BLOG

Warum der Staat in meinem Gehirn nichts verloren hat

29/02/2016 09:07 CET | Aktualisiert 01/03/2017 11:12 CET
Thomas Trutschel via Getty Images

Als hätten wir nicht schon genug Probleme mit Viren und Trojanern. Der Staat will jetzt mit einem eigenen „Staatstrojaner" auf Bürger-Rechner zugreifen. Das ist gefährlich. Warum, zeigen diese 5 Argumente.

Problem 1: Katze im Sack

Die Pläne für eine staatliche Schadsoftware sind nicht neu. Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Urteil beim letzten Anlauf des Staates festgelegt, dass der Staatstrojaner wenn überhaupt nur auf „laufende Kommunikation" wie z.B. Skype-Telefonate zugreifen darf. Das Problem ist nur: Da der Code für die Software nicht offen gelegt wird, kann nicht unabhängig geprüft werden ob der Trojaner nicht doch mehr kann.

Auch die Bundesdatenschutzbeauftragte hat den Code bisher nicht geprüft. Es gibt gute Gründe, sich nicht auf die Beteuerungen der Regierung zu verlassen: Der Chaos Computer Club hat bereits vor Jahren einen „Staatstrojaner" aus Bayern aufgegriffen und analysiert. Ergebnis: Der Trojaner konnte nicht nur mithören, sondern auch Bildschirmfotos machen und Software nachladen. Das ist eindeutig rechtswidrig. Es ist nicht kontrollierbar, ob das neue Exemplar nicht ähnliche „Überraschungen" bereit hält.

Problem 2: Manipulation

Wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Staatstrojaner auch Daten auf den infizierten Rechnern manipulieren kann, werden die damit gesammelten Beweismittel wertlos. Denn wer kann dann noch beweisen, dass der Trojaner nicht auf den Computern der Opfer Daten manipuliert hat? Die Missbrauchs-Szenarien sind hier grenzenlos.

Problem 3: Sicherheitsrisiko

Ein Trojaner ist eine Schadsoftware. Hier wird eine Hintertür auf allen infizierten Rechnern geschaffen und das ist erst einmal ein neues Sicherheitsproblem, das es ohne den Staatstrojaner nicht gab. Niemand kann garantieren, dass der Kanal, über den der Staat auf infizierte Rechner zugreift, sicher ist.

Im Schlimmsten Fall können Kriminelle den Trojaner nutzen, um selbst auf die Rechner Zugriff zu nehmen. Oder ein fremder Geheimdienst. Oder ein Stalker mit technischem Sachverstand. Ein Staatstrojaner schafft damit neue Sicherheitsrisiken, die zu allem Überfluss auch noch mit Steuergeld finanziert werden.

Problem 4: Der Schwarzmarkt

Um einen Staatstrojaner zu verbreiten, der sich unbemerkt auf Rechnern einnisten kann, muss man Sicherheitssysteme der Nutzer umgehen. Hierzu braucht man Informationen über Schwachstellen in den Systemen. Es gibt einen florierenden Schwarzmarkt, auf dem Informationen zu Sicherheitslücken gehandelt werden. Denn nicht alle informieren die Hersteller über entdeckte Sicherheitslücken, damit diese das Problem beheben können.

Einige versuchen, diese Informationen zu Geld zu machen. Wenn der Staat auf dem Schwarzmarkt als Käufer mitmischt, um seinen Staatstrojaner „erfolgreich" unterjubeln zu können, heizt das den Markt an und die Preise gehen in die Höhe. Das führt dazu, dass Sicherheitslücken noch seltener an die Betreiber gemeldet werden.

Darunter leiden alle Nutzer. Denn die Schwachstellen können dann länger unbemerkt auch von Kriminellen genutzt werden. Wichtig: Es wäre naiv zu glauben, dass der Staat der einzige ist, der eine Lücke nutzt und durch den Kauf die „Bösen" davon abhält. Für Anbieter von Sicherheitslücken ist es meist attraktiver Informationen mehrfach zu verkaufen - egal ob Behörden oder Kriminelle zahlen.

Problem 5: Kontrolle

Mein Computer und mein Smartphone sind mein externes Gehirn. Wenn der Staat darauf zugreift, dann ist das ist mehr als eine Wohnungsdurchsuchung. Das ist der Zugriff auf mein Denken. Bei einer Wohnungsdurchsuchung habe ich das Recht, dabei zu sein und zu überprüfen ob alles mit rechten Dingen zugeht.

Beim Staatstrojaner ist das anders - hier wird im Verborgenen zugegriffen. Das ist eine neue Dimension der Überwachung. In Zeiten eines Rechtsrucks in Europa sollten wir uns stets die Frage stellen, was bei einem Regierungswechsel mit solchen Überwachungs-Werkzeugen angestellt werden kann. Hier ein kleiner Denkanstoß aus der AfD:

„Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde."

Markus Frohnmayer, Landtagskandidat in Baden-Württemberg, auf einer AfD-Kundgebung in Erfurt

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Kattascha.de

Folgt Kattascha auf Facebook.

Auch auf HuffPost:

Video: Vorsicht, Kamera: Mit dieser App könnten Sie jederzeit ausgespäht werden

Lesenswert

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.