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Ich habe einen neuen Trend auf Kindergeburtstagen beobachtet - er könnte unsere Kinder krank machen

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KINDERGEBURTSTAG
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Ich kann mich noch genau an meinen neunten Geburtstag erinnern. Meine besten Freundinnen waren da. Zuerst habe ich meine Geschenke ausgepackt. Dann haben wir Schokoladenkuchen gegessen und Limonade getrunken.

Später durften wir die Musik laut aufdrehen und wild durch die Wohnung rennen. Es war nichts besonderes, aber wir hatten eine Menge Spaß.

Heute sind Kindergeburtstage anders. Es ist nicht einfach nur ein schöner Tag im Jahr - es ist ein Event. Mütter zerbrechen sich schon Wochen vorher den Kopf, wie sie diesen Tag gestalten. Und stehen dabei meistens unter großem Stress.

Eine Freundin erzählte mir vor ein paar Wochen, dass sie für den Geburtstag ihres Sohnes noch so viel zu tun habe. Sie plant eine Schnitzeljagd. Es wird zehn Stationen mit je einem Rätsel geben. Am Ziel bekommen dann alle Kinder ein kleines Geschenk.

Damit es den Kindern nach der Schnitzeljagd nicht langweilig wird, bereitet sie noch Spiele vor, die sie einem Buch mit Tipps für Kindergeburtstage entnommen hat. Straffes Programm, dachte ich mir.

Der perfekte Kindergeburtstag

Aber es geht noch mehr. Meine Nichte war gerade auf dem Kindergeburtstag ihrer Freundin. Das Motto: die Eiskönigin - der Disneyfilm mit Prinzessin Elsa. Schon die Einladungskarten waren im Stil des Mottos - sie hatten die Form eines Kleides, das aus hellblauem Tonpapier ausgeschnitten war, beklebt waren sie mit weißem Tüll.

Auf dem Geburtstag bekamen alle Kinder - es waren nur Mädchen eingeladen - Kostüme aus dem Film und sie durften ihre Lieblingsszenen nachspielen. Die Kinder stimmten über die besten Schauspielerinnen ab und die bekamen dann einen Preis.

Danach setzten sich alle Kinder an den perfekt dekorierten Tisch. Es gab natürlich eine Elsa Torte. Zum Abschluss konnten die Kinder noch fleißig basteln. Zum Beispiel: einen Eiskönigin-Zauberstab, eine Prinzessinnenkrone oder Papierschneeflocken. Natürlich mit Anleitung der Mutter. Die Kostüme durften sie behalten.

Ich konnte die Schilderung meiner Nichte kaum glauben. Ich konnte nicht glauben, dass eine Mutter diesen Aufwand betreibt. Und was macht sie, wenn sie mehrere Kinder hat? Jedes Jahr drei Kinderevents mit wochenlanger Planung?

Mehr zum Thema: Ich habe keine Lust, meinen Kindern eine magische Kindheit zu bescheren

Offenbar sind solche Kindergeburtstage längst zum Standard geworden. Den Kindern muss etwas geboten werden, so der Tenor.

Eltern wollen sich gegenseitig überbieten

Manchmal hat man das Gefühl, die Eltern wollen sich gegenseitig überbieten. Mit besseren Ideen, noch mehr geplanten Aktionen, noch mehr finanziellen Ausgaben. Anregungen finden sie entweder im Netz oder in zahlreichen Ratgeberbüchern.

Dass es überhaupt Bücher gibt, die sich nur mit der Bespaßung der Kleinen auf Kindergeburtstagen beschäftigen, sollte uns eigentlich schon zu denken geben. Müssen wir unsere Kinder wirklich auf diese Art und Weise entertainen?

Mittlerweile gibt es sogar Agenturen, die den Eltern die Arbeit abnehmen. Sie werben auf ihrer Website mit Sätzen wie "Sie können sich entspannt zurücklehnen, denn wir übernehmen die komplette Planung und Durchführung des Kindergeburtstages".

Die Agenturen bieten verschiedene Unterhaltungsprogramme für Kinder an. Die Eltern müssen dann nur noch auswählen, welches Motto es sein soll.

Wir überfordern unsere Kinder und machen sie krank

Ich frage mich: Warum lassen wir unsere Kinder nicht einfach einen stinknormalen Tag mit ihren Freunden verbringen? Es wird auch ohne Mottoparty und Schnitzeljagd ein toller Tag sein. Machen wir unseren Kindern damit wirklich ein Geschenk?

Ganz im Gegenteil. Kindergeburtstage zeigen uns eigentlich im Kleinen, was wir unseren Kindern täglich zumuten. Wir überfordern sie. Mit zahlreichen Freizeitangeboten, mit permanenter Stimulation, mit viel zu viel Input. Das macht unserer Kinder krank, sagt auch der Kinderarzt Stefan Schwarz.

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Eltern haben oft das Gefühl, dass sie ihren Kindern viel bieten müssen und wollen vor allem eines verhindern: dass sich die Kleinen langweilen. Dabei ist das Gefühl von Langeweile extrem wichtig für die Entwicklung von Kindern. Der Hirnforscher Gerald Hüther ist der Ansicht: "Nur aus der Langeweile heraus kann ein Kind seine eigenen kreativen Ideen entwickeln."

Vielleicht entstehen ja auf langweiligen Kindergeburtstagen die besten Ideen. Ideen, die von den Kindern selbst kommen und nicht von überengagierten Müttern und Vätern. Vielleicht sind das ja dann auch die Geburtstagsfeiern, die den Kindern am längsten in Erinnerung bleiben.

Was denkt ihr darüber?

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