daten manipuliert hat? Die Missbrauchs-Szenarien sind hier grenzenlos.

Problem 3: Sicherheitsrisiko

Ein Trojaner ist eine Schadsoftware. Hier wird eine Hintert├╝r auf allen infizierten Rechnern geschaffen und das ist erst einmal ein neues Sicherheitsproblem, das es ohne den Staatstrojaner nicht gab. Niemand kann garantieren, dass der Kanal, ├╝ber den der Staat auf infizierte Rechner zugreift, sicher ist.

Im Schlimmsten Fall k├Ânnen Kriminelle den Trojaner nutzen, um selbst auf die Rechner Zugriff zu nehmen. Oder ein fremder Geheimdienst. Oder ein Stalker mit technischem Sachverstand. Ein Staatstrojaner schafft damit neue Sicherheitsrisiken, die zu allem ├ťberfluss auch noch mit Steuergeld finanziert werden.

Problem 4: Der Schwarzmarkt

Um einen Staatstrojaner zu verbreiten, der sich unbemerkt auf Rechnern einnisten kann, muss man Sicherheitssysteme der Nutzer umgehen. Hierzu braucht man Informationen ├╝ber Schwachstellen in den Systemen. Es gibt einen florierenden Schwarzmarkt, auf dem Informationen zu Sicherheitsl├╝cken gehandelt werden. Denn nicht alle informieren die Hersteller ├╝ber entdeckte Sicherheitsl├╝cken, damit diese das Problem beheben k├Ânnen.

Einige versuchen, diese Informationen zu Geld zu machen. Wenn der Staat auf dem Schwarzmarkt als K├Ąufer mitmischt, um seinen Staatstrojaner ÔÇ×erfolgreich" unterjubeln zu k├Ânnen, heizt das den Markt an und die Preise gehen in die H├Âhe. Das f├╝hrt dazu, dass Sicherheitsl├╝cken noch seltener an die Betreiber gemeldet werden.

Darunter leiden alle Nutzer. Denn die Schwachstellen k├Ânnen dann l├Ąnger unbemerkt auch von Kriminellen genutzt werden. Wichtig: Es w├Ąre naiv zu glauben, dass der Staat der einzige ist, der eine L├╝cke nutzt und durch den Kauf die ÔÇ×B├Âsen" davon abh├Ąlt. F├╝r Anbieter von Sicherheitsl├╝cken ist es meist attraktiver Informationen mehrfach zu verkaufen - egal ob Beh├Ârden oder Kriminelle zahlen.

Problem 5: Kontrolle

Mein Computer und mein Smartphone sind mein externes Gehirn. Wenn der Staat darauf zugreift, dann ist das ist mehr als eine Wohnungsdurchsuchung. Das ist der Zugriff auf mein Denken. Bei einer Wohnungsdurchsuchung habe ich das Recht, dabei zu sein und zu ├╝berpr├╝fen ob alles mit rechten Dingen zugeht.

Beim Staatstrojaner ist das anders - hier wird im Verborgenen zugegriffen. Das ist eine neue Dimension der ├ťberwachung. In Zeiten eines Rechtsrucks in Europa sollten wir uns stets die Frage stellen, was bei einem Regierungswechsel mit solchen ├ťberwachungs-Werkzeugen angestellt werden kann. Hier ein kleiner Denkansto├č aus der AfD:

ÔÇ×Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufger├Ąumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik f├╝r das Volk und nur f├╝r das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde."
Markus Frohnmayer, Landtagskandidat in Baden-W├╝rttemberg, auf einer AfD-Kundgebung in Erfurt

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kattascha.de
Folgt Kattascha auf Facebook.

Auch auf HuffPost:

Video: Vorsicht, Kamera: Mit dieser App k├Ânnten Sie jederzeit ausgesp├Ąht werden

Lesenswert

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform f├╝r alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.